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Welche Corona-Maßnahmen im Herbst kommen könnten ​

Lauterbach erklärt Pläne : Welche Corona-Maßnahmen im Herbst kommen könnten

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Corona-Pläne der Bundesregierung für den Herbst und Winter gegen Kritik verteidigt. Zudem kündigte er mehrere wichtige Schritte für den September an – bei Impfstoffen und der Corona-Warnapp.

Seine Stimme klingt noch kratzig und belegt. Es ist erst wenige Tage her, seit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Corona-Infektion überstanden hat. Er sprach etwas leiser als sonst, als er an diesem Freitag in der Bundespressekonferenz die Pläne der Bundesregierung für die Pandemievorbereitungen im Herbst erläutert und gegen zuletzt harsche Kritik verteidigt.

Lauterbach machte deutlich, dass die Länder ab dem 1. Oktober die Möglichkeit hätten, inzidenzunabhängig die erste Vorsichtsstufe zu beschließen, die beispielsweise eine Maskenpflicht in Innenräumen mit bestimmten Ausnahmen vorsieht. „Ich glaube, dass die Länder das alle machen werden“, sagte der SPD-Politiker. Denn im Herbst sei wieder mit stark steigenden Corona-Fallzahlen zu rechnen.

Die geplante Regelung, wonach die Maskenpflicht in bestimmten Bereichen entfallen soll, wenn ein negatives Testergebnis vorgelegt oder die letzte Impfung nicht länger als drei Monate zurückliegt, ist Lauterbach zufolge durchaus umsetzbar. Die Drei-Monats-Regel sei sinnvoll, weil nach derzeitiger Einschätzung die erwarteten, angepassten Impfstoffe so lange vor einer Infektion schützen. Dies bedeute aber nicht, dass sich jeder alle drei Monate impfen lassen soll, denn der Schutz vor einer schweren Erkrankung halte länger, betonte der Minister.

Er kündigte an, dass digitale Zertifikate für die letzte Impfung oder einen aktuellen Test in der Corona-Warnapp künftig grün aufleuchten werden, um etwa in Gaststätten oder Bars die Prüfung der Ausnahmen von der Maskenpflicht zu erleichtern. Wann genau die App umgestellt werden soll, blieb offen – voraussichtlich aber im September.

In der kommenden Woche werden Gespräche mit den Chefs der Staatskanzleien der Länder stattfinden, sagte Lauterbach. Dabei werde es auch darum gehen, ab wann Bundesländer die zweite Stufe verschärfter Schutzmaßnahmen einleiten sollen, sagte er. Dazu zählen Personenobergrenzen für Veranstaltungen in Innenräumen, Abstandsregeln und Maskenpflicht draußen, wo die Abstände nicht eingehalten werden können. Auch die Ausnahmen für Innenräume fallen dann weg.

Lauterbach wies Forderungen nach einheitlichen Vorgaben zurück. Er sagte, die Länder müssten selbst die gesamte Gefahrenlage bewerten. Dazu zählten neben den Fallzahlen auch viele andere Indikatoren, wie etwa die Belegung der Krankenhäuser und die Schwere der Krankheitsverläufe. Das sei besser als immer wieder gescheiterte Versuche, mit festen Grenzwerten zu arbeiten, sagte er. Zugleich zeigte er sich aber offen für Vorschläge aus den Ländern, wenn diese praktikabel seien.

Eine Reaktion kam prompt aus Bayern. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) warf Lauterbach mangelnde Kompromissbereitschaft vor. „Herr Lauterbach hat bei der Bundespressekonferenz noch einmal deutlich gemacht, dass er nicht wirklich offen ist für die Vorschläge der Länder.“ Das zeige sich zum Beispiel daran, dass er die fachliche Kritik an der vorgesehenen Ausnahme von der Maskenpflicht mit seinen alten Argumenten vom Tisch wische.

Beim seinem Auftritt in Berlin zeigte sich Lauterbach zuversichtlich mit Blick auf die Sommerwelle. Diese habe ihren Höhepunkt überschritten, so der Minister. Zudem kündigte er angepasste Omikron-Impfstoffe für September an. Die europäische Zulassungsbehörde Ema wird sich Lauterbach zufolge am 1. September mit dem Impfstoff gegen die BA.1-Variante befassen, einen Tag später könne dann die Auslieferung beginnen. Das auf den Subtyp BA.5 zugeschnittene Vakzin solle am 27. September bei der Ema beraten werden, die Auslieferung könne dann ebenfalls am Folgetag beginnen. Die Bundesregierung habe beide Impfstoffe „in auskömmlicher Menge besorgt, die Impfkampagne könne also „zeitnah“ starten. Den Vorwurf, er habe allen jüngeren Menschen eine vierte Corona-Impfung empfohlen, wies Lauterbach zurück und sagte, dies solle jeder mit seinem Hausarzt besprechen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, rief Ältere zur vierten Impfung auf. „Menschen über 70 Jahre und Patienten mit Immunschwäche und schweren Vorerkrankungen sollten sich deshalb möglichst ein viertes Mal impfen lassen“, sagte er. Bei immungesunden jüngeren Menschen steige zwar mit zeitlichem Abstand zum letzten Booster das Ansteckungsrisiko, aber ihr Risiko für einen schweren Verlauf bleibe vergleichsweise gering. „Dennoch ist es nicht falsch, wenn auch über 60-Jährigen die Möglichkeit angeboten wird, sich impfen zu lassen. Das kann zum Beispiel dann sinnvoll sein, wenn diese in Berufen oder im Ehrenamt mit vielen sozialen Kontakten arbeiten oder in einem engen Verhältnis zu besonders gefährdeten Menschen stehen“, sagte Reinhardt. „Ob weiteren Bevölkerungsgruppen ein zweiter Booster empfohlen werden soll, prüft die Ständige Impfkommission derzeit auf Grundlage nationaler und internationaler Studien.“ Die Ergebnisse sollten abgewartet werden, ohne politischen Druck auf die Arbeit der Stiko aufzubauen, betonte der Ärztekammer-Präsident.

(jd/dpa)