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„Krieg gegen die Drogen“ vor dem Aus?

„Krieg gegen die Drogen“ vor dem Aus?

Die Weltgemeinschaft berät über eine neue Linie in der Drogenpolitik. Der bisher repressive Ansatz hat sich als teuer und uneffizient herausgestellt. Vor allem die Leidtragenden in Lateinamerika wollen einen Paradigmenwechsel.

Millionen von Abhängigen, Zehntausende Tote , rechtsfreie Räume in Lateinamerika und noch immer satte Gewinne für die Verbrechersyndikate - der "Krieg gegen die Drogen" kann als gescheitert betrachtet werden. Seit den 1970er Jahren versucht die Weltgemeinschaft, dem Problem mit einer militärisch-repressiven Strategie Herr zu werden. Vor allem die USA haben Milliarden Dollar in den Kampf investiert - mit kaum messbarem Erfolg.

Bei der heutigen Sondervollversammlung der Vereinten Nationen könnte es zu einem radikalen Kurswechsel in der internationalen Drogenpolitik kommen. Vor allem die von der organisierten Kriminalität besonders betroffenen Länder Lateinamerikas dringen auf eine neue Strategie. In Mexiko befeuert das schmutzige Drogengeld einen Krieg zwischen den Verbrechersyndikaten und staatlichen Sicherheitskräften mit bislang über 100 000 Toten, in Afghanistan finanzieren sich die radikal-islamischen Taliban mit Opiumhandel und in Kolumbien halten die Kokain-Gewinne einen Konflikt am Leben, der ideologisch eigentlich längst erledigt ist. Mittelamerikanische Jugendbanden - die Maras - haben Guatemala, El Salvador und Honduras in Schlachtfelder verwandelt.

Lange galt: Die Produktion von Drogen muss in den Anbauländern gestoppt werden, Drogenhändler sind zu jagen und Konsumenten sind Kriminelle. Die Erfahrung allerdings zeigt, dass der repressive Ansatz nicht funktioniert. Die Drogenprohibition treibt die Preise für Drogen und damit die Gewinne der Verbrechersyndikate in die Höhe. Wird ein Kartellboss geschnappt, rückt sofort ein Nachfolger an seine Stelle. Und in den USA beispielsweise hat die harte Linie dazu geführt, dass die Gefängnisse voll mit Leuten sind, die nur wegen Drogenbesitzes einsitzen.

"Wir müssen Alternativen zu Freiheitsstrafen für geringfügige Vergehen wie Drogenbesitz suchen und den Zugang zu Drogen für medizinische Zwecke sicherstellen", sagt der Chef des UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung, Juri Fedotow. "Wir müssen die Menschen in den Fokus rücken." Zudem hat sich die Drogenpolitik weltweit extrem auseinanderbewegt. Während in Uruguay Marihuana mittlerweile unter staatlicher Aufsicht angebaut und vertrieben wird, immer mehr US-Bundesstaaten Cannabis legalisieren und zahlreiche europäische Länder zumindest bei weichen Drogen einen eher liberalen Ansatz verfolgen, werden in Südostasien und im arabischen Raum immer noch Drogenschmuggler hingerichtet. Experten hoffen nun, dass sich die Weltgemeinschaft bei der Sondersitzung in New York auf eine gemeinsame Linie verständigt.

Allerdings glauben selbst Optimisten nicht mehr daran, dass eine liberalere Drogenpolitik der Mafia das Genick brechen kann. "Unrealistische Ziele, wie den Drogenmissbrauch zu beenden oder das organisierte Verbrechen zu besiegen, sollten aufgegeben werden", sagt deshalb Vanda Felbab-Brown vom Forschungsinstitut Brookings Institution . "Die Ziele realistischer zu formulieren, ist ein entscheidender Schritt bei der Entwicklung und Umsetzung einer effizienteren Politik."