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Keine Lösungen beim Integrationsgipfel

Keine Lösungen beim Integrationsgipfel

In Deutschland gibt es Millionen Menschen aus Zuwandererfamilien. Auf dem Arbeitsmarkt haben sie mit Problemen zu kämpfen. Kanzlerin Merkel streift beim Integrationsgipfel viele Themen, weicht Kernfragen aber aus.

Viel hat Angela Merkel nicht im Angebot. Die Kanzlerin hat gerade ihren sechsten Integrationsgipfel hinter sich gebracht. Mehr als aufmunternde Worte hat sie zum Abschluss des Treffens allerdings nicht parat. Da wären einige wohlklingende Appelle: Vorurteile müssten aus den Köpfen verschwinden, Deutschland müsse Unternehmern mit ausländischen Wurzeln gleiche Chancen geben und der öffentliche Dienst mehr Migranten einstellen. Mit Lösungen aber geizt die Kanzlerin. Um die großen Brocken der Integrationspolitik - die Frage nach leichteren Einbürgerungen und Doppel-Pass - macht die CDU-Chefin einen Bogen.

Die Bundesregierung hat allen Grund, sich angestrengt Gedanken über Einwanderer und deren Integration in Deutschland zu machen. Schon heute stammt ein Fünftel der Bevölkerung aus Zuwandererfamilien. Die Alterung der Gesellschaft schreitet voran; das Land verliert auf lange Sicht massenhaft Einwohner - und damit auch jene, die arbeiten und in die Sozialkassen einzahlen. Das heißt: Deutschland braucht Einwanderer.

Derzeit kommen so viele wie lange nicht mehr: Vor allem junge Leute aus krisengeplagten Staaten wie Griechenland oder Spanien strömen ins Land - in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Viele von ihnen sind gut ausgebildet. Aber die Zuwanderer - die alten wie die neuen - müssen auch eingegliedert werden und sich zu Hause fühlen. Daran hapert es bislang. Migranten haben in Deutschland immer noch Nachteile - etwa auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind besonders von Arbeitslosigkeit betroffen. Und in vielen Branchen, aber auch im öffentlichen Dienst sind sie noch hoffnungslos unterrepräsentiert.

Hinzu kommen ganz andere Probleme: Die erschütternden Morde der rechtsextremen Terrorzelle NSU haben neue Verunsicherung unter Migranten geschürt. Viele fühlen sich ohnehin nicht recht willkommen, weil der Weg zur Einbürgerung lang ist. Und bislang müssen sich die meisten irgendwann für eine Staatsbürgerschaft entscheiden. Vor allem junge Türken stehen oft vor der schwierigen Wahl: Sind sie in Deutschland geboren und haben ausländische Eltern, müssen sie bis zum Ende des 23. Lebensjahres zwischen dem deutschen Pass und dem ihrer Eltern wählen.

Die Opposition ruft seit langem lautstark danach, mehr Menschen ins Land zu holen - und den Weg für Doppelpässe frei zu machen. Auch die FDP ist dafür offen. Die Partei von Philipp Rösler meldet sich passend zum Integrationsgipfel zu Wort, um Merkel und die Union zu drängeln: Rösler wirbt eindringlich dafür, mehr qualifizierte Zuwanderer für Deutschland zu gewinnen und eine doppelte Staatsbürgerschaft zu erlauben.