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Spahn spricht von „Hoffnung und Leid“ zum Ende des Corona-Jahres 2020

Pressekonferenz mit Jens Spahn : „Hoffnung und Leid“ zum Ende des Corona-Jahres 2020

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt auf die baldige Zulassung weiterer Impfstoffe. Zugleich wird eine Rekordzahl von Covid-19-Toten vermeldet.

Drei Tage nach dem offiziellen Start sind erst rund 60 000 Menschen vor allem in Pflegeheimen gegen das neuartige Coronavirus geimpft worden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach am Mittwoch von „Hoffnung und Leid“. Denn gleichzeitig wurde bekannt, dass die Zahl der gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit den Virus binnen 24 Stunden erstmals die Marke von 1000 überschritten hat.

„1129 Familien werden diesen Jahreswechsel in Trauer erleben“, sagte Spahn. Damit ist die Zahl der Covid-19-Todefälle seit Beginn der Pandemie auf mehr als 32 000 gestiegen. Der CDU-Politiker nutzte den Tag vor Silvester, um auf einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Virus-Bekämpfung zu informieren. Die Hoffnung richtet sich dabei vor allem auf die Zulassung weiterer Impfstoffe. Nur auf diese Weise ist es nach den Worten des Gesundheitsministers möglich, jedem Bürger, der es wolle, bis zum kommenden Sommer eine Impfung zu verabreichen.

Noch bis Jahresende sollen in Deutschland 1,3 Millionen Dosen des Biontech-Vakzins ausgeliefert werden Am 6. Januar könnte die europäische Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für den Impfstoff des US-Herstellers Moderna geben. Laut Spahn würden dann im ersten Quartal bis zu zwei Millionen Dosen dieses Vakzins in Deutschland zur Verfügung stehen. Und nachdem Großbritannien am Mittwoch als erstes Land einen Impfstoff des Pharmaunternehmens Astrazeneca zuließ, drängt Spahn nun auch auf die zügige Bearbeitung eines entsprechenden Antrags bei den zuständigen europäischen Behörden. Zuletzt gab es hier Probleme wegen noch fehlender Daten.

Um eine so genannte Herdenimmunität gegen Covid-19 zu erreichen, sollte die Impfrate zwischen 60 und 70 Prozent liegen. In Deutschland müssten demnach bis zu 56 Millionen Menschen immunisiert werden. Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, wollte gestern aber auch eine höhere Schwelle nicht ausschließen, falls das Virus durch Mutation noch deutlich ansteckender wird. „60 bis 70 Prozent sind das Minimum“, betonte Wieler.

Spahn nannte den Impfstart „gelungen“, räumte aber auch Anlaufschwierigkeiten ein – die Beschwerden mehrerer Bundesländer zur Folge hatten. So hatte unter anderem Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) beklagt, dass es trotz anderslautender Zusagen des Bundes zu Beginn der ersten Woche des neuen Jahres keinen weiteren Impfstoff für die Hauptstadt und die übrigen Länder geben wird. Eigentlich hätte die nächste Lieferung ab kommendem Montag, 4. Januar, kommen sollen. Dann war plötzlich vom 11. Januar die Rede. Später teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit, die Lieferung solle immerhin nächste Woche Freitag, 8. Januar, eintreffen: „Danach erfolgt die nächste Lieferung am 18. Januar 2021 und ab dann vorerst wöchentlich montags.“ Im Saarland hätte sich so oder so nichts an den bereits bis Ende Januar vergebenen Impf-Terminen geändert: „Wir haben ja sehr konservativ und zurückhaltend geplant“, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Er verstehe, dass viele Impfwillige ungeduldig würden, der Impfstoff sei aber auf der ganzen Welt knapp, sagte Spahn. Mit dieser anfänglichen Knappheit müsse auch vor Ort umgegangen werden. Der Bund ist für die zentrale Beschaffung zuständig, die Lieferungen werden dann nach einem bestimmten Schlüssel auf die Länder verteilt.

Spahn bekräftigte, dass es in Deutschland keine Impfpflicht gegen Corona geben werde. Auch nicht für Ärzte und Pflegekräfte, obwohl das Infektionsschutzgesetz dafür eine rechtliche Handhabe böte.

Angesichts der nach wie vor sehr hohen Infektionszahlen schloss Spahn spürbare Lockerungen des offiziell noch bis zum 10. Januar geltenden Lockdowns aus. Auch danach brauche es in jedem Fall eine starke Reduzierung der Kontakte, so Spahn.