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Streit zwischen Söder und Laschet: Wie die Union in der Corona-Krise mit sich ringt

Söder und Laschet : Wie die Union in der Corona-Krise mit sich ringt

Zwischen Laschet und Söder soll es einen heftigen Krach gegeben haben. Dabei braucht Ersterer den CSU-Chef, um Kanzler zu werden.

Der Krach in der Krisen-Schalte von Bund und Ländern zur Corona-Pandemie hat nicht nur Nerven gekostet. Der Zoff am Sonntagnachmittag hat auch die Frage aufgeworfen, wie es um die Führungsfähigkeit mancher Unionsspitzen in schwieriger Lage bestellt ist. Denn gleich zu Beginn der Diskussion um gemeinsame Maßnahmen der Länder zur Eindämmung des Virus (siehe auch Seite A 3) hatte Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) am Sonntag damit gedroht, die Konferenz zu verlassen. Dieser Konflikt dürfte politisch nachhallen.

Was war geschehen? Darüber gibt es verschiedene Versionen. Die eine besagt, dass es Krach gegeben habe zwischen CSU-Chef Söder und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), nachdem der CDU-Vize den Bayern für dessen nicht mit anderen Ländern abgestimmtes Krisenmanagement kritisiert hatte. Eine andere Darstellung nennt vor allem Kritik von Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) als Ursprung. Fakt ist, dass es bei einigen Regierungschefs Unmut gab, weil Bayern – wie auch das Saarland – am Freitag schon eigene verschärfte Regeln gegen das Virus erlassen hatte.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ministerpräsidenten dürfte sich dadurch nicht gerade verbessert haben. Und: Wenn Söder als Chef der Ministerpräsidentenkonferenz angeblich mit dem Abbruch der Schalte droht, dürfte das bei den Menschen nicht besonders gut ankommen. Die Corona-Krise eignet sich nicht sonderlich als Profilierungsfeld – im Gegenteil: Entsteht ein solcher Eindruck beim Bürger, dürfte das den Beteiligten auf die Füße fallen.

Und doch könnte die Krise Auswirkungen auf das Rennen um den CDU-Vorsitz haben. Die drei Kandidaten mit den größten Erfolgschancen – Laschet, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen – haben den parteiinternen Wahlkampf wegen der Corona-Krise vorerst auf Eis gelegt. Während Laschet in diesen Wochen die Rolle als Ministerpräsident und Krisenmanager ausspielen kann, fehlen Merz und Röttgen solche medienwirksame Ämter – zumal Merz auch noch mit dem Coronavirus infiziert ist und in häuslicher Quarantäne sitzt.

Die Frage ist auch: Kann das Krisenmanagement von Söder und Laschet über den nächsten Kanzlerkandidaten der Union entscheiden? Nach dem Motto „Krisen machen Kanzler“ ist die jeweilige Performance ein Gradmesser für alle höheren Aufgaben, die eine Kanzlerschaft mit sich bringt. Unter diesem Eindruck sehen in Bayern viele Laschet in der Defensive, da er verglichen mit Söder beim Thema Corona eher als zögernder Landesvater denn als konsequenter Entscheider aufgefallen sei – etwa bei Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen.

Laschet sieht seine Chance da­rin, nach dem Motto „Maß und Mitte“ jene hinter sich zu bringen, die keinen Polarisierer an der Spitze der CDU wollen. Seit Ausbruch der Corona-Krise nutzt er jede Gelegenheit, staatsmännisch Gemeinsamkeit und abgestimmtes Vorgehen von Bund und Ländern anzumahnen.

Schon vor Corona-Zeiten war klar, dass es ohne Söder keine Entscheidung über den künftigen Kanzlerkandidaten der Union geben kann. Die Chefs der beiden Schwesterparteien entscheiden am Ende immer, wen sie ihren Parteien vorschlagen. Auch wenn viele weiterhin fest damit rechnen, dass Söder am Ende auch seinen Hut in den Ring werfen wird, gilt dies in seinem direkten Umfeld als kategorisch ausgeschlossen.

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef. Foto: dpa/Matthias Balk

Dennoch: Laschet ist sich der Macht des CSU-Chefs bewusst. Auch wenn ihn Söders Alleingänge zweifellos ärgern müssen, vermeidet er öffentlich jede Kritik an Bayerns starkem Mann. Als in der vergangenen Woche in eine WDR-Bürgersprechstunde die Eil-Meldung mit Söders Ausgangsbeschränkungen für Bayern platzte, fing Laschet sich schnell wieder. Statt seinem Unmut Luft zu machen, versuchte er die Erklärung: „Ich glaube, er reagiert auf die Grenznähe zu Österreich.“