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Stärken und Schwächen des deutschen Gesundheitswesens in Zeiten der Coronakrise

Coronakrise : Stärken und Schwächen des deutschen Gesundheitswesens

Für den Kampf gegen das Coronavirus gibt es in deutschen Kliniken vergleichsweise viele Intensivbetten. Probleme gibt es dagegen bei der Personalstärke, bei den Testkapazitäten und bei der Verfügbarkeit von Schutzkleidung.

Die Entwicklung der Corona-Krise in Deutschland hat sich dramatisch beschleunigt. Zuletzt verdoppelten sich die Fallzahlen innerhalb von nur 2,8 Tagen auf fast 8000 Infizierte. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, rechnet bis zum kommenden Wochenende bereits mit 20 000 bestätigten Fällen. Wie ist das deutsche Gesundheitssystem darauf vorbereitet? Es gibt Stärken, aber auch Schwächen:

Intensivbetten: Wenn man davon ausgeht, dass etwa fünf Prozent der Virus-Erkrankungen einen kritischen Verlauf nehmen, bis hin zu schweren, lebensbedrohlichen Lungenentzündungen, dann braucht es genügend Intensivbetten, um möglichst viele solcher Patienten gleichzeitig behandeln zu können. In Deutschland gibt es immerhin rund 28 000 Intensivbetten. Macht 34 pro 100 000 Einwohner. Das ist Spitze in Europa. Zum Vergleich: In Spanien kommen auf 100 000 Einwohner nur 9,5 Intensivbetten, in Italien lediglich acht. Und Deutschland soll noch besser werden: Bund und Länder wollen die stationäre Krankenhausversorgung ausweiten. Um Kliniken zu entlasten, die sich auf den Aufbau von Intensivkapazitäten konzentrieren, müssten an anderen Kliniken und gegebenenfalls provisorischen weiteren Standorten wie Hotels oder Hallen zusätzliche Betten- und Behandlungskapazitäten – bis hin zur Verdoppelung – aufgebaut werden. Das geht aus einem Konzept hervor, auf das sich Bund und Länder am Dienstag verständigt haben.

Personal: Nach Einschätzung von DKG-Chef Gaß könnte die Bettenzahl in Deutschland kurzfristig zwar noch um etwa 6000 aufgestockt werden. Das Problem ist jedoch der Mangel an Intensiv-Personal. Nach einer vom Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Untersuchung mussten deshalb schon 2017 auf gut drei Viertel aller Intensivstationen Betten gesperrt werden. Laut der Studie weisen deutsche Kliniken europaweit eine der niedrigsten Quoten an Pflegekräften pro Bett auf. Ursachen seien unattraktive Arbeitsbedingungen, hohe physische und psychische Belastungen sowie eine mäßige Bezahlung. Derzeit fehlen in den Kliniken insgesamt etwa 17 000 Pflegekräfte.

Schutzkleidung: Verschärfend kommt jetzt noch hinzu, dass es auch an medizinischer Schutzbekleidung mangelt, Ärzte oder Pfleger also Gefahr laufen, sich selbst zu infizieren. Und das nicht nur in Kliniken, sondern auch in Arztpraxen. Einem Bericht der Berliner Zeitung zufolge haben Mediziner in der Hauptstadt deshalb sogar mit Praxisschließungen gedroht. „Die niedergelassenen Ärzte, die sich, ihre Mitarbeiter und noch nicht infizierte Patienten schützen müssen, können die Regelversorgung ohne Schutzausrüstung nicht mehr aufrechterhalten“, klagte der Vorstandsvize der Kassenärztlichen Vereinigung Berlins, Burkhard Ruppert. Der Markt für die begehrten Produkte ist weitgehend leergefegt.

Tests: Dass sich die Corona-Krise allen Widrigkeiten zum Trotz spürbar eindämmen lässt, zeigt das Beispiel Südkorea. Auch mittels groß angelegter Virus-Tests konnte die Zeitspanne für eine Verdopplung der Corona-Erkrankungen dort inzwischen auf fast 63 Tage ausgeweitet werden. Jeder Verdachtsfall wird dort getestet, das Ergebnis steht oft schon nach Stunden zur Verfügung. Damit scheint in dem asiatischen Land mittlerweile das Schlimmste ausgestanden zu sein. In Deutschland kann man sich zwar in Selbstquarantäne begeben, wenn man fürchtet, sich infiziert zu haben. Doch die zuständigen Stellen empfehlen erst dann einen Test, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Die Testkapazitäten sind deutlich niedriger. Und die Dunkelziffer der Infizierten deshalb womöglich deutlich höher.