SPD-Mitgliederbefragung: Genossen im Saarland gespannt auf Ergebnis

Kostenpflichtiger Inhalt: Saar-Genossen erwarten Ergebnis mit Hochspannung : Welches Duo wird die SPD führen?

An diesem Samstag um 18 Uhr wird in Berlin das Ergebnis der Mitgliederbefragung verkündet. Auch die Genossen im Saarland erwarten es mit Hochspannung.

So manches SPD-Mitglied hätte wohl nur zu gerne einmal einen Blick in die berühmte Glaskugel gewagt, um zu erfahren, wer die Partei in die Zukunft führt. Und so ist der Mitgliederentscheid bereits seit Wochen Thema auf jeder SPD-Kreisverbandssitzung im Saarland, wie Parteisprecher Wolfgang Kerkhoff berichtet. Nicht nur dort. „Immer, wenn wir uns irgendwo sehen, wird darüber diskutiert“, sagt Marcel Dubois. Der 49-Jährige, der 1990 in die SPD eingetreten ist und in Alt-Saarbrücken lebt, hofft, dass sich viele Mitglieder an der Kür der neuen Partei-Doppelspitze aus Frau und Mann beteiligen, will aber die Messlatte nicht zu hoch legen. „Wenn die Hälfte der SPD-Mitglieder sich beteiligt, ist das gut“, findet Dubois, der auch Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Saarland ist.

Wie hoch die Beteiligung letztendlich tatsächlich ausfallen wird, wagte am Freitag noch niemand vorauszusagen. Noch bis Mitternacht konnten die 430 000 Mitglieder ihre Stimme für die am Ende noch sechs Kandidatenduos online abgeben – für Stimmzettel, die in die Parteizentrale im Berliner Willy-Brandt-Haus geschickt wurden, war mit der letzten Post, die am Freitag einging, Annahmeschluss. Das Ergebnis soll an diesem Samstag um 18 Uhr verkündet werden. Es dürfte Einblicke in die Verfassung der gebeutelten Partei erlauben, die zuletzt nur noch auf Umfragewerte zwischen 14 und 16 Prozent kam. Und einiges über die Überlebenschancen der Koalition mit der Union aussagen. Schließlich gibt es durchaus Bewerberduos, die das Regierungsbündnis in Berlin kritisch sehen.

Bereits ab 5.30 Uhr sind 250 Genossen aus ganz Deutschland im Willy-Brandt-Haus im Einsatz, um Berge von Stimmzetteln auszuzählen. Sie werden unterstützt von zwei Schlitzmaschinen, die jeweils 20 000 Briefe pro Stunde aufschlitzen können. Doch lohnt sich der ganze Aufwand, dem immerhin 23 Regionalkonferenzen in ganz Deutschland vorausgegangen sind, auf denen sich die Bewerber den Parteimitgliedern vorstellten?

„Der Prozess hat der SPD sehr gutgetan“, ist Philipp Weis überzeugt. Der ehemalige Saar-Juso-Chef aus Homburg findet die Mischung aus Politik-Promis und eher Unbekannten in den Kandidaten-Teams „sehr erfrischend“ für die Partei. Auch Isabelle Ginsbach lobt das Verfahren. „Ich wüsste nicht, wie man die Basis anders beteiligen könnte“, sagt die Saarbrückerin. Ginsbach war auch bei der ersten Regionalkonferenz am 4. September in der übervollen Saarbrücker Congresshalle dabei und findet: „Das war ein gutes Format.“

Ginsbach rechnet denn auch damit, dass ganz viele Genossen bei der Mitgliederbefragung mitmachen und ist damit wesentlich optimistischer als ihr Parteifreund Dubois. „Ich hoffe auf eine Wahlbeteiligung von zwei Dritteln“, sagt sie. Volker Weber ist ebenfalls zuversichtlich. „Unsere Mitglieder haben hier das Recht und die Möglichkeit, aktiv die Politik unserer Partei mit zu gestalten und die Weichen für die nächsten Jahre zu stellen. Die Parteibasis in den Ortsvereinen ist aus diesem Grund sehr an der Befragung interessiert. Ich rechne daher mit einer hohen Beteiligung“, sagt der Marpinger Bürgermeister.

Dabei hatte die Beteiligung vor einer Woche noch bei müden 28,9 Prozent gelegen.  Allerdings wird in der Partei-Zentrale in Berlin damit gerechnet, dass viele SPD-Mitglieder noch kurz vor Ende der Frist ihre Stimme abgeben.

Wie hoch die Beteiligung der saarländischen  Genossen an dem Votum ist, wird unterdessen wohl auch nach dem späten Samstagnachmittag, wenn alle Stimmen ausgezählt sind und das Ergebnis verkündet wird, ein Geheimnis bleiben. „Alle Stimmzettel sind anonymisiert, so dass man am Ende weder sagen kann, wie hoch die Beteiligung im Saarland ist, noch für wen sich die saarländischen SPD-Mitglieder mehrheitlich entschieden haben“, erklärt SPD-Sprecher Kerkhoff. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Stimmen der saarländischen Genossen bei der Abstimmung einiges Gewicht haben werden. Schließlich ist die Saar-SPD nach eigenen Angaben mit 18 000 Mitgliedern der bestorganisierte Landesverband Deutschlands.

Welches Duo am Ende die SPD führen wird, wird aber voraussichtlich nicht bereits am Samstagnachmittag feststehen. Zwar glaubt Isabelle Ginsbach, „dass es bereits im ersten Wahlgang eine Entscheidung geben wird“. Philipp Weis, Marcel Dubois und viele andere in der Partei rechnen allerdings damit, dass kein Kandidaten-Duo auf Anhieb die absolute Mehrheit erhält. Vom 19. bis zum 29. November würden dann die Mitglieder in einer Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten entscheiden. Die neue Spitze soll beim Parteitag Anfang Dezember von den Delegierten endgültig bestätigt werden.

Für Weis ist vor allem wichtig, dass am Ende „jeder Einzelne das Ergebnis akzeptiert“. Das hofft auch Volker Weber. „Wir brauchen nämlich eine SPD-Spitze, die die Strömungen der Partei vereinen und die Sozialdemokratie zu einem neuen Aufbruch begeistern kann.“

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