1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Steigende Corona-Zahlen: Bund und Länder wollen Schulen und Kitas offenlassen

Steigende Corona-Zahlen: Bund und Länder wollen Schulen und Kitas offenlassen : Lüften bleibt das A und O

Kitas und Schulen sollen auch bei weiter steigenden Corona-Neuinfektionen unbedingt offenbleiben. Dieses Ziel haben die Kultusminister noch einmal bekräftigt.

Mit steigenden Corona-Zahlen steigt auch die Nervosität bei vielen Familien: Geht es jetzt wieder los mit flächendeckenden Schul- und Kitaschließungen? Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern haben am Freitag versucht, die Sorgen zu zerstreuen. Nach Auffassung der Kultusministerkonferenz (KMK) sollen Schulen und Kitas möglichst lange offenbleiben. „Lüften bleibt dabei das A und O“, sagte die KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) am Freitag in Mainz nach zweitägigen Video-Beratungen der 16 Landes-Minister. „Räume, die man nicht lüften kann, können auch nicht für den Unterricht genutzt werden.“ Bei höheren Infektionszahlen könne es sinnvoll sein, die Maskenpflicht auch im Unterricht anzuordnen, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin. Alle 16 Minister seien sich einig, dass das Recht auf Bildung oberste Priorität haben müsse. „Für Schülerinnen und Schüler, für Lehrkräfte aber auch für Eltern ist es zentral, dass Präsenzunterricht stattfindet.“

Schul- und Kitaschließungen seien nur das „allerletzte Mittel“, betonten auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin, wo sie eine entsprechende Studie vorstellten. Präventive flächendeckende Schließungen seien derzeit nicht angezeigt, sagte Giffey.

„Kitas sind keine Infektionsherde. Kinder sind keine Infektionstreiber“, lautete für Giffey das Fazit aus der Untersuchung. Damit erübrigen sich nach ihrer Meinung auch neuerliche, flächendeckende Schließungen. Ganz ausschließen mochte sie das aber nicht. Bei Spahn klang das ähnlich. „Klare Priorität“ sei es aber, Kitas und Schulen „so weit wie möglich offen zu halten“, versicherte der Unionspolitiker. Hintergrund der Relativierungen ist offenkundig die derzeitige Unkalkulierbarkeit des weiteren Verlauf der Pandemie. Auf Nachfrage meinte Giffey: Kita-Schließungen dürften nur das „allerletzte Mittel“ sein.

Seit Mitte März wies laut der Studie gut jede zehnte Kindertageseinrichtung relativ konstant mindestens eine Verdachtsfall für Covid-19 aus. Bei nur ein Prozent der Einrichtungen gab es aber tatsächlich mindestens einen Infektionsfall. Noch etwas geringer ist der Anteil der Einrichtungen, die vorübergehend wirklich infektionsbedingt schließen mussten. Mit Stand 12. Oktober ist es in den letzten fünf Wochen durchschnittlich zu sechs Ausbrüchen gekommen. Gleichzeitig häuften sich allerdings die Verdachtsmeldungen. Hier war jede vierte Kita betroffen. Bis Ende September wurden dem Robert-Koch-Institut insgesamt 79 Ausbrüche in Kitas und Horten angezeigt. Dabei wurden 381 Covid-19-Fälle registriert. Davon war jedes vierte Kind jünger als fünf Jahre.

Auch beim Kita-Personal sind die Fallzahlen relativ gering, wie aus der Studie weiter hervorgeht. Die coronabedingten Personalausfälle bei den Kräften, die mit der pädagogischen Arbeit betraut sind, lag zuletzt bei rund vier Prozent. Laut Giffey sind aktuell 90 Prozent der Kita-Fachkräfte im Einsatz. Das sei eine „hohe Zahl“ betonte sie.

Die Zahlen an den Schulen sehen zumindest bisher ebenfalls noch relativ gut aus: Bis zum Start der Herbstferien hätten durchschnittlich 98 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an Präsenzunterricht teilnehmen können, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland am Freitag nach einer Umfrage bei den Kultusministerien der Länder. Verschiedenen Abfragen bei den Ministerien in den vergangenen Wochen hatten gezeigt, dass zwischenzeitlich mehrere Zehntausend der insgesamt elf Millionen Schüler in Deutschland in Quarantäne waren. Vereinzelt kam und kommt es auch vorübergehend zu kompletten Schulschließungen.

Großflächige regelmäßige Tests an Schulen und Kitas sind vorerst nicht geplant. Das ist in der neuen bundesweiten Testverordnung, die seit Donnerstag in Kraft ist, nicht vorgesehen. Getestet wird in der Regel nur bei Verdachts- oder Infektionsfällen in einer Einrichtung. Kostenlose regelmäßige Tests auch bei symptomfreien Menschen – vor allem die neuen Schnelltests – gibt es laut Verordnung zunächst für Menschen und Besucher in Pflegeeinrichtungen und im Gesundheitswesen. In den Bundesländern wurden nach dem Sommer allerdings eigene Testprogramme aufgelegt. Lehrkräfte oder Beschäftigte in Kitas können sich zum Teil mehrfach kostenlos testen lassen.