Offene Kritik an „Fox News“: US-Präsident Trump sucht neuen Hof-Sender

US-Präsident übt offen Kritik an „Fox News“-Kanal : Trump sucht einen neuen Hof-Sender

Seine offene Kritik am einflussreichen „Fox-News“-Kanal signalisiert einen Umbruch. Moderatoren wollen nicht länger die Vasallen des Präsidenten sein.

Als am 7. Oktober 1996 in einem Sendestudio in Manhattan die Champagnerkorken knallten, hatte Amerikas Fernsehwelt ein Novum erlebt. Erstmals wurde hier – bezahlt vom in Australien geborenen Milliardär Rupert Murdoch und gesteuert vom mittlerweile verstorbenen Republikaner-Berater Roger Ailes – mit „Fox News“ ein Nachrichten-Kanal ins Leben gerufen, der nach dem Willen der Gründer nur ein Ziel hatte: das als vernachlässigt geltende konservative Fernsehpublikum hinter sich zu vereinen – und gleichzeitig mit allen Mitteln den ungeliebten US-Demokraten ins Handwerk zu pfuschen. So agierte „Fox News“, das in fast 100 Millionen Haushalten empfangen wird, dann auch als Steigbügelhalter für George W. Bushs und Donald Trumps Präsidentschaft. Und Trump, so berichteten Insider immer wieder aus dem Weißen Haus, habe sogar seine Politik nach bestimmten Lieblings-Moderatoren des Senders ausgerichtet, der sich auch als Gegengewicht zu dem offen mit Amerikas Liberalen sympathisierenden Hauptkonkurrenten CNN versteht.

Doch was nun am Mittwoch Donald Trump per Twitter in die Welt setzte, signalisiert eine deutliche Zäsur im Verhältnis zu seinem bisherigen Hof-Sender – und steht auch für eine Abkehr eines Teils der „Fox-News“-Belegschaft von der bisherigen Vasallentreue zum Präsidenten. „Wir müssen uns nach einem neuen Nachrichtenkanal umsehen. Fox funktioniert nicht mehr für uns“, lautete eine der Botschaften Trumps. In einer anderen kritisierte er, dass Fox den Demokraten zu viel Fernseh-Präsenz einräume – ein Vorwurf, den er schon seit Monaten erhoben hatte. Das galt auch für das Vorgehen des Senders, Präsidentschaftskandidaten der Demokraten ausführlich Zeit bei Bürgerversammungen einzuräumen. Und auch an Beliebtheits-Umfragen von „Fox News“ kann Trump, einst eng mit Fox-Gründer Aisles befreundet, nichts Gutes mehr abgewinnen. Er wirft dem Sender heute Manipulation vor, indem er konstatiert: Bei „Fox News“ erhalte er immer die schlechtesten Umfragenwerte.

Nur wenige Fox-Moderatoren – wie der wegen vermeintlich rassistischer Aussagen in der Kritik stehende Tucker Carlson – stärken derzeit Trump noch den Rücken. Vorbei die Zeiten, in denen der Präsident bei Live-Sendungen plötzlich anrief und dann ausgiebig Gelegenheit bekam, seine politischen Positionen darzustellen. Nun entgleitet also 15 Monate vor den nächsten Wahlen Trump eines seiner wichtigsten PR-Instrumente. „Fox News ist nicht dazu da, für Sie zu arbeiten“, twitterte der prominente Moderator und Analyst Brit Hume jetzt in Richtung Weißes Haus als ultimative Ohrfeige. Eine Neuorientierung in Richtung eines einschaltquotenstarken Kanals, der wie „Fox News“ dann gewillt sein könnte, das Prinzip einer unparteiischen Berichterstattung an die Seite zu schieben, erscheint für Trump jedoch unmöglich. Die anderen führenden Nachrichtenkanäle wie CNN oder MSNBC haben sich längst ungeniert als Anti-Trump-Verkündungsorgane positioniert und damit den Erdrutsch in ihren Einschaltquoten vorerst stoppen können. Der Präsident sieht sie aufgrund ihrer Opposition deshalb als Musterbeispiele für eine „Fake-News“-Berichterstattung. Nun könnte „Fox News“ auf dem besten Weg sein, bald auch dieses zweifelhafte Prädikat vom einst größten Fan zu erhalten.

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