"Keine Kompromisse"

Frau Ministerin, ist die Sicherheit von Kinderspielzeug ausreichend?Aigner: Für die Bundesregierung hat der Schutz der Kinder höchste Priorität. Ich habe mit der Amtsübernahme vor zwei Jahren begonnen, mich für mehr Sicherheit bei Spielzeug einzusetzen. Mit der neuen EU-Spielzeugrichtlinie wurden zwar wichtige Fortschritte für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz erzielt

Frau Ministerin, ist die Sicherheit von Kinderspielzeug ausreichend?Aigner: Für die Bundesregierung hat der Schutz der Kinder höchste Priorität. Ich habe mit der Amtsübernahme vor zwei Jahren begonnen, mich für mehr Sicherheit bei Spielzeug einzusetzen. Mit der neuen EU-Spielzeugrichtlinie wurden zwar wichtige Fortschritte für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz erzielt. Doch insbesondere bei den chemischen Anforderungen an Spielzeug fordern wir noch deutliche Nachbesserungen.Inwiefern?Aigner: Die Bundesregierung setzt sich bei der EU-Kommission mit Nachdruck für ein höheres Sicherheitsniveau ein. Dabei geht es beispielsweise um die Absenkung der zulässigen Grenzwerte für Schwermetalle wie Blei und Cadmium sowie um einen besseren Schutz vor allergenen Stoffen. Deutliche Verbesserungen müssen auch bei den krebserzeugenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen erreicht werden.Sie sprechen es an - oft finden sich krebserregende Stoffe im Material oder die Ware ist schlichtweg schludrig konstruiert. Gehen die Hersteller zu lasch mit der Gesundheit der Kinder um?Aigner: Hersteller und Importeure sind in der Pflicht, nur solche Produkte in den Verkehr zu bringen, die nicht zu gesundheitlichen Schäden führen. Da darf es keine Kompromisse geben. Die Hersteller tragen die Verantwortung für ihre Produkte. Hersteller und Händler müssen alle Anstrengungen unternehmen, damit nur einwandfreies Spielzeug auf den Markt kommt.Aus der Union wird gefordert, dass das Spielzeug so sicher gemacht werden muss wie die Lebensmittel. Warum ist das bislang nicht geschehen?Aigner: Die Bundesregierung hatte sich bereits im Rahmen der Beratungen zur neuen EU-Spielzeugrichtlinie dafür eingesetzt, die Regelungen für Lebensmittel-Kontaktmaterialien, wie etwa Geschirr und Besteck, auch für Spielzeug zu übernehmen. Gerade Kleinkinder nutzen Spielzeug oft sehr intensiv. Sie nehmen es in den Mund, knabbern, lutschen, ziehen und zerren daran. Darum ist für die Sicherheit von Spielzeug der bestmögliche Schutz vor kritischen Stoffen so wichtig.Wäre ein Spielzeug-Tüv für Sie eine Lösung?Aigner: Wenn wir die Sicherheit von Kinderprodukten gewährleisten wollen, sind alle Ebenen gefragt - die Hersteller, die Importeure, die Händler, die Länderbehörden der Marktüberwachung, aber auch der Gesetzgeber, die Normungsgremien, die Prüfeinrichtungen, die Forschungseinrichtungen und schließlich die Verbraucherinnen und Verbraucher. Durch ein dichtes Netz von Maßnahmen müssen wir vermeiden, dass fehlerhafte oder unsichere Waren auf den Markt kommen. Eine Schlüsselrolle hat dabei die laufende Qualitätskontrolle in den Unternehmen und eine Produktprüfung durch unabhängige, zugelassene Stellen. Das freiwillige "GS-Zeichen" ist ein Beispiel dafür.

Mehr von Saarbrücker Zeitung