Kommentar: Wir können nicht immer nur andere um Schutz bitten

Kommentar : Wir können nicht immer nur andere um Schutz bitten

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht von Bundeswehreinsätzen in Mali, gar im Pazifik. Sie schlägt einen Nationalen Sicherheitsrat vor, also quasi eine ständige Krisen- und auch Kriegsbereitschaft, samt einer Verdoppelung der Militärausgaben.

Das alles ist für ein Land, das sich bisher der militärischen Zurückhaltung verschrieben hat, sehr weitreichend. Und man sollte die Vorschläge nicht als reine Profilierungsversuche abtun. Wer nicht spürt, dass die Sicherheit der Welt zerfällt und dass jede Nation nun ihre Kräfte neu sortieren muss, hat wenig mitbekommen. Oder steckt den Kopf in den Sand.

Annegret Kramp-Karrenbauer redet als Verteidigungsministerin naturgemäß vor allem übers Militär. Das ist der Mangel ihres Vorstoßes. Es darf nicht um eine simple Militarisierung gehen. Nicht immer ist die Bundeswehr zuerst gefragt, schon gar nicht überall. Das darf freilich keine Ausrede dafür sein, dass die drittstärkste Exportnation der Welt nur über eine geringe Einsatzbereitschaft verfügt und immer andere um Beistand bitten muss.

Bisher war Deutschland der größte Nutznießer der internationalen Stabilität. Die Drecksarbeit dafür mussten andere machen. Wenn das Land das in Zeiten wachsender Gefahren nicht verändert, wird es zum Schmarotzer. Die deutsche Sicherheitspolitik kann nicht mehr so blauäugig weitermachen wie bisher. Wenigstens diese Botschaft Kramp-Karrenbauers sollte angekommen sein.

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