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Verlängerter Einreisestopp: Welche Ausnahmen für USA-Reisen gelten

Nach verlängertem Einreisestopp : Welche Ausnahmen für Reisen in die USA gelten

Die US-Regierung hat ihren Einreisestopp für Europäer und andere Ausländer auf unbestimmte Zeit verlängert. Der Travel Ban wird von der deutschen Wirtschaft und der Reisebranche als willkürlich kritisiert. Lücken sind rar – doch es gibt welche.

Die USA wollen die wegen der Corona-Pandemie verhängten Einreisebeschränkungen für Reisende aus Europa und anderen Staaten vorerst nicht aufheben. „Wegen der Delta-Variante werden wir die bestehenden Reisebeschränkungen an dieser Stelle beibehalten“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Montag in Washington. Wegen der Delta-Variante würden die Corona-Fallzahlen steigen – vor allem unter den Ungeimpften. „Und es scheint wahrscheinlich, dass sich das in den kommenden Wochen fortsetzen wird“, so Psaki weiter. Gegen diese Begründung regt sich Widerstand, zugleich gibt es Ausnahmen von der Regelung. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Für wen gelten die Beschränkungen?

Die Vorgaben für touristische USA-Reisen sind hart. Einreisen aus dem Schengen-Raum sind nur erlaubt, wenn sie den nationalen Interessen der USA entsprechen, Ausnahmen sind nur auf Antrag möglich. Dies bedeutet vorrangig, dass alle Formen von touristischen Reisen ausgeschlossen sind, ein harter Schlag für die Deutsche Lufthansa oder auch Reiseveranstalter wie Meiers Weltreisen.  Auch bei Erteilung eines Visum ist ein Corona-Test vor Einreise nötig. Die Ausnahmegenehmigungen gelten in der Regel für ein Jahr.

Sind Geschäftsreisen erlaubt?

Trotz der rigiden Regeln sind die Türen nicht ganz geschlossen. So wird in den USA tätigen Unternehmen erlaubt, Mitarbeiter zu den Werken dort zu schicken wenn die Person in Bereichen arbeiten, die „kritische Infrastruktur" oder „bedeutende wirtschaftliche Aktivitäten" beinhalten. Auf diesem Weg hat Henkel aus Düsseldorf beispielsweise eine Reihe an Visa für Kollegen erhalten, berichtet das Unternehmen.

Wie sieht es mit Angehörigen aus?

Laut Auskunft der US- Botschaft dürfen Ehepartner eines US-Staatsbürgers oder einer Person mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung einreisen, ebenso deren Kinder unter 21 Jahren, ebenso die Eltern von Kindern, die in den  USA die Staatsbürgerschaft oder eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben. Für weitere Familienbesuche, besonders bei Krankheiten, sind auf Antrag weitere Ausnahmen möglich.

Ist ein Studium in den USA möglich?

Auch Studenten, Wissenschaftler, Ärzte oder Journalisten haben die Chance auf Einreise nach Vorlage entsprechender Einladungen/Papiere aus den USA, ebenso Künstler, wenn sie für eine Produktion in Amerika gebraucht werden. Au-Pairs sind aktuell unerwünscht, es sei denn,  sie kümmern sich um ein behindertes  Kind oder entlasten Eltern die für die Bekämpfung der Pandemie wichtig sind. Auch Besuche zu humanitären Zwecken sind möglich.

Welche anderen Wege sind möglich?

Ein wesentlicher Teil der Kritik zielt darauf ab, dass Einreisen in die USA aus Ländern wie Mexiko, Marokko, der Türkei oder aus Saudi-Arabien problemlos möglich sind – Länder, in denen die Impfquote teils niedriger ist als in Europa und die Inzidenzzahlen höher. Wer aus Europa in eines der nicht beschränkten Länder reist und sich dort mindestens 14 Tage aufhält, kann im Anschluss ohne Probleme in die USA einreisen.

Dürfen US-Bürger nach Europa einreisen?

Die EU hatte die Mitgliedsstaaten bereits im vergangenen Monat aufgefordert, Beschränkungen für Reisende aus den USA und mehreren anderen Ländern schrittweise aufzuheben. Deutschland hatte daraufhin Einreisen unter anderem aus den USA „zu allen zulässigen Aufenthaltszwecken einschließlich Tourismus“ wieder erlaubt.

Wie verhält sich die Bundesregierung?

Beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte Juli in Washington hatten sich viele Bewegung bei dem Thema erhofft. US-Präsident Joe Biden hatte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel angekündigt, sich in den kommenden Tagen zu dem Thema äußern zu wollen. Es müsse nun eine nachhaltige Entscheidung getroffen werden, die nicht nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen werde, hatte die Kanzlerin betont. Nach der nun erfolgten Verlängerung der Beschränkungen, die einst Bidens Amtsvorgänger Donald Trump durchgesetzt hatte, übt die Bundesregierung verhalten Kritik. Der Transatlantikkoordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU), sagte unserer Redaktion: „Die Entscheidung der USA ist vor dem Hintergrund der sich rasant ausbreitenden Delta-Variante zunächst verständlich. Zum Schengen-Raum gehören auch Länder mit sehr hohen Inzidenzen.“ Trotzdem habe er sich „eine weitsichtigere Entscheidung gewünscht“, sagte Beyer. Viele deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in den USA könnten seit mehr als einem Jahr kaum Mechaniker oder Ingenieure für dringende Wartungsarbeiten in die Staaten schicken. „Deutsche Firmen haben knapp eine Million Jobs in den USA geschaffen, letztlich leiden unter dieser Praxis also auch amerikanische Arbeitnehmer“, sagte Beyer. Auch für Menschen mit Verwandten in den USA und den Wissenschaftsaustausch ist die Situation aktuell nicht einfach.“

(jd/rky/dpa)