Staatsanwalt prüft Todesfälle im Wilke-Wurstskandal

Weiterer Betrieb geschlossen : Staatsanwaltschaft prüft Todesfälle im Wilke-Wurstskandal

Im Fall von keimbelasteter Wurst des hessischen Herstellers Wilke prüft die Staatsanwaltschaft Kassel eine Reihe von Krankheits- und Todesfälle auf einen möglichen Zusammenhang. Wie die Behörde am Mittwoch erklärte, meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) der Polizei 37 Erkrankungsfälle, 25 der gelisteten Personen sind inzwischen verstorben.

Alle der im Schnitt 74 Jahre alten Erkrankten infizierten sich demnach zwischen Herbst 2014 und Sommer 2019 mit Listerien des Typs Sigma 1. Diesen Bakterienstamm bringt das RKI mit dem Wursthersteller in Verbindung.

„Ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Infektion und dem Ableben besteht und welche Krankheitssymptome die Infizierten durch die Listeriose erlitten haben, wird nunmehr ermittelt“, teilte die Behörde mit. Alle Verstorbenen hatten demnach „teilweise beträchtliche Begleiterkrankungen, die durchaus allein todesursächlich gewesen seien können“.

Der Betrieb des Wurstherstellers Wilke im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg war Anfang Oktober geschlossen worden. Zuvor waren bereits im März in Produkten Listerien entdeckt worden. Das RKI brachte bislang drei ältere der gelisteten Todesfälle direkt mit Wilke in Verbindung. Doch auch dieser Zusammenhang „steht aus staatsanwaltschaftlicher Sicht bislang nicht fest und bedarf der Aufklärung“, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Bei Untersuchungen nach einem Listerien-Verdachtsfall in einer Fleischfirma im Oldenburger Münsterland ist unterdessen ein weiterer Betrieb vorläufig stillgelegt worden. Nach einer Kontrolle des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in der Firmenzentrale in der niedersächsischen Gemeinde Essen im Kreis Cloppenburg habe die Behörde auch hier das Ruhen der Betriebszulassung angeordnet, sagte eine Sprecherin des Landesverbraucherschutzministeriums am Mittwoch in Hannover. Ministerium und Landesamt prüften gemeinsam den Entzug der Betriebszulassung, weil die Zuverlässigkeit des Unternehmers in Frage gestellt werde. Der Unternehmer habe nicht belegen können, dass er bei Eigenkontrollen festgestellte Listerien-Funde der amtlichen Lebensmittelkontrolle gemeldet hatte. Dazu war er nach Verstößen gegen Hygienevorschriften verpflichtet worden.

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