Schicksalsjahr 1989 – wie es zum Fall der Mauer kam

Chronologie : Schicksalsjahr 1989 – wie es zum Fall der Mauer kam

Vor 30 Jahren kam das Ende der Mauer – überraschend, aber nicht ohne Vorgeschichte. Proteste in der DDR, Massenausreisen und politische Veränderung gingen voraus. Im Herbst 1989 spitzte sich die Lage zu.

Eine Chronologie:

19. Januar 1989: DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker weist westliche Forderungen nach einem Abriss der Berliner Mauer zurück: „Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind“, sagt er.

7. Mai: Nach den Kommunalwahlen decken unabhängige Bürgergruppen Manipulationen bei den Ergebnissen auf. Viele tragen ihren Protest auf die Straße. In Leipzig, später auch in Berlin. Sie sind der Vorläufer zu den Massendemonstrationen im Herbst.

19. August: Beim sogenannten Paneuropäischen Picknick im ungarischen Sopronpuszta flüchten 600 DDR-Bürger spontan in den Westen. Die ungarisch-österreichische Grenze war damals aus Anlass einer geplanten Friedensdemonstration oppositioneller Aktivisten kurz geöffnet worden.

4. September: In Leipzig versammeln sich an einem Montag über 1000 Menschen vor der Nikolaikirche und fordern unter anderem Reisefreiheit. Daraus entstehen die Montagsdemonstrationen.

10. September: Ungarn kündigt an, seine Grenze nach Österreich für DDR-Bürger zu öffnen. Bis Ende Oktober gelangen so etwa 50 000 Menschen in die Bundesrepublik.

30. September: Vom Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag überbringt Außenminister Hans-Dietrich Genscher Tausenden auf dem Gelände zusammengepferchten DDR-Bürgern die Nachricht: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...“ Der Rest des Satzes geht im Jubel unter. Mehrfach fahren Züge mit insgesamt wohl 17 000 Flüchtlingen von Prag über die DDR in die Bundesrepublik.

18. Oktober: Honecker wird von seinen Ämtern entbunden. Sein Nachfolger wird Egon Krenz.

3./4. November: Wohl auf Druck der Tschechoslowakei gestattet die Ost-Berliner Führung ihren Bürgern die Ausreise aus dem Land. Binnen vier Tagen flüchten rund 62 500 Menschen in die Bundesrepublik.

4. November: Zwischen 500 000 und einer Million Menschen demonstrieren auf dem Berliner Alexanderplatz.

7. November: Die DDR-Regierung tritt zurück. Tags darauf wird das SED-Politbüro umstrukturiert.

9. November: Politbüromitglied Günter Schabowski kündigt auf einer Pressekonferenz eher beiläufig an, die DDR werde ihren Bürgern künftig Reisefreiheit gewähren. „Das tritt ... nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich“, sagt er. Es ist der ungewollte und verfrühte Startschuss zur Grenzöffnung. Bis in die Nacht strömen Tausende über die offenen Grenzen.

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