1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet muss bald liefern

Unions-Kanzlerkandidat unter Zugzwang : Armin Laschet muss bald liefern

Bislang blieb der Unions-Kanzlerkandidat stets im Ungefähren. Das kann er sich nicht mehr leisten. In der Europapolitik hat er in Warschau einen guten Aufschlag gemacht. Jetzt muss Laschet zügig bei Klima, Steuern, Innerer Sicherheit nachlegen - denn in zwei Wochen werden schon die ersten Briefwahlunterlagen verschickt.

Armin Laschet ist mit der Methode Abwarten weit gekommen. Der ewig Unterschätzte wurde NRW-Ministerpräsident. Danach räumte er bei CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur Friedrich Merz und Markus Söder aus dem Weg. Doch jetzt wird es für die Union langsam brenzlig. Das erklärte Wahlziel, keiner kann gegen CDU/CSU regieren, ist in Gefahr. Keine zwei Monate vor der Wahl stürzen die Beliebtheitswerte ihres Frontmannes ab. Die Gelegenheit, in der Flutkatastrophe zum unangefochtenen Landesvater und Krisenmanager aufzusteigen, ließ Laschet liegen. Hängen blieb ein Lachen. Dazu kam ein Fehler in einem Buch aus seiner Zeit als NRW-Integrationsminister. Anders als Annalena Baerbock reagierte er sofort auf den Vorwurf. Er entschuldigte sich, ließ die Druckfahnen ins Internet stellen, damit sich jeder ein Bild machen kann. Einer der Top-Plagiatejäger im deutschsprachigen Raum hat dies getan. Er entlastet jetzt den Kanzlerkandidaten. In dem 2012 verfassten Werk „Die Aufsteigerrepublik“ gebe es keine einzige verdächtige Stelle. Der erhobene Täuschungsvorwurf sei völlig überzogen. Für Laschet mag das ein kleiner Erfolg sein. Die wahren Probleme der Union liegen woanders.

Das Wahlprogramm ist solide, aber da ist noch Luft nach oben. Markus Söder macht Laschet ständig madig. Aus den Angriffen spricht verletzter Stolz des unterlegenen CSU-Chefs. In der Sache hat er einen Punkt. Laschet muss jetzt Inhalte liefern, auch mal ins Risiko gehen. In Warschau hat er einen Anfang gemacht, den Zusammenhalt Europas (mit den unbequemen Polen und Ungarn) als wichtigste Antwort auf die neue Weltordnung unter chinesischer Prägung verortet. Davon bitte mehr! Wie geht Klimaschutz mit bezahlbarem Strom, ohne massenhaft Industriearbeitsplätze zu verlieren? Das betet ein NRW-Regierungschefs doch aus dem Effeff herunter. Oder die Innere Sicherheit. Corona hat Gefahren verdeckt, etwa Hunderte islamistische Gefährder, die nicht abgeschoben werden können. Hier könnte die Union leicht auf Stimmenfang gehen. Und sich von der Lindner-FDP abgrenzen.

Aus der CDU heißt es, es werde einen pointierten Endspurt geben. Aber wann? In zwei Wochen liegen erste Briefwahlunterlagen in der Post. Millionen Wähler könnten sich lange vor dem Wahltag am 26. September entschieden haben. Armin Laschet sollte keine Zeit verlieren, wenn er die bürgerliche Mitte aus eigener Kraft und nicht nur aus Sorge vor einer Ampel mobilisieren will. Im Kampf um den CDU-Vorsitz soll der Aachener einmal gesagt haben: „Es kann sein, dass ich am Ende übrig bleibe.“ Beim Kanzleramt sollte er sich auf diese selbsterfüllende Prophezeiung allein nicht verlassen.