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Iraker soll vor Terror in München gewarnt haben

Iraker soll vor Terror in München gewarnt haben

Die Bedrohung war ernstzunehmen, sagt Ministerpräsident Seehofer. Und doch ist weiter unklar, wie real die Terrorgefahr an Silvester in München war. Über die Vorgeschichte werden immer mehr Einzelheiten bekannt.

Der Anti-Terror-Einsatz zu Silvester in München wirft viele Fragen auf - und hat die Debatte über schärfere Terrorgesetze neu angefacht. Innenminister Thomas de Maizière (CDU ) fordert als Konsequenz eine engere Zusammenarbeit mit ausländischen Sicherheitsbehörden . "Auch im neuen Jahr bleibt die Lage sehr ernst", betonte er. Unklar blieb aber auch am Wochenende, welchen realen Hintergrund die Warnungen hatten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU ) sagte: "Die Bedrohung war ernstzunehmen, und die Behörden haben total richtig reagiert."

Die Polizei hatte am Silvesterabend den Münchner Hauptbahnhof sowie den Bahnhof im Stadtteil Pasing evakuiert. Der Aktion waren Hinweise befreundeter Geheimdienste vorausgegangen. Ihnen zufolge bestand der konkrete Verdacht, dass fünf bis sieben Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegen Mitternacht Anschläge wie in Paris verüben wollten.

Ein erster Hinweis auf einen geplanten Anschlag um den 6. Januar herum soll bereits am 23. Dezember bei der Polizei in Karlsruhe eingegangen sein. Ein Iraker habe sich auf dem Polizeirevier gemeldet und angegeben, sein im Irak lebender Bruder kenne die Attentäter, berichteten gestern die Sender SWR und BR. Daraufhin hätten Spezialisten des Landeskriminalamts mit dem Bruder telefoniert. Der Mann soll den Berichten zufolge neben dem Zeitraum um Dreikönig auch als Anschlagsziel den Münchner Nahverkehr und arabische "Allerweltsnamen" von sieben Männern genannt haben, die bereits in München seien. Weder die Karlsruher Staatsanwaltschaft noch die Polizei wollte das gestern kommentieren. Der Terroralarm wurde erst ausgelöst, als an Silvester ein konkreterer Hinweis aus Frankreich die Sicherheitsbehörden erreichte.

Innenminister de Maizière setzt angesichts der Bedrohungslage auf eine bessere Kooperation auch auf internationaler Ebene. "In Zukunft wird es noch intensiver als bisher darauf ankommen, dass wir mit den Sicherheitsbehörden anderer Staaten eng zusammenarbeiten und Informationen austauschen", sagte er der "Bild". Ähnlich äußerte sich Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU ): "Ganz wichtig ist eine enge Kooperation mit den Nachrichtendiensten anderer Länder."

Die CSU plädiert für neue Anti-Terror-Maßnahmen im Inland. Nach ihren Vorstellungen soll Personen, die im Ausland für eine Terrormiliz gekämpft und eine weitere Staatsbürgerschaft haben, künftig der deutsche Pass entzogen werden können. Außerdem sollten verurteilte Gefährder rund um die Uhr mit einer elektronischen Fußfessel überwacht werden, heißt es in einem Papier, das bereits vor dem Terroralarm von München für die Klausur der CSU-Landesgruppe in Kreuth entworfen wurde. SPD-Vize Ralf Stegner wies solche Forderungen als reflexhaft zurück.

Die Polizei stufte die Terrorgefahr in München gestern nur noch als "abstrakt" ein. Konkrete Hinweise auf eine weitere Terrordrohung gebe es nicht. Allerdings sorgten zwei Fehlalarme in Bayern für Unruhe. In der Nacht zum Sonntag wurde der Bahnhof Pasing teilweise erneut gesperrt, nachdem ein Sprengstoffhund angeschlagen hatte. In Mammendorf bei München wurde zuvor nach einer Bombendrohung ein Zug gestoppt und durchsucht. In beiden Fällen wurde nichts gefunden.

Meinung:

Behörden verdienen Vertrauen

Von SZ-RedakteurThomas Schäfer

Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass es Terror-Warnungen wie in München oder im November in Hannover noch häufiger geben wird. Wir sind als eines der freisten und reichsten Länder der Welt schon lange im Visier von mörderischen Menschenfeinden, nicht erst seit Paris, nicht erst, seit wir in Syrien mitbomben. Viel wichtiger als Phantasie ist in diesen Tagen aber ohnehin Vertrauen. Auch wenn sich die Ereignisse von München bislang eher als Fehlalarm lesen, so müssen wir doch Vertrauen haben in die Arbeit der Sicherheitsbehörden . Wegen Lappalien und Gerüchten lässt in Deutschland kein Polizeichef, kein Minister einen Bahnhof räumen oder sagt ein Länderspiel ab.