Lage in Idomeni spitzt sich zu

Idomeni · In Deutschland geht die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge drastisch zurück. In Griechenland harren weiter Zehntausende aus. Mazedoniens Präsident verurteilt den Kurs der EU: „Ich habe verstanden, dass wir Europa egal sind.“

Nach Schließung der Balkanroute ziehen immer mehr Flüchtlinge von der griechischen Grenze zu Mazedonien ab. Am Freitag verließen mehrere Hundert Menschen das Lager Idomeni und stiegen in Busse nach Athen. Trotzdem harren noch immer Tausende in Kälte und Schlamm an der Grenze aus.

Ihr Schicksal ist weiter ungewiss. Bulgarien erwägt, seine Grenze zu Griechenland mit einem Zaun gegen Flüchtlinge abzuriegeln. Auch Italien wappnet sich gegen eine Verlagerung der Fluchtrouten. Mazedoniens Präsident Djordje Ivanov warf der Europäischen Union vor, sein Land in der Flüchtlingskrise im Stich zu lassen. Als Nicht-EU-Land schütze Mazedonien Europa vor Griechenland, das Flüchtlinge einfach weitergeschickt habe, darunter viele mutmaßliche Islamisten. Dennoch bekomme Athen jetzt schon wieder 700 Millionen Euro von der EU, während Mazedonien keinen Cent sehe, sagte Ivanov. "Ich habe verstanden, dass wir Europa egal sind." Die EU-Kommission wies den Vorwurf zurück. "Wir können hervorheben, dass das Land seit 2007 insgesamt beinahe 900 Millionen Euro an Unterstützung bekommen hat", erklärte eine Sprecherin. Seit Beginn der Krise habe Mazedonien zudem humanitäre Hilfe erhalten.

Der Westbalkanstaat gilt als ein Schlüsselland in der Flüchtlingskrise. Nach Slowenien, Serbien und Kroatien hatte am Mittwoch auch Mazedonien entschieden, nur noch Migranten mit Pass und Visum passieren zu lassen. Damit ist die Balkanroute faktisch dicht.

In Deutschland ist die Zahl der Neuankömmlinge seither drastisch zurückgegangen. Am 27. Februar wurden an der deutsch-österreichischen Grenze noch mehr als 500 Einreisen gezählt, am Mittwoch waren es laut Innenministeriums nur noch 89. Allerdings gibt es noch immer starke Schwankungen. In den vergangenen Monaten waren mehrere Tausend Asylsuchende am Tag nach Bayern gekommen.

In Griechenland harren zurzeit mehr als 42 000 Flüchtlinge aus, und täglich setzen weitere aus der Türkei über. Nach Angaben des Krisenstabs in Athen gibt es im ganzen Land zurzeit Aufnahmelager für 30 000 Menschen; bis Ende nächster Woche sollen es 50 000 Plätze sein. Athen baue trotz finanzieller Schwierigkeiten wöchentlich Aufnahmelager für 10 000 Menschen, sagte Regierungschef Alexis Tsipras .

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HintergrundDas deutsche Asylverfahren kann einer aktuellen Bertelsmann-Studie zufolge von der Schweiz lernen. Jedoch könne man die Asylreform der Eidgenossen "nicht blind kopieren", teilte die Stiftung mit. Auch wenn die Flüchtlingszahlen in Deutschland bedeutend höher seien, könne man vom Vorgehen des Nachbarn Empfehlungen ableiten. So unterscheide die Schweiz klar zwischen einfacheren und schwierigeren Asylgesuchen, mache klare Zeitvorgaben und verbessere die Qualität durch Rechtsbeistände. dpa