Vorsorgeuntersuchungen gegen Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur noch alle drei Jahre

Gesundheitspolitik : Check-up beim Arzt nur noch alle drei Jahre

Das Intervall für die allgemeine Vorsorgeuntersuchung von Kassenpatienten wird von zwei auf drei Jahre angehoben. Das Gesundheitsministerium hat grünes Licht gegeben.

Bislang konnten sich Kassenpatienten ab 35 Jahre alle zwei Jahre auf Herz, Lunge und Niere untersuchen lassen. Die Untersuchung „Check-up 35“ wird es nun nur noch alle drei Jahre geben. Darauf haben sich Ärzte, Krankenkassen und Kliniken in ihrem Spitzengremium, dem Gemeinsamen Bundesausschuss geeinigt. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat dafür grünes Licht gegeben, wie ein Sprecher des Ministeriums bestätigte.

Protest kommt von den Praxismedizinern. „Völlig inakzeptabel“, sagte Thomas Nasse, Allgemeinmediziner aus Mettmann. „Nach meiner Erfahrung hat der Zwei-Jahres-Rhythmus schon viele Menschen vor Leid bewahrt und auch schon Leben gerettet.“ Nasse beklagte, die Krankenkassen zahlten Turnkurse, teure Reiseimpfungen und andere nicht gesetzlich vorgeschriebene Dinge, aber bei der Prävention solle gespart werden.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein kritisierte die Verlängerung des Intervalls indes nicht und wies auch auf Vorteile der Reform hin. So können nun auch junge Menschen zwischen 18 und 35 zumindest einmal in 17 Jahren den Check-up wahrnehmen. Da künftig auch der Impfstatus im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung überprüft werden soll, können auf diesem Weg noch fehlende Impfungen nachgeholt werden. Die Impfmüdigkeit vieler Menschen wurde in jüngster Zeit vielfach von Gesundheitsexperten kritisiert. Zudem sollen die Fettwerte breiter Bevölkerungsgruppen künftig genauer als bisher unter die Lupe genommen werden.

Für Nasse ist die kleine Leistungsausweitung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung kein Ausgleich für die grundsätzliche Verlängerung des Intervalls. „Bei den Check-ups können zu hohe Blutzuckerwerte, lebensbedrohliche Herzerkrankungen, chronische Erkrankungen und auch Krebserkrankungen im Frühstadium entdeckt werden“, betonte der Allgemeinmediziner. Weiterhin könnten individuelle Risikoprofile erstellt werden um die Patienten entsprechend zu beraten.

Allerdings nutzt nur etwa die Hälfte den Check-up so häufig, wie er bislang von den Kassen angeboten wurde. Verschiedene Erhebungen der Krankenkassen zeigen, dass pro Jahr 20 bis 30 Prozent der Versicherten diese Vorsorge auch tatsächlich wahrnehmen. Auf zwei Jahre hochgerechnet halten also etwa die Hälfte der Versicherten die Intervalle ein. Konkret: Von den Versicherten der Techniker Krankenkasse hatten sich 2017 lediglich 24,8 Prozent einem Check-up unterzogen.

Verwirrung gibt es derzeit, ab wann eigentlich der Drei-Jahres-Rhythmus gilt. Einzelne regionale Kassenärztliche Vereinigungen wie etwa die KV Nordrhein haben bereits ihre Ärzte angewiesen, Patienten wieder abzubestellen, deren Check-up weniger als drei Jahre zurückliegt. Danach wäre bereits der 1. April der Stichtag gewesen, ab dem die neue Regelung greift.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums hingegen verweist darauf, dass die Versicherten bis auf Weiteres noch nach dem alten Intervall behandelt werden könnten. Denn die Finanzierung der wenigen zusätzlichen Leistungen beim Check-up sei nicht abschließend geklärt. Erst wenn das geklärt sei, gelte die Neureglung mit den höheren Intervallen von drei Jahren. Bis dahin, so der Ministeriumssprecher, dürfe jemand, der zum Check-up einbestellt worden sei, abgewiesen werden.

Etliche Hausärzte haben allerdings Selektivverträge mit den Krankenkassen über ein zweijähriges Vorsorgeintervall abgeschlossen. Sie sind offenbar von der Verlängerung der Fristen auf drei Jahre nicht betroffen. Patienten können hier alle zwei Jahr untersucht werden. Ob sie von solchen Verträgen profitieren, können die Versicherten bei ihrem Hausarzt erfragen.