SPD-Politiker Ottmar Schreiner nach Krebs-Operation wieder wohlauf

Berlin/Saarbrücken · Im Sommer ereilte Ottmar Schreiner die Diagnose Krebs. Nach Operation und Chemotherapie stehen die Heilungschancen jedoch gut. Ab Januar will der SPD-Bundestagsabgeordnete wieder in der Politik mitmischen.

Berlin/Saarbrücken. Natürlich ist es aufgefallen, dass er sich so lange nicht zu Wort gemeldet hat. Um den Genossen Ottmar Schreiner, der stets zur Stelle war, wenn es galt, als Anwalt der kleinen Leute die Klappe aufzureißen, ist es still geworden in letzter Zeit. Das untypische Schweigen hat indes einen triftigen Grund: Krebs. Ein Blasenkarzinom hat Schreiner außer Gefecht gesetzt.

Mit seinem alten Kumpel Oskar Lafontaine, den es ein Jahr zuvor an der Prostata erwischte, hat er sich bereits ausgetauscht. Gemeinsames Leid ist geteiltes Leid. Obwohl es mit der klassischen Angst von Krebspatienten, die diese gefürchtete Krankheit allzu schnell als Todesurteil empfinden, bei Schreiner nicht weit her ist. Der gelernte Jurist aus Saarlouis reagierte mit kühler Ernsthaftigkeit auf die arglistige Attacke des eigenen Körpers: „Sein oder Nichtsein? An Shakespeare habe ich nie gedacht“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Statt trübsinniger Gedanken habe er vielmehr einen Impuls verspürt, und den ziemlich klar: „Ich muss, will und werde das Beste aus der Situation machen.“

Es war im vergangenen Sommer, als das vitale (und ein bisschen ungesunde) Leben des sozialdemokratischen Genussmenschen ein vorläufiges Ende nahm. Die Diagnose nach der feingeweblichen Untersuchung war eindeutig, die Prognose des behandelnden Arztes Dr. Hans-Erich Reichert aber hoffnungsvoll. Der Chefarzt der Urologie an den SHG-Kliniken in Völklingen attestierte dem SPD-Abgeordneten eine „Kämpfernatur“ und stellte nach einer OP mit anschließender Chemotherapie „gute Heilungschancen“ in Aussicht.

Seitdem ist Schreiner in Obhut der Völklinger Onkologen und ihrer pflegenden Helfer, auf die er höchste Lobeshymnen singt. Zweimal wurde er operiert, danach tankte er im Schwarzwald neue Kraft bei einer Reha, die heute „Anschlussheilbehandlung“ heißt. Und nun eben die Chemo, die manche Menschen mehr fürchten als eine OP. Bei jeder Sitzung wird dem Patienten drei Stunden lang Gift (und Kochsalzlösung) eingeträufelt.

Schreiner, der sich bei der Bundeswehr (Oberleutnant der Reserve und Fallschirmspringer) und vor allem in 30 Jahren Bundestag eine gewisse Unerschrockenheit angeeignet hat, verträgt die Tortur verblüffend nebenwirkungsarm. Ein Tag vor Heiligabend soll die letzte Infusion sein, es folgt dann eine wahrhaft stille Nacht. Ob der unorthodoxe Katholik Schreiner, der sich die zähe Zeit der Therapie mit Eugen Drewermanns „Woran ich glaube“ vertrieb, „Oh du Fröhliche“ anstimmen kann, stellt sich aber frühestens am 4. Januar heraus, wenn eine Computertomographie verrät, ob sein Körper nun tatsächlich clean ist.

Befeuert wird der Heilungsprozess nicht nur durch die große persönliche Anteilnahme, die er erfährt (die Töchter Sarah und Laura kommen oft vorbei, die Freunde Hans-Georg Treib und Heiko Maas kümmern sich, Berliner Genossen, vorneweg SPD-Chef Sigmar Gabriel, fragen Genesungswünsche simsend nach dem Befinden). Sondern vor allem durch eine besonders frohe Botschaft: Ende Januar wird der 64-jährige Schreiner zum ersten Mal Großvater.

Am 17. Januar, wenn im Bundestag die erste Plenarsitzung des neuen Jahres beginnt, will er wieder in Berlin sein und Sozialpolitik für die kleinen Leute machen, die ihm so am Herzen liegen. Und auf jene schimpfen, die den Hals nicht voll kriegen, aber „unten“ immer streichen wollen. Er möchte wieder als jener Ottmar Schreiner auftreten, der sich seinen Ruf, soziale Galionsfigur der SPD zu sein, redlich verdient hat. Und der sich nicht unterkriegen lassen will – auch nicht von einem Karzinom.