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Olaf Scholz und Armin Laschet melden ihren Anspruch auf das Kanzleramt

Olaf Scholz und Armin Laschet melden Anspruch auf Kanzleramt : Elefantenrunde nach der Wahl: Zwei Köche, zwei Kellner und eine offene Frage

Wer kann die nächste Bundesregierung führen? Eine Rechnung mit Unbekannten. In der Elefantenrunde halten sich die Kandidaten von SPD und Union, Olaf Scholz und Armin Laschet, alle Optionen offen.

Wenn sie doch schon Klarheit hätten. Eigentlich ist jetzt „Tatort“-Zeit. Doch an diesem Sonntagabend ermittelt das Land in einem ganz besonderen Fall: Wer wird nächster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland? Und welche Regierung kann unter Beteiligung welcher Parteien gebildet werden? 20.15 Uhr. Seit gut zwei Stunden sind die Wahllokale geschlossen. Es ist angerichtet. Aber nicht für Königsberger Klopse, das Lieblingsessen von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, auch nicht für Rheinischen Sauerbraten, die Leibspeise von Unions-Bewerber Armin Laschet. Sondern es geht in diesen 60 Minuten um die Rezeptur einer nächsten Bundesregierung. Scholz und Laschet sind wie auch Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und die Spitzenkandidaten der anderen im Bundestag vertretenen Parteien in der sogenannten „Elefanten-Runde“ von ARD und ZDF. Wer mit wem und zu welchen Bedingungen? Sie beäugen sich, sie belauern sich, sie versuchen, Gefühle von Enttäuschung oder auch erster Euphorie zu unterdrücken. An einem Wahlabend wie diesem sind die ersten Hochrechnungen noch ein Trend. „Wer wählt, lebt die Demokratie“, hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner eigenen Stimmabgabe noch am Morgen gesagt.

Okay, aber dann sitzt Scholz da, und erhebt seinen Anspruch auf das Kanzleramt. „Das Votum der Bürgerinnen und Bürger ist sehr eindeutig. Das ist ein ermutigendes Ergebnis und ein sehr klarer Auftrag“, betont Scholz. Wen er zuerst anruft? „Ich ja schon häufig gesagt, dass ich finde, dass es große Schnittmengen gibt hier“, sagt der SPD-Kandidat. Hier? Der SPD-Kandidat verweist mit einer Handbewegung auf Annalena Baerbock, ohne deren Namen zu nennen.Baerbock rümpft die Nase.

Auch Laschet bekräftigt, dass er die nächste Bundesregierung führen möchte. In der Union heißt das Zauberwort jetzt: „Zukunftskoalition“.  Laschet sagt über das eigene Ergebnis: „Das ist ein Verlust an Stimmen, der nicht schön ist.“ Ob die Union letztlich doch auf den falschen Kanzlerkandidaten gesetzt habe? CSU-Chef Markus Söder sagt dazu nur: „Schnee von gestern“. Man habe einen „tollen Schlussspurt hingelegt“. Klar sei, dass die Wählerinnen und Wähler gezeigt hätten, dass sie Rot-Rot-Grün in Deutschland nicht. Letztlich sei dies sogar ein Misstrauensvotum gegen SPD-Kandidat Scholz.

Laschet wiederum sieht seine Chance auf das Kanzleramt, jedenfalls formuliert er sie. Wer Bundeskanzler in Deutschland werden wolle, der müsse es schaffen, unterschiedliche Fraktionen des Bundestages zusammenzubringen und am Ende eine Mehrheit zu haben. Damit schildere er lediglich die Verfassungslage. Er wünsche sich jedenfalls eine Regierung, „wo auch jeder Partner vorkommt“, reicht Laschet den Grünen wie der FDP quasi die Einladungskarte. Es sind jetzt gewissermaßen zwei Köche, zwei Kellner und mindestens eine offene Frage.

Doch sowohl Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock wie auch FDP-Chef Christian Lindner wollen nicht sofort zugreifen. Vielleicht würden auch Grüne und FDP „zuerst miteinander sprechen“, greift Lindner mit Blick auf das eigene Ergebnis wie auch auf den dritten Platz der Grünen zu einer Finte. Dass „da einer ist, der alle anruft“, diese Logik ziehe bei einem Wahlergebnis nicht mehr, bei dem 75 Prozent der Deutschen „die Partei eines nächsten Kanzlers nicht gewählt haben“. Lindner baut schon mal die Brücke zu Baerbock: „Man muss das Wahlergebnis der Grünen zur Kenntnis nehmen.“ Klimaschutz werde ein wichtiges Thema einer nächsten Regierung.

Linke-Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow muss an diesem Abend weiter um den Einzug ihrer Partei in den Bundestag bangen. Die Linke habe in den vergangenen Jahren „viele Fehler gemacht“, nicht erst in den vergangenen Wochen. Jetzt müsse die Linke „die nächsten vier Jahre nutzen, um uns weiterzuentwickeln und stärker zurückzukommen“.

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel lebt mit dem Alleinstellungsmerkmal, dass niemand in der Elefantenrunde mit ihr eine Regierung bilden wolle. Weidel gibt sich zufrieden, obwohl die AfD nicht mehr stärkste Oppositionsfraktion ist. Wieder ein zweistelliges Ergebnis. Man habe eine stabile Basis bei den eigenen Stammwählern. Das Resultat von 2017 sei „eben keine Eintagsfliege“ gewesen.

SPD-Kanzlerkandidat Scholz ist noch einmal gefragt. Es geht tatsächlich ums Essen. Ob er in einer künftigen Koalition ein schwacher Koch mit zwei starken Kellnern sei?, wird er gefragt. Scholz gefällt dieses Bild nicht. Ihm schwebe eine Koalition „auf Augenhöhe“ vor. Im Übrigen habe er bei der gegenwärtigen großen Koalition manchmal den Eindruck gehabt, als handele es sich schon um eine Drei-Parteien-Koalition“, wie sie vermutlich jetzt gebildet werden müsse. CSU-Chef Söder grätscht bei der GroKo dazwischen. Drei Parteien? „Das ist es ja auch.“ Scholz nimmt den Ball dankbar an: „Insofern habe ich schon ein bisschen Übung.“ Ob Angela Merkel die nächste Neujahrsansprache noch einmal halten muss? Sie wollten Tempo machen bei den Koalitionsverhandlungen, versprechen Scholz wie Laschet. Großes Kanzlerkandidaten-Ehrenwort.