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Zurück aus der Steinzeit: Wie Städte gegen Schottergärten vorgehen

Gegen Schottergärten : Städte wollen zurück aus der Steinzeit

Saar-Kommunen wollen gegen den Schottergärten-Trend mit gutem Beispiel vorangehen. Viele deutsche Metropolen setzen auf Förderprogramme.

(dpa/SZ) Sie schauen gleichbleibend picobello aus und machen Hausbesitzern und -Bewohnern so gut wie keine Arbeit: Stein- und Schottergärten. Mögen sie auch noch so öde sein, sie liegen voll im Trend. In den einen sind zwischen Unmengen von grauen Steinen vereinzelte gelbliche Grasbüschel zu sehen, in den anderen Kiefernbüsche oder Buxbaumkugeln.

Natürschützern, aber auch städtischen Behörden im Saarland sind die zunehmenden Steinwüsten ein Dorn im Auge. Mit Verboten dagegen vorgehen wollen die meisten Kommunen dennoch nicht. Lieber gehen sie selbst mit gutem Beispiel voran. Etwa mit insektenfreundlichen Wildblumenwiesen in Grünanlagen, an Straßenrändern und Verkehrsinseln, wie der Saarbrücker Stadt-Pressesprecher Thomas Blug erklärte. Wohl in der Hoffnung, dass auch Saarbrücker Hausbesitzer wieder auf Glockenblume, Tulpe, Mohn oder Hortensie im Vorgarten kommen. Auch die Stadt St. Ingbert will Bewohner vorerst lieber mit vorbildhaftem Garten(an)bau ködern. „Rund ums Rathaus haben wir einen Garten angelegt, in dem zum Beispiel Salate und Bohnen angepflanzt werden“, sagte Sprecher Peter Gaschott. Versiegelte Flächen seien verschwunden.

Der Naturschutzbund Nabu hatte zuletzt größere Anstrengungen von Städten und Gemeinden im Kampf gegen Schotter- und Steingärten gefordert. Die grauen Gärten trügen zum Artensterben bei, weil sie Pflanzen und Tieren keinerlei Lebensraum mehr böten, sagte der saarländische Nabu-Geschäftsführer, Wendelin Schmitt.

Völklingen und Homburg gaben hingegen an, aufgrund des hohen städtischen Wald- und Grünanteils bisher keine Probleme mit Schot­tergärten zu haben. „Es gibt zwar vereinzelt Personen, die ihre Vorgärten so anlegen, aber bei 57 Prozent Waldfläche sehen wir noch keinen Handlungsbedarf“, sagte etwa der Sprecher der Stadt Völklingen, Uwe Grieger.

In einigen rheinland-pfälzischen Städten geht man hingegen schon mit härteren Bandagen gegen das graue Einerlei vor. In Speyer sei beispielsweise im vergangenen Dezember eine neue Begrünungssatzung erlassen worden, die Steingärten verhindere, sagte die Sprecherin der Stadt, Lisa Marie Schönhöfer. „Sie kommt allerdings nur bei Neubauvorhaben zum Tragen. Ein Rückbau von Steingärten im Bestand lässt sich damit nicht erreichen“, sagte Schönhöfer. Eine solche Überarbeitung sei auch in Mainz geplant, hieß es. Die Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler und Neustadt an der Weinstraße versuchen es ebenfalls mit Vorgaben in neuen Bebauungsplänen.

In vielen deutschen Metropolen gibt es derweil Förderprogramme zur Bepflanzung von Dächern, Fassaden und Hinterhöfen. Die Stadt Bremen etwa will mit einem „Ortsgesetz über die Begrünung von Freiflächen und Flachdachflächen“ noch einen Schritt weiter gehen. Der Gesetzentwurf des rot-grünen Senats soll in der zweiten Maiwoche in der Bremischen Bürgerschaft verabschiedet werden. Er sieht vor, dass Außenflächen „zu begrünen oder zu bepflanzen sind“, sollte dies nicht einer anderen zulässigen Verwendung entgegenstehen. Im Klartext: Hütten, Terrassen oder gepflasterte Fahrrad-Stellplätze sind erlaubt, große Steinbeete nicht.

„Es ist das Bestreben, der schleichenden Verschotterung der Vorgärten einen Riegel vorzuschieben und dort eine Bepflanzung sicherzustellen“, sagte Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne). Vor allem gehe es um die Verbesserung des kleinräumigen Stadtklimas angesichts künftiger Hitzesommer und Starkregen-Ereignisse. Das neue Gesetz, das nicht für Bremerhaven gilt, entstand auf Initiative der Grünen. Eine Liste insektenfreundlicher Pflanzen soll den Grundstücksbesitzern an die Hand gegeben werden. Auch hier sind bestehende Gärten und Bauanträge von der neuen Regelung nicht betroffen. Lohse betonte, ein Garten mit heimischen Pflanzen sei nicht automatisch pflegeintensiver oder teurer. Vielmehr steige die Lebensqualität, sagt der Umweltsenator: „Die Insektenwelt kann sich hier entfalten, auch Bodenorganismen bis hin zu Singvögeln. Wenn im Garten die Vögel singen, tut das auch den Menschen gut.“