Extremes Winterwetter Obdachlosenhilfe mahnt mehr Anstrengungen der Städte an

Berlin · In vielen Regionen Deutschlands herrscht Dauerfrost, teils gab es große Schneemengen. Für Wohnungslose stellt das eine enorme Gefahr dar. Experten sehen Handlungsbedarf beim Bund und den Kommunen.

 Eine obdachlose Frau schiebt ihr Hab und Gut in einem Einkaufswagen.

Eine obdachlose Frau schiebt ihr Hab und Gut in einem Einkaufswagen.

Foto: dpa/Arne Dedert

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Wohnungslosenhilfe hat angesichts des teils extremen Winterwetters in vielen Regionen Deutschlands vor einer wachsenden Gefahr für Obdachlose gewarnt. „Die Gefahr für obdachlose Mitbürgerinnen und Mitbürger, Opfer der Kälte zu werden, steigt“, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes unserer Redaktion. „Der Winter startet erst und wer auf der Straße lebt, hat oft ein schwaches Immunsystem. Oft haben Menschen auf der Straße Vorerkrankungen, die sie für Kältegrade weniger resilient machen“, erläuterte Rosenke.

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft hätten die Wohnungsnotfallhilfen ihr Unterstützungsangebot bereits hochgefahren: „Sie setzen Kältebusse ein, bieten obdachlosen Menschen geheizte Aufenthaltsräume rund um die Uhr. Streetworker sind alarmiert und achten ganz besonders auf Menschen, die sich ganztags im Freien aufhalten“, sagte Rosenke. Doch sie nahm zugleich auch die Gesellschaft in die Verantwortung, nicht wegzuschauen bei Obdachlosen, die in der Kälte ausharren. „Aber die Möglichkeiten der Notfallschutz-Einrichtungen sind nicht endlos. Gefordert sind jetzt die Kommunen, aber auch jede einzelne Bürgerin, jeder einzelne Bürger“, sate Rosenke. „Gemeinsam müssen wir auf die achten, die sich nicht selbst helfen können und ohne Wohnung oder Obdach leben müssen“, so die Geschäfstführerin. Sie warnte vor dem drohenden Kältetod für Obdachlose. „Jeder Toter ist ein Toter zu viel. Es bedarf jetzt in Anbetracht von erhöhten Infektionsrisiken und niedrigen Temperaturen einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Politik und Zivilgesellschaft, um Menschen vor dem grausamen Tod in Kälte und Einsamkeit zu schützen“, sagte sie.

Mit Blick auf die aktuellen Haushaltsverhandlungen mahnte die Bundesarbeitsgemeinschaft eine stabile Finanzierung der Hilfsangebote an. „Auch in schwieriger Haushaltslage dürfen die Kältehilfen, die ja Überlebenshilfen sind, nicht zur Disposition stehen“, sagte Rosenke. Daher fordere die Bundesarbeitsgemeinschaft eine Öffnung von Notübernachtungsstellen rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr und Tagesaufenthalte mit ausreichend Platz für alle wohnungslosen Menschen. Es dürfe zudem keine Abweisung von hilfesuchenden Personen geben. Um dies sicherzustellen, müssten zusätzliche Räumlichkeiten bereitgehalten werden, hieß es. Bei Bedarf müssten leer stehende Hotels angemietet werden oder gegebenenfalls U-Bahn-Stationen geöffnet werden.

Auch die Einrichtung von Kältebussen durch die Kommunen und die öffentliche Bekanntgabe der Notfall-Telefonnummern, bei denen gefährdete Menschen gemeldet werden können, sei wichtig, hieß es. Zudem müssten Zwangsräumungen im Winter ausgesetzt werden, forderte die Bundesarbeitsgemeinschaft.

Mit Blick auf die Statistik für den begonnenen Winter sagte Rosenke: „Bislang haben wir – glücklicherweise – noch keine Hinweise auf einen Kältetoten, aber das kann sich natürlich täglich ändern.

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