Debatte um Gesellschaftsjahr Sozialverbände wollen ehrenamtliche Tätigkeiten attraktiver machen

Berlin · Mit Maßnahmen wie einer Bezahlung auf Bafög-Niveau wollen zivilgesellschaftliche Verbände Freiwilligendienste attraktiver machen. Sie hoffen auf eine Verdopplung der Anzahl der ehrenamtlich Tätigen.

 Ehrenamtliche Arbeit ist wichtig für den Zusammenhalt, sagt ein Zusammenschluss aus Sozial-, Sport- und Umweltverbände. Deshalb fordern sie eine Stärkung der Freiwilligendienste.

Ehrenamtliche Arbeit ist wichtig für den Zusammenhalt, sagt ein Zusammenschluss aus Sozial-, Sport- und Umweltverbände. Deshalb fordern sie eine Stärkung der Freiwilligendienste.

Foto: obs/M. Ressel

Mehr junge Menschen für den Freiwilligendienst begeistern: das ist das erklärte Ziel einer Initiative von 25 zivilgesellschaftlichen Verbänden wie der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Deutschen Sportjugend (dsj) oder dem Caritasverband.

AWO-Präsident Michael Groß bezeichnete das Positionspapier bei der Vorstellung in Berlin als eine „Idee für eine Kultur der selbstverständlichen Freiwilligkeit“. Zu den Kernforderungen der Initiative zählen die Einführung einer „auffordernden“ Einladung und Beratung für alle Schulabgänger sowie die eines staatlich finanzierten Fördergeldes auf Bafög-Niveau für die Freiwilligen. Dadurch sollen Freiwilligendienste jungen Menschen stärker ins Bewusstsein gebracht und denjenigen, die sich dafür entscheiden, eine finanzielle Grundsicherung gegeben werden. Demnach sollen junge Menschen außerdem einen Rechtsanspruch auf Förderung bei der Aufnahme einer solchen Tätigkeit haben. Das werde die Attraktivität des Freiwilligendienstes erhöhen, sind sich die Träger der Initiative sicher, ob nun in der Pflege, im kulturellen Bereich oder im Sportverein. Ziel ist es, die Freiwilligenzahl auf 200.000 Personen zu verdoppeln. Dafür seien zusätzliche Ausgaben des Bundes in Höhe von 2,7 Milliarden Euro notwendig.

Mit der Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht wurde zuletzt auch gefordert, ein sogenanntes verpflichtendes Gesellschaftsjahr einzuführen. Die CDU etwa hat diese Forderung auf ihrem Bundesparteitag in ihr Grundsatzprogramm geschrieben. Davon solle neben der Bundeswehr auch die Gemeinschaft durch Dienste im zivilen Bereich profitieren.

Eine Pflicht dazu lehnen die Initiativen-Verbände jedoch ausdrücklich ab. “Uns ist besonders wichtig, dass kein Zwang entsteht“, so AWO-Chef Groß. Die Forderung nach einer freiwilligen Entscheidung unterstützt auch der Deutsche Bundesjugendring (DBJR). „Ein Pflichtdienst wäre ein verfassungsrechtlich problematischer Eingriff in die Freiheitsrechte und die individuelle Lebensplanung“, sagte DBJR-Vorsitzende Daniela Broda unserer Redaktion. Anerkennung und Wertschätzung für ehrenamtliche Tätigkeiten führten zu mehr gesellschaftlicher Solidarität – nicht Zwang und Dienstpflicht. „Statt neuer Pflichtdienste müssen bestehende Freiwilligendienste finanziell gestärkt und ausgebaut werden“, so Broda.

Ehrenamtliche Freiwilligendienste seien für eine demokratische Gesellschaft elementar, sagen die Verbände, die die Initiative unterstützen. Mitgestaltung, Solidarität und Gemeinsinn seien Grundpfeiler der Freiwilligendienste – und der Demokratie. “Unsere Demokratie ist unter Druck, die Wahlen haben es gezeigt“, sagt dsj-Vorstandsmitglied Benny Folkmann dazu, und: „Freiwilligendienste sind eine Antwort darauf.“