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Kirchen setzen den Rotstift an

Kirchen setzen den Rotstift an

Noch sprudeln die Steuerquellen, doch die Kirchen müssen sparen: In den nächsten Jahren droht ein massiver Einbruch der Mitgliederzahlen. Einige Kirchen haben ihre Rosskur hinter sich – in der rheinischen evangelischen Kirche fängt die jetzt erst richtig an.

Die Evangelische Kirche im Rheinland, der auch die meisten Christen im Saarland angehören, ist im Tal der Tränen. Die zweitgrößte der 20 Landeskirchen in Deutschland unterzieht sich einer radikalen Sparkur. Andere wie die noch größere Hannoversche Landeskirche müssen zwar auch sparen, haben aber schon früh auf allen Ebenen damit angefangen und den großen Schock am Ende vermieden. Die bayerische Landeskirche wirkt völlig entspannt. "Aufgrund einer besonnenen Ausgabenpolitik während der letzten Jahre ist unsere Landeskirche finanziell solide aufgestellt", sagt ein Sprecher.

Einnahmen steigen noch

Auf den ersten Blick wirkt es paradox: Die Kirchensteuereinnahmen steigen dank der bisher guten Konjunktur stetig. Davon profitieren auch im abgelaufenen Jahr sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche. Dennoch wird in Bistümern und evangelischen Landeskirchen der Rotstift angesetzt. Denn die Zahl der Kirchenmitglieder geht zurück. Grund sind nicht nur Kirchenaustritte , sondern vor allem die Alterung der Gesellschaft. Mit weniger Mitgliedern wird auch die Steuerquelle spärlicher sprudeln. Die rheinische Kirche rechnet bis 2030 mit einem Rückgang um ein Drittel der aktuell 2,7 Millionen Mitglieder und einer Halbierung der Steuereinnahmen. Deshalb werde der Sparkurs strikt fortgesetzt, sagte Finanzchef Bernd Baucks kürzlich. Schon seit den 70er Jahren hat die Kirche ein Drittel der Mitglieder verloren.

Die rheinische Kirche ist in einer besonders angespannten Situation. Der Landeskirchenhaushalt weist seit Jahren ein strukturelles Defizit auf. Millionenbelastungen durch einen Finanzskandal um das kircheneigene Unternehmen bbz schmälern die Rücklagen.

Der erst seit zwei Jahren amtierende Präses Manfred Rekowski, Nachfolger des populären Nikolaus Schneider, hatte die Kirche auf einen radikalen Umbau und den Rückzug aus gesellschaftlichen Bereichen eingestimmt. "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt", sagt er. Als Risiko gilt vor allem die milliardenschwere Unterdeckung der Versorgungskasse für Pfarrer und Kirchenbeamte.

Sparkurs eingeleitet

Die Hannoversche Landeskirche hat dagegen bereits seit langem vorgesorgt. "Wir haben nicht so große Lücken bei der Versorgungskasse", sagt ein Sprecher. "Wir haben das im Griff." Der Landeskirchenhaushalt von rund 500 Millionen Euro sei "plus minus Null". Schon vor zehn Jahren habe die Landeskirche Hannovers den Sparprozess eingeleitet. Noch ausgeglichen ist der Haushalt der Nordkirche in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Finanzplanung zukünftiger Jahre weise aber aus, dass ein Defizit entstehen könnte, heißt es in der Finanzabteilung.

In der rheinischen Kirche wird der Sparkurs sogar noch verschärft. Der Synode, die ab Sonntag in Bad Neuenahr zu ihrer Jahrestagung zusammenkommt, liegt ein zweites Sparpaket in Höhe von knapp 12 Millionen Euro bis 2018 zur Abstimmung vor. Besonders betroffen sind die zehn Schulen in kirchlicher Trägerschaft. Sie sollen von den 12 Millionen allein 4,5 Millionen Euro schul tern.