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Paritätischer Gesamtverband: Armut in Deutschland leicht rückläufig

Paritätischer Gesamtverband stelt Armutsbericht vor : Die Armut sinkt, die Kluft wächst

Der paritätische Gesamtverband sieht Deutschland sozial gespalten. Er fordert einen „Masterplan“, der auch eine deutliche Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes vorsieht.

Die Armut in Deutschland ist 2018 leicht zurückgegangen – zum dritten Mal innerhalb der letzten zehn Jahre. Die Spaltung zwischen den Regionen hat sich allerdings vertieft. Ein reicher Süden, ein ärmerer Osten und besonders arme Teile in Nordrhein-Westfalen kennzeichnen die soziale Lage. Das geht aus dem neuen Armutsbericht des paritätischen Gesamtverbandes hervor, der am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde. Nachfolgend die wichtigsten Daten und Hintergründe:

Wer gilt in Deutschland als arm?

Arm ist, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Das schließt auch alle staatlichen Transfers wie etwa Kindergeld oder Hartz IV ein. Nach dieser gängigen EU-Definition lag die Armutsgefährdungsschwelle im Jahr 2018 für einen Single-Haushalt in Deutschland bei 1035 Euro im Monat. Für eine Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren lag die Schwelle bei 1346 Euro und für eine Familie mit zwei minderjährigen Kindern bei 2174 Euro.

Wie hat sich die Armut entwickelt?

Der Untersuchung zufolge galten 2018 im Schnitt 12,8 Millionen Menschen in Deutschland als arm. Die Armutsquote lag bei 15,5 Prozent. Das waren 0,3 Prozentpunkte beziehungsweise 210 000 Personen weniger als im Jahr davor. Einen minimalen Rückgang um jeweils 0,1 Prozentpunkte hatte es zuletzt in den Jahren 2010 und 2014 gegeben. Dazwischen waren die Werte stets gestiegen. Laut Bericht ging erstmalig auch die seit 2012 stark gestiegene Armutsquote von Menschen mit nicht deutscher Staatsangehörigkeit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung „überdurchschnittlich zurück“. Hauptgrund für den bundesweiten Rückgang der Armut sind positive Tendenzen in den drei bevölkerungsreichsten Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern.

Wo liegen die Probleme?

„Die Kluft zwischen Wohlstandsregionen auf der einen und Armutsregionen auf der anderen Seite wächst stetig und deutlich, und der Graben verläuft längst nicht mehr nur zwischen Ost und West“, meinte der Hauptgeschäftsführer des paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider. Nach seiner Einschätzung ist Deutschland bei der Armut mittlerweile viergeteilt. Während in den Südländern Bayern und Baden-Württemberg nur etwa jeder achte Bürger unterhalb der Armutsgrenze lebt, ist es in Nordrhein-Westfalen und den neuen Ländern etwa jeder Fünfte. Als besondere Problemregion in NRW gilt das Ruhrgebiet. In dem mit 5,8 Millionen Einwohnern größten Ballungsraum Deutschlands liegt die Armutsquote bei 21,1 Prozent. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Bremen mit einer Armutsquote von 22,7 Prozent.

Wer sind die größten Risikogruppen?

Ein erhöhtes Armutsrisiko haben – wenig überraschend – Arbeitslose, Kinder und junge Erwachsene sowie Frauen, Ein-Personen-Haushalte und Familien mit drei und mehr Kindern. Laut Bericht sind auch Rentner immer stärker betroffen. In den letzten zehn Jahren sei die Armut von Senioren um 33 Prozent gestiegen und damit so stark wie in keiner anderen Bevölkerungsgruppe, heißt es im neuen Armutsbericht weiter.

Wie sind die Reaktionen?

Nach Einschätzung von SPD-Fraktionsvizechefin Katja Mast ist ein Bündel von Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut in Deutschland erforderlich. „Mit der Grundrente, der Kindergrundsicherung und einem perspektivischen Mindestlohn von zwölf Euro sind Schritte beschrieben, die ganz konkret helfen, sie zu überwinden“, erklärte Mast. Derweil forderte der paritätische Gesamtverband einen „Masterplan“, der auch eine deutliche Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes vorsieht.