„Wir müssen attackieren“

Folgt jetzt Hamburg? Dort finden im Februar die nächsten Landtagswahlen statt. Und die Hansestadt hat eine Tradition mit rechtpopulistischen Parteien. Der Hamburger CDU-Chef und Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung, wie er den Siegeszug der AfD stoppen will.

Herr Weinberg, zittern Sie schon vor der AfD?
Marcus Weinberg: Nein. Aber wir beobachten natürlich die Entwicklung dieser Partei.

Was ist ihr Motto: ignorieren oder attackieren?
Marcus Weinberg: Eindeutig attackieren. Wir müssen die Auseinandersetzung mit der Partei und die Diskussion mit den möglichen Wählern suchen, um die AfD zu entlarven. Nur so werden wir viele Menschen, die überlegen, sie zu wählen, davon überzeugen können, dies nicht zu tun.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sieht das anders: Er will noch nicht einmal in Talkshows mit AfD-Leuten auftreten.
Marcus Weinberg: Ich will reagieren und nicht ignorieren. Es gibt Beweggründe, warum Menschen AfD wählen wollen. An diese Wähler senden wir mit einer offenen Auseinandersetzung ein Signal, dass wir ihren Frust oder ihre Enttäuschung ernst nehmen. Wir müssen ihnen vernünftige Antworten auf ihre Fragen bieten - ohne dabei in populistische Parolen zu verfallen. Aber auch aufgeregtes Schreien wäre der völlig falsche Weg. In der Politik ist es wichtiger, klare Werte, einen Kompass und umsetzbare Inhalte zu haben.

In Hamburg gab es die Schill-Partei, die Statt-Partei, jetzt jagt die AfD der CDU Stimmen ab. Ist die bürgerliche Klientel der Hansestadt besonders anfällig für populistische Parteien?
Marcus Weinberg: Hamburg hat in der Tat eine gewisse Tradition bei den Parteigründungen. In einem Stadtstaat ist man sprunghafter und es geht alles etwas schneller. Richtig ist: Wir beobachten auch in Hamburg, dass sich die AfD auf ein bürgerlich-konservatives Milieu ausrichtet. Das betrifft den Kern der CDU, was für uns auch mit einer konservativen Strömung eine besondere Herausforderung darstellt. Aber wir wissen, auch andere Parteien sind betroffen, wenn es um Wählerwanderungen geht. Inwieweit Hamburg aber grundsätzlich anfälliger für populistische Parteien als andere Städte ist, müssen Wahlsoziologen klären. Klar ist: Nur wir vertreten die Themen des bürgerlichen Lagers.

Sehen Sie Themen, die die Union neu oder anders besetzen müsste?
Marcus Weinberg: Unser Angebot ist breit und gut: Als Volkspartei decken wir konservative, liberale und christlich-soziale Strömungen gleichermaßen ab. Die Umfrageergebnisse der Bundesregierung sind hervorragend und auch in den Ländern - wie zuletzt in Thüringen und Brandenburg - legt die CDU zu oder bleibt mit Abstand stärkste Kraft. Ich halte es für völlig falsch, wenn wir jetzt einem besonderen AfD-Zeitgeist hinterher rennen würden. Wir müssen unsere Position allerdings deutlicher und stärker herausstellen. Insbesondere bei den Themen, die die Wähler der AfD besonders ansprechen - Innere Sicherheit, Familienpolitik oder "Europapolitik - müssen wir klar machen: rechts von der CDU gibt es kein Angebot für eine realpolitische Umsetzung.