Studie über Ernährungsgewohnheiten Deutsche wollen gesund essen – scheitern aber am Alltag

Berlin · Essen soll schmecken, gesund und nachhaltig sein. Das zeigt eine neue Studie der Techniker Krankenkasse. Gerade beim Aspekt Gesundheit hapert es oft aber an der Umsetzung. Warum eigentlich?

Gesundes Essen in Kantinen und Mensen könnte vielen Menschen bei einer ausgewogeneren Ernährung helfen, findet Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.

Gesundes Essen in Kantinen und Mensen könnte vielen Menschen bei einer ausgewogeneren Ernährung helfen, findet Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.

Foto: dpa/Caroline Seidel

Der großen Mehrheit der Deutschen ist eine gesunde und nachhaltige Ernährung wichtig. Trotzdem ernähren sich längst nicht so viele Menschen nach diesen Kriterien. Das größte Hindernis, sich tatsächlich gesund zu ernähren, ist zu wenig Zeit im Alltag. Zu diesem Ergebnis kommt eine Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse.

In der repräsentativen Befragung stehen die Ernährungsgewohnheiten der Menschen im Mittelpunkt. Dabei zeige sich eine Diskrepanz zwischen dem Wissen der Befragten und ihrem Verhalten, sagte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse, bei der Vorstellung der Studie. Für 92 Prozent ist demnach Gesundheit einer der wichtigsten Aspekte beim Essen, aber weniger als zwei Drittel der Befragten essen täglich Obst oder Gemüse. Bei den 18-39-Jährigen greift nicht mal die Hälfte (49 Prozent) täglich in die Obstschale. Mehr als jeder Dritte nascht oft nebenbei Chips, Schokolade oder Ähnliches und 40 Prozent beschäftigen sich während des Essens häufig noch mit etwas anderem. Vom Nutri-Score haben zwar fast alle Befragten (98 Prozent) gehört, 59 Prozent orientieren sich beim Einkauf aber nicht daran.

Bei der Befragung gab die große Mehrheit (78 Prozent) an, regelmäßig Fleisch zu essen, 17 Prozent setzen auf eine fleischarme Ernährung. Zwei Prozent ernähren sich vegetarisch und ein Prozent vegan. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine pflanzenbetonte Ernährung mit einem geringen Fleischverzehr.

Grund für die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist für viele Befragte der eng getaktete Alltag: 43 Prozent fehlt Zeit und Ruhe für gesunde Ernährung. Über zwei Drittel sagen außerdem, dass es ihnen an Durchhaltevermögen fehle, ständig gesund zu essen. Bei 27 Prozent ist gesunde Ernährung nur schwer mit dem Beruf zu vereinbaren. In allen drei Kategorien sind Volljährige bis 40 Jahre stärker betroffen als andere Altersgruppen. Auch, dass Befragte sozial erwünscht geantwortet haben und Gesundheit bei ihrer Ernährung eigentlich eine kleinere Rolle spielt, ist laut Baas möglich.

Neben Gesundheit ist für die Mehrheit derBefragten Nachhaltigkeit, also das Essen regionaler, saisonaler oder Bio-Produkte, wichtig. Dabei kauft weniger als die Hälfte der Befragten ausgewiesene Bio-Produkte. Ebenfalls bei der Hälfte der Befragten scheitert nachhaltige Ernährung am Preis.

Statt allein auf Aufklärung zu setzen, will die Krankenkasse die Essgewohnheiten der Menschen vor Ort beeinflussen. Ein Hebel soll dabei die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen oder Betriebskantinen sein – vor der Pandemie habe man so immerhin 16 Millionen Menschen erreicht. Dort müssten gesunde und gleichzeitig leckere Mahlzeiten angeboten werden, die vor allem bei Kindern positive Effekte einfahren. So könnten gesunde Essgewohnheiten früh erlernt werden.

„Wir wollen nicht missionieren. Es geht schlicht darum zu sagen: Ernährung ist ein ganz wichtiger Faktor für Gesundheit“, betonte Baas. Man wolle weder Fleisch noch Süßes verbieten, sondern für eine ausgewogene und damit gesunde Ernährung werben. Der wichtigste Aspekt bleibe nach wie vor der Geschmack – wie auch 99 Prozent der Befragten finden.

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