Jahrzehntelange Fahndung RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin festgenommen – weitere gefasste Person gehörte nicht zur RAF

Update | Berlin · Die linksterroristische RAF ist aufgelöst. Doch drei frühere Mitglieder beschäftigen mit Überfällen noch immer die Ermittler. Nun hatten Fahnder Erfolg.

Ein gepanzertes Fahrzeug der Polizei verlässt den Hof des Amtsgerichts. Die frühere Terroristin der Roten Armee Fraktion (RAF), Daniela Klette (65), ist in Berlin gefasst worden.

Ein gepanzertes Fahrzeug der Polizei verlässt den Hof des Amtsgerichts. Die frühere Terroristin der Roten Armee Fraktion (RAF), Daniela Klette (65), ist in Berlin gefasst worden.

Foto: dpa/Sina Schuldt

Update vom 28. Februar, 08:53 Uhr:

Bei der weiteren in Berlin festgenommenen Person handelt es sich nicht um einen der beiden gesuchten früheren RAF-Terroristen Burkhard Garweg oder Ernst-Volker Staub. Das teilt das Landeskriminalamt Niedersachsen am Morgen mit. Der Mann wurde aus den polizeilichen Maßnahmen entlassen, die Fahndungsmaßnahmen nach den beiden noch flüchtigen Straftätern dauern an.

Nach der Festnahme der früheren RAF-Terroristin Daniela Klette wurde eine weitere verdächtige Person festgenommen

Nach der Festnahme der früheren RAF-Terroristin Daniela Klette haben die Fahnder wenig später eine weitere Person festgenommen. Es handele sich um einen Mann im „gesuchten Alterssegment“, sagte der Präsident des Landeskriminalamts Niedersachsen, Friedo de Vries, am Dienstag in Hannover. Die Identität des Festgenommenen werde noch geklärt, es sei nicht sicher, ob sein Ausweisdokument echt sei. Die Staatsanwaltschaft Verden und das Landeskriminalamt fahnden seit Jahrzehnten nach den früheren RAF-Terroristen Burkhard Garweg (55), Ernst-Volker Staub (69) und Klette (65). Sie werden der sogenannten dritten RAF-Generation zugeordnet.

RAF-Terroristin Daniela Klette nach Jahrzehnten in Berlin festgenommen
Foto: dpa/Bka

RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin festgenommen

Die frühere Terroristin der Roten Armee Fraktion (RAF), Daniela Klette (65), war in Berlin gefasst worden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Zuvor hatten „Bild“-Zeitung und „B.Z.“ berichtet.

Die Staatsanwaltschaft Verden und das Landeskriminalamt Niedersachsen fahndeten jahrzehntelang nach den RAF-Rentnern Burkhard Garweg (55), Ernst-Volker Staub (69) und Daniela Marie Luise Klette (65).

Die Behörden werfen Staub, Klette und Garweg versuchten Mord und eine Serie schwerer Raubüberfälle zwischen 1999 und 2016 vor. Die Tatorte lagen demnach in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Überfälle nicht politisch motiviert waren. Die Beschuldigten sollen die Taten begangen haben, um an Geld zu gelangen.

Erst vor zwei Wochen Thema bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“

Zuletzt hat die Staatsanwaltschaft Verden am 14. Februar Hinweise zu früheren Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ erbeten.

Staub, Klette und Garweg werden der sogenannten dritten RAF-Generation zugeordnet. Vertreter der Generation sollen den damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und den Treuhand-Chef, Detlev Karsten Rohwedder, umgebracht haben.

Rohwedder war am 1. April 1991 in Düsseldorf in seinem Haus am Schreibtisch erschossen worden. Das RAF-Kommando hatte ihn aus einer Kleingartenlage und mehr als 60 Metern Entfernung ins Visier genommen. Es war der letzte RAF-Mordanschlag.

RAF-Experte: Chance, Licht ins Dunkel der Taten zu bringen

Der RAF-Experte Butz Peters hofft nach Klettes Festnahme auf eine weitreichende Aufklärung der Taten der dritten Generation der RAF. „Das war ein langer Weg, nach Klette wurde über 30 Jahre lange gesucht“, sagte Peters dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Jetzt besteht die Chance, Licht ins Dunkel der Taten der dritten RAF-Generation zu bringen.“

Er rechne damit, dass die Ermittler der 65 Jahre alten Klette nun „die Kronzeugenregelung schmackhaft machen, sagte Peters, der als Anwalt arbeitet und mehrere Bücher über die RAF geschrieben hat. „Dann muss sie sich entscheiden.“

GdP sieht vernetzte linksextreme Szene

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete Klettes Festnahme in Berlin-Kreuzberg als Beleg für eine weiterhin vernetzte linksextreme Szene. „Dass sich die Gesuchte in Kreuzberg aufhielt, ist ein weiterer Beleg dafür, dass Berlin nach wie vor eine Hochburg für eine gut vernetzte bundesweit und global agierende linksextreme Szene ist“, teilte die GdP mit. „Die Festnahme einer Top-Terroristin wie Daniela Klette zeigt, dass der Rechtsstaat nicht locker lässt und nach Jahrzehnten der Suche alles dransetzt, um jene zur Rechenschaft zu ziehen, die unser demokratisches Zusammenleben gefährden wollen.“

Nachbar: Klette gab Mathematik-Nachhilfe

Klette soll nach Angaben eines Nachbarn in Berlin-Kreuzberg unter dem Vornamen Claudia gelebt haben. Um Geld zu verdienen, soll sie privaten Nachhilfeunterricht in Mathematik gegeben haben, erzählte der Nachbar mittleren Alters vor dem Wohnhaus, das von der Polizei zum Teil abgesperrt war. Er habe sich öfter mit Klette, die einen anderen Nachnamen nutzte, unterhalten. Zu Weihnachten habe er Kekse von ihr geschenkt bekommen. Klette habe aber nur eher oberflächliche Kontakte zur Nachbarschaft gepflegt. Berliner Polizisten trugen am Dienstag größere Kisten ins Haus, offenbar um Gegenstände abzutransportieren.

(dpa)
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