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Polizei hebt erstes deutsches Darknet-Zentrum in Traben-Trarbach aus

Polizei hebt erstes deutsches Darknet-Zentrum in Traben-Trarbach aus : Ex-Bunker war Hort für Internet-Kriminelle

In der ehemaligen Bundeswehr-Anlage in Traben-Trarbach wurden Plattformen für illegale Waffen, Drogen und Kinderpornos betrieben. Jetzt hat die Polizei in einer Groß-Razzia dem Treiben ein Ende gesetzt.

Es ist der größte Schlag deutscher Ermittler gegen Kriminalität im Internet, sogenannte Cyberkriminalität, dem vier Jahre Ermittlungsarbeit vorangingen. In einer großangelegten und von langer Hand geplanten Razzia, an der 650 Einsatzkräfte – darunter Spezialeinsatzkräfte aus Hessen und Hamburg sowie die Spezialeinheit der Bundespolizei GSG 9 – beteiligt waren, nahmen die Fahnder am Donnerstag sieben Personen in Traben-Trarbach fest. Sie stehen im Verdacht, in einem ehemaligen, bis zu fünf Stockwerke unter der Erde liegenden Bundeswehr-Bunker auf dem Mont Royal in dem berühmten Wein-Ort an der Mosel ein Rechenzentrum betrieben zu haben.

Einziger Zweck dieses Rechenzentrums sei es gewesen, Kriminellen die Rechnerleistungen zur Verfügung zu stellen, um über die Server Internetseiten im sogenannten Darknet zu betreiben, sagte Johannes Kunz, Chef des Landeskriminalamtes (LKA) Rheinland-Pfalz. Das Darknet ist ein abgeschirmter teil des Internets.

Über die Seiten wurden illegale Waffen, gefälschte Dokumente, gestohlene Daten und Drogen verkauft sowie Kinderpornos verbreitet. Allein über „Wall Street Market“, die weltweit zweitgrößete Darknet-Plattform für Drogen, die Etmittler im Frühjahr zerschlagen hatten, sollen 250 000 Drogengeschäfte im Wert von über 41 Millionen Euro abgewickelt worden sein. Ferner wurde aus dem Bunker heraus ein großangelegter Hackerangriff auf die Router von 1,25 Millionen Telekom-Kunden im November 2016 gesteuert. Zum Kundenstamm zählte auch die Seite „Cannabis Road“ mit 87 Verkäufern von Drogen aller Art, das Untergrundforum „Fraudsters“ mit Tausenden von Drogengeschäften sowie Plattformen wie „Orangechemicals“, „Acechemstore“ und „Lifestylepharma“ für synthetische Drogen.

Ermittelt wird insgesamt gegen 13 Verdächtige im Alter von 20 bis 59 Jahren, sieben von ihnen wurden am Donnerstag festgenommen, unter anderem in einem Restaurant in Traben-Trarbach. Zeitgleich fanden auch Durchsuchungen in Luxemburg, Polen, den Niederlanden und Schweden statt. Gegen die sieben Festgenommenen – sechs Männer und eine Frau – bestehe der Verdacht der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, der Beihilfe zu Hunderttausenden Fällen von schweren Drogendelikten, Falschgeldgeschäften, Datenhehlerei und der Beihilfe zur Verbreitung von Kinderpornos. Die Zahl der Kunden könne noch nicht abgeschätzt werden, sagte Kunz.

Unter den Festgenommenen ist auch der Hauptbeschuldigte, ein 59-jähriger Niederländer. Er hat das 13 Hektar große Areal mit dem 5000 Quadratmeter großen Bunker 2013 nach dem Abzug des Militärs von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über eine Stiftung gekauft. Bereits damals bezeichnete er den Bunker als einen „idealen Standort für hochsensible Daten aus allen Bereichen von Wirtschaft und Technik“.

Laut Kunz hat das LKA bereits damals einen Hinweis von der Verbandsgemeindeverwaltung Traben-Trarbach erhalten, dass es sich bei dem Käufer möglicherweise um einen Kriminellen handeln könnte. Der Niederländer habe Kontakte zum organisierten Verbrechen, sagte Kunz. Auch soll der Mann bereits in seinem Heimatland ein Rechenzentrum betrieben haben, über das Plattformen für kriminelle Machenschaften im Darknet gelaufen sein sollen. 2015 hätten dann die Ermittlungen begonnen, sagte der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer am Freitag bei einer Pressekonferenz in der Landespolizeischule auf dem Flughafen Hahn.

 Polizisten sichern das Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Bunkers weiträumig ab.
Polizisten sichern das Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Bunkers weiträumig ab. Foto: dpa/Thomas Frey

Die Fahnder stellten bei der Razzia mehr als 200 Server sicher. Die Herausforderung für die Einsatzkräfte sei gewesen, sagte LKA-Chef Kunz, die hohen Sicherheitsvorkehrungen um und in der Anlage zu überwinden. Hinzu kämen rechtliche Aspekte: Das Betreiben eines Rechenzentrums, das illegale Seiten hostet, sei an sich nämlich nicht strafbar, erklärte Brauer. Man müsse den Betreibern daher nachweisen, dass sie das „illegale Verhalten der Kunden kennen und dieses auch fördern“. Die Fahnder durchkämmten das gesamte Gelände und durchsuchten akribisch jeden der insgesamt 500 Räume des Ex-Bunkers, in dem rund 2000 Rechner vermutet werden. Die Aktion werde noch einige Tage dauern, sagte Brauer. In dessen Zuständigkeit fällt die rheinland-pfälzische Landeszentrale für Cybercrime, die die jahrelangen Ermittlungen geleitet hat. Die eigentliche Arbeit fange nun erst an, sagte er. Er rechnet mit monate- oder gar jahrelangen Auswertungen der sichergestellten Daten.