Spritschlucker werden teurer Das Prinzip "Dicke Steuern für dicke Autos"

Berlin · Die Bundesregierung will mehr Autofahrer zum Umstieg auf klimafreundliche Modelle bewegen. Schon am heutigen Freitag könnte sie die Pläne absegnen.

 Auch für Sportwagen wie diesen Porsche Macan müssen Autofahrer wohl bald tiefer in die Tasche greifen.

Auch für Sportwagen wie diesen Porsche Macan müssen Autofahrer wohl bald tiefer in die Tasche greifen.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

Die Bundesregierung will die Deutschen dazu bringen, klimafreundlichere Autos zu kaufen. Die Kfz-Steuer für große Spritschlucker soll deshalb steigen. Ein Überblick über die Pläne – und was auf Autofahrer noch zukommt:

Das neue Berechnungsmodell: Ziel der neuen Berechnung ist im Prinzip: dicke Steuern für dicke Autos. Dafür fließt neben dem Hubraum eine verschärfte Klimakomponente ein, die sich am Spritverbrauch und damit am CO2-Ausstoß des Autos orientiert. Sie steigt in sechs Stufen von zwei bis auf vier Euro je Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Bis 95 Gramm CO2 je Kilometer liegt der Klima-Aufschlag auf die Steuer bei null.

Für wen sich jetzt was ändert: Die meisten Autofahrer werden die Änderung erst mal nicht im Geldbeutel spüren – denn sie gilt nur für Neuzulassungen. Und auch hier müssen längst nicht alle mehr Geld zahlen. Elektroautos sind für zehn Jahre komplett von der Kfz-Steuer ausgenommen. Wer ein anderes, sehr klimafreundliches Auto kauft, zahlt ebenfalls nicht drauf. Aufschläge im Vergleich zur bisherigen Steuer gibt es erst ab einem CO2-Ausstoß von 116 Gramm pro Kilometer.

Wer wie viel draufzahlt: Laut Ministerium hatten die 2019 erstzugelassenen Autos im Schnitt einen CO2-Prüfwert von 157 Gramm pro Kilometer. Dieses Durchschnittsauto wird mit der neuen Steuer im Jahr 15,80 Euro teurer. Die Spanne reicht allerdings von wenigen Cent bis zu mehr als 100 Euro. So ändert sich bei einem Opel Corsa mit einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm, einem typischen Kleinwagen gar nichts. Eine Familienkutsche wie der VW Passat mit 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer würde einen Euro teurer. Größer ist der Unterschied bei den beliebten SUVs. Für einen VW T-ROC mit 151 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer fielen 11,50 Euro mehr an, für einen Audi Q8 mit CO2-Ausstoß von 182 Gramm pro Kilometer müsste man fast 42 Euro mehr zahlen. Bei einem Sportwagen wie dem Porsche 911 mit 215 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer wären es 100 Euro mehr im Jahr.

Kritik: Umweltschützer meinen, der aus ihrer Sicht geringe Steueraufschlag werde niemanden vom Kauf seines Lieblingsautos abbringen. Wolle man einen echten Effekt, so müssten zugleich emissionsarme Autos günstiger werden. Die FDP fürchtet einen großen Schaden für die wegen der Corona-Krise gebeutelte Autobranche.


CO2-Preis macht Sprit teurer: Von 2021 an macht ein CO2-Preis Benzin und Diesel teurer. Im ersten Jahr sind es 25 Euro pro Tonne CO2 – das entspricht laut Bundesregierung einem Aufpreis von brutto etwa sieben Cent pro Liter Benzin und acht Cent pro Liter Diesel. In den ersten Jahren ist der Preis festgelegt und steigt schrittweise an, später soll er sich aus Angebot und Nachfrage bilden. Bis 2025 steigt der Preis schrittweise auf bis zu 55 Euro im Jahr an.

Pendlerpauschale steigt: Arbeitnehmer mit längeren Fahrwegen werden wegen der steigenden Spritpreise entlastet. Ab 2021 steigt die Pendlerpauschale ab dem 21. Entfernungskilometer von 30 auf 35 Cent, ab 2024 weiter auf 38 Cent pro Kilometer.

Autokauf wird gefördert, aber nur mit E-Antrieb: Bis Ende 2025 können Bürger, die ein Elektroauto kaufen, von einem Umweltbonus profitieren. Bei einem Listenpreis bis 40 000 Euro gibt es 6000 Euro für reine E-Autos und bis 4500 Euro für Hybride, die elektrisch oder mit Sprit fahren. Für teurere Autos – bis 65 000 Euro – gibt es 5000 Euro Bonus für reine E-Pkw und 3750 für Hybride. Den Bonus zahlen zur Hälfte die Hersteller, die andere Hälfte kommt aus Steuergeldern. Wer jetzt ein E-Auto kauft, kann dann bis 9000 Euro sparen.

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