Schlechtere Pisa-Noten – nicht nur in Mathe

Pisa-Ergebnisse : Schlechtere Pisa-Noten – nicht nur in Mathe

Die Leistungskurve für Deutschlands Schüler sackt wieder ab. Vor allem ein soziales Problem treibt Experten um – auch im Saarland.

(dpa/SZ) Es war der erste Pisa-Test für Christine Streichert-Clivot. In ihrer neuen Funktion als saarländische Bildungsministerin war es zum ersten mal an der SPD-Frau, das Bildungszeugnis der Pisa-Studie für Deutschlands Schüler zu bewerten – eine Aufgabe, die für Generationen von Kultusministern nicht immer leicht war. Nun ist der jüngste Vergleichstest für 2018, der am Dienstag publik wurde, weit entfernt vom „Pisa-Schock“ von 2001. Die 15-Jährigen der Republik haben längst aufgeholt in Sachen Lesen, Mathe und Naturwissenschaft. Allerdings ist die Bilanz nicht ungetrübt.

Denn nach 2016 haben Deutschlands Schüler im internationalen Vergleich zum zweiten Mal in Folge wieder Punkte verloren. Außerdem zeige sich, „dass der soziale Hintergrund deutschlandweit nach wie vor einen viel zu großen Einfluss auf dem Bildungserfolg hat“, bilanziert Streichert-Clivot. Dabei betont die Saar-Ressortchefin, dass man im Saarland „wirksam gegengesteuert“ habe und auch weiter daran arbeite, dass die Herkunft für den Erfolg in der Schule nicht entscheidend ist. Der Bildungsmonitor 2019 – eine weitere Studie – habe zudem belegt, dass der Einfluss des Elternhauses in „kaum einem anderen Bundesland“ eine so geringe Rolle spiele wie im Saarland.

Und der aktuelle Pisa-Bericht? Könne auf das Saarland nicht heruntergebrochen werden, „weil lediglich drei saarländische Schulen beteiligt waren“, sagt Streichert-Clivot. Insgesamt sei es „sehr erfreulich“, dass die Schüler in Deutschland weiter über den OECD-Schnitt liegen und es im deutschen Bildungssystem seit 2001 „insgesamt eine positive Entwicklung“ gegeben habe. Von den jüngsten Ergebnissen gingen aber dennoch „Signale für die Bildungspolitik in Bund und Ländern aus“.

Diese hörte auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Dass Deutschland weiterhin über dem OECD-Durchschnitt liege, sei keine Leistung, die „mit Glanz und Gloria vollbracht“ wurde. Deutschland sei auch deshalb überdurchschnittlich, weil der OECD-Schnitt gesunken sei. Leicht verschlechtert haben sich konkret auch Deutschlands Schüler. Im Bereich Lesen erreichten sie einen Punktwert von 498 (2016: 509), in Mathematik 500 (2016: 506) und in Naturwissenschaften 503 (2016: 509). Andere sind da deutlich besser. Zum Vergleich: Die Spitzengruppe mit mehreren chinesischen Regionen und Singapur kam auf Werte zwischen 550 und 590, Länder am Ende der Skala wie die Dominikanische Republik und die Philippinen auf Werte zwischen 325 und 340. Statistisches am Rande: Dass China so weit oben ist, liegt wohl daran, dass das Reich der Mitte nur mit einigen großen und eher wohlhabenden Metropolregionen teilnahm. Im ländlichen Raum ist das Bildungssystem des Landes nicht so gut entwickelt. Außerdem gibt es in China einen großen Leistungsdruck.

Die Reaktion auf die deutschen Ergebnisse fiel unterschiedlich aus. Die deutsche Pisa-Koordinatorin Kristina Reiss vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der Technischen Universität München stellte das Positive heraus und verwies darauf, dass Deutschland innerhalb einer relativ starken Gruppe mit Ländern wie Belgien und Frankreich liege. Der Chef des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, zeigte sich sogar überrascht, dass die Bundesrepublik angesichts von Lehrermangel, Unterrichtsausfall und verstärkter Zuwanderung nicht schlechter abgeschnitten hat. Für Oppositionspolitiker wie den FDP-Abgeordneten Thomas Sattelberger sind die Pisa-Ergebnisse dagegen ein „desaströses Zeugnis für die Bildungspolitik hierzulande“.

Alle Jahre wieder sorgt die Studie für Aufregung. Seit dem schlechten deutschen Abschneiden Anfang des Jahrtausends waren die Ergebnisse stetig nach oben geklettert. Rückläufig sind sie seit 2016 – womöglich spielt auch die Zuwanderung dabei eine Rolle. Beim Pisa-Test werden alle drei Jahre stichprobenartig Schüler ausgewählt – in Deutschland waren es diesmal knapp 5500. Binnen zwei Stunden bearbeiten die Jugendlichen Aufgaben in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften. Zusätzlich gibt es Fragebögen zum persönlichen Hintergrund, zu Einstellungen und Wertvorstellungen.

Sind die Tests überhaupt international vergleichbar? „Defintiv ja“, sagt Pisa-Koordinatorin Reiss. Die Aufgaben würden vorher in einem langwierigen Prozess international abgestimmt, so dass sie überall funktionierten.