Ausbau der Stromnetze Wirtschaftsrat der CDU und Klimaunion fordern Rückkehr zu Freileitungen

Exklusiv | Berlin · In den Reihen der Union geht die Sorge vor einer Kostenexplosion bei der Energiewende um, die auch die Strompreise für Endverbraucher nach oben treiben könnte. Nun machen CDU-nahe Wirtschaftsvertreter und Klimapolitiker einen Vorstoß, Stromleitungen künftig wieder überirdisch zu bauen anstatt unter der Erde zu verlegen.

 Laut Wirtschaftsrat der CDU würde die Rückkehr zum Vorrang für Freileitungen gegenüber Erdkabeln rund 20 Milliarden Euro weniger kosten.

Laut Wirtschaftsrat der CDU würde die Rückkehr zum Vorrang für Freileitungen gegenüber Erdkabeln rund 20 Milliarden Euro weniger kosten.

Foto: dpa/Jens Büttner

Wirtschaftsvertreter und Klimapolitiker aus den Reihen der CDU fordern, neue Stromleitungen wieder als Freileitungen zu bauen und nicht vorrangig als Erdkabel zu verlegen. Sie begründen den Vorstoß mit geringeren Kosten. „Rund 20 Milliarden Euro weniger würde eine Rückkehr zum Vorrang für Freileitungen vor Erdverkabelung kosten“, sagte Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU, unserer Redaktion. Er fügte an: „Ganz abgesehen davon, dass wir so auch den Windstrom schneller von Norden nach Süden übertragen könnten.“ Inzwischen rege sich an vielen Orten der gleiche Widerstand gegen Erdkabel wie vorher gegen Freileitungen. „Das macht die viel teurere Lösung sinnlos“, so Steiger.

Die angeblich höhere Akzeptanz war eines der zentralen Argumente für die Verlegung der Leitungen unter der Erde. Seit Ende 2015 hat die Erdverkabelung bei großen Stromautobahnen (Höchstspannungs-Gleichstrom-Leitungen) gesetzlich den Vorrang, eingeführt unter dem damaligen SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Der Wirtschaftsrat, ein CDU-naher Lobby- und Berufsverband, und der ebenfalls CDU-nahe Verein Klimaunion warnen vor einer „Kostenexplosion bei der Energiewende“. In einem Positionspapier verweisen sie darauf, dass die Offensive bei der Energieinfrastruktur enorme Kosten verursachen werde – vom Bau neuer Übertragungsleitungen über den Ausbau von Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen bis zur Wasserstoffinfrastruktur. Die meisten Kosten „werden sich letztlich im Strompreis wiederfinden und die einzelne Kilowattstunde verteuern“, heißt es in dem Papier, das unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Dabei sei der Strompreis in Deutschland im internationalen Vergleich heute schon hoch. „Da die industrielle Basis die Grundlage auch des Wohlstands in Deutschland ist, ist es zwingend erforderlich, alle sich bietenden Kostensenkungspotentiale zu nutzen“, heißt weiter. Dieses Potenzial sehen Wirtschaftsrat und Klimaunion beim Ausbau der Übertragungsnetze. „Die Ampelkoalition muss Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaverträglichkeit zu gleichrangigen Zielen erklären“, forderte Steiger.

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