1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Umweltministerin Schulze sieht Corona-Krise auch als Naturkrise

Für die Umweltministerin sind Seuchen Folgen von Naturzerstörung : Schulze sieht Corona-Krise auch als Naturkrise

Die Bundesumweltministerin ist überzeugt, dass durch den zunehmenden Raubbau durch den Menschen das Risiko für Krankheitsausbrüche steigt.

Globale Seuchen wie Corona sind nach Einschätzung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze auch eine Folge des menschengemachten Raubbaus an der Natur. Mit ihrer zunehmenden Zerstörung steige das Risiko von Krankheitsausbrüchen bis hin zu Pandemien, erklärte die SPD-Politikerin am Donnerstag in Berlin. Schulze drängt deshalb längerfristig auf international abgestimmte Gegenmaßnahmen.

Noch sind die konkreten Umstände bei der Übertragung des Coronavirus vom Tier auf den Menschen nicht hinreichend geklärt. Wissenschaftlich belegt ist aber, dass etwa 70 Prozent der menschlichen Infektionserreger ursprünglich aus dem Tierreich stammen. Zu den bekanntesten zählen HIV, Ebola sowie Mers und Sars. Besonders gefährlich seien dabei Wildtiermärkte, weil Menschen und unterschiedliche Tierarten dort auf engstem Raum und oftmals unter hygienisch katastrophalen Bedingungen zusammenkämen, erläuterte Schulze. Nach bisherigen Erkenntnissen geht die Corona-Pandemie auf einen Tiermarkt im chinesischen Wuhan zurück.

Die Ministerin sieht im Zusammenhang mit der aktuellen Virus-Krise aber auch ein grundlegendes Problem. Untersuchungen zeigten, dass die Zerstörung von Ökosystemen Krankheitsausbrüche wahrscheinlicher mache. „Die Naturzerstörung ist die Krise hinter der Corona-Krise“, meinte Schulze. Von der Wissenschaft wird dieser Befund bekräftigt. „Die Entstehung zahlreicher Krankheiten kann mit dem Vordringen des Menschen in vormals unberührte Natur erklärt werden“, sagte die Virologin Sandra Junglen von der Berliner Charité. So führten eine intensive Landnutzung, die Verbreitung von Monokulturen oder Rodungen von Wäldern zu massiven Verwerfungen des Ökosystems. Dominieren würden dann nur noch anpassungsfähige Tierarten, wodurch sich Krankheitserreger besser verbreiten könnten, erklärte Junglen.

Der Weltbiodiversitätstrat, eine UN-Organisation zur wissenschaftlichen Politikberatung, hatte dazu schon im vergangenen Jahr ein düsteres Bild gezeichnet. Laut seinem Report sind weltweit rund eine Million Tierarten vom Aussterben bedroht. Drei Viertel der Landfläche und zwei Drittel der Ozeane hätten sich bereits deutlich verändert. 85 Prozent der Feuchtgebiete seien schon verloren. Als krasses Beispiel gilt Brasilien, wo immer mehr Regenwald der Rinderzucht und dem Anbau von Sojapflanzen weichen muss, die als Tierfutter in alle Welt exportiert werden. Der Ko-Vorsitzende der UN-Organisation und Professor am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Josef Settele, warnte am Donnerstag noch einmal eindringlich: „Wir Menschen sind von funktionierenden, vielfältigen Ökosystemen abhängig“. Mit ihrer Zerstörung, das zeige die Corona-Pandemie, würden auch die Lebensgrundlagen für die Menschen zerstört, sagte Settele.

Als eine Gefahr für diese Grundlagen hatte der Report auch das starke Bevölkerungswachstum etwa in Afrika thematisiert. Dagegen helfe vor allem die Beseitigung von sozialen Ungleichheiten, stellte Settele klar.