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Neue Lungenkrankheit breitet sich von China aus: Angst vor Pandemie

Neue Lungenkrankheit breitet sich von China auf andere Länder aus : Die Angst vor einer Pandemie geht um

Eine neue Lungenkrankheit breitet sich von China auf andere Länder aus. Die Homburger Virologin Sigrun Smola warnt vor Panikmache.

Erst waren es nur Einzelfälle, inzwischen steigt die Zahl gemeldeter Nachweise von Tag zu Tag deutlich: Ein neuartiges Virus, das eine Lungenkrankheit auslöst, greift in China um sich und hat bereits sechs Menschen das Leben gekostet. Auch aus immer mehr anderen Ländern werden Infektionen gemeldet. Droht der Welt eine neue Pandemie? Die Homburger Virologin Professor Sigrun Smola hält es für verfrüht, darüber zu spekulieren, und warnt vor Panikmache.„Das Virus ist derzeit nur schwer von Mensch zu Mensch übertragbar. Das gibt uns Hoffnung“, sagt die Leiterin der Virologie am Universitätsklinikum des Saarlandes.

Die Zahl bestätigter Infektionen stieg derweil am Dienstag auf rund 300. Anfangs war nur die zentralchinesische Elf-Millionen-Metropole Wuhan betroffen, inzwischen werden von den chinesischen Behörden auch Fälle an anderen Orten sowohl im Norden als auch im Süden Chinas gemeldet.

Unklar ist derzeit die mögliche Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen. Angaben aus China gibt es dazu nicht. Experten des Imperial College London gehen davon aus, dass die neue Krankheit schon wesentlich weiter verbreitet ist als bisher bekannt. Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1700 Infizierte geben. „Solche Schätzungen sind immer mit großen Unsicherheiten behaftet“, sagt der Berliner Virusforscher Christian Drosten dazu. „Im Kern glaube ich aber an diese Zahlen.“

Bestätigte Infektionen wurden bis Dienstag auch aus Taiwan, Thailand, Japan und Südkorea gemeldet. Alle Betroffenen waren zuvor in Wuhan, haben sich also sehr wahrscheinlich in China angesteckt. Zudem gibt es in mehreren Ländern Verdachtsfälle, etwa auf den Philippinen. In Europa wurden bisher keine von Reisenden eingeschleppten Fälle bekannt. Immer mehr Länder weltweit führen vorsorglich spezielle Kontrollen an Flughäfen für aus China einreisende Menschen ein. Auch Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main hat den Angaben zufolge bereits entsprechende Pläne in der Schublade. Und der Saarbrücker Flughafensprecher Ludwin Vogel betont: „Wir sind für solche Fälle immer gewappnet.“

Das neue Coronavirus trifft China mitten in der jährlichen Hauptreisezeit. Nicht nur, dass in diesen Tagen hunderte Millionen Chinesen im Land unterwegs sind, um pünktlich zum Neujahrsfest am Freitag bei ihren Familien zu sein. In der zweiwöchigen Ferienzeit rund um das Fest unternehmen viele Familien auch gemeinsame Reisen ins Ausland. Beliebt sind dabei neben Zielen in Südostasien auch Reisen nach Europa oder in die USA.

Das zuständige Robert Koch-Institut in Berlin stuft das Risiko, dass sich das Virus in Deutschland ausbreitet, derzeit jedoch als „sehr gering“ ein. Diese Einschätzung könne sich aufgrund neuer Erkenntnisse aber kurzfristig ändern. „Wir müssen uns in Deutschland darauf vorbereiten, dass es zumindest in Einzelfällen auch zu Einschleppungen der Erkrankung kommt“, sagt der Virusforscher Christian Drosten. „Kliniken müssen dann darauf vorbereitet sein, die Patienten zu isolieren.“

Eine sichere Vorhersage lasse sich derzeit nicht machen, so Drosten. „Es kann einerseits sein, dass wir es mit einem schweren und auffälligen Krankheitsbild zu tun haben – dann ist es gut eindämmbar, weil erkennbar.“ Wenn es aber in den meisten Fällen um eine harmlose Erkrankung gehe, ähnlich wie bei einer Erkältung, werde man die Infektionswelle nicht so leicht eindämmen können, weil Ansteckungen kaum auffielen. „Dann ist es aber auch weniger gefährlich.“

Nach Einschätzung der Homburger Virologin Sigrun Smola ist das Virus „wahrscheinlich deutlich milder als das verwandte Sars-Coronavirus. Es kann sich aber weiterentwickeln.“ Trotzdem rät sie von überstürzten Reaktionen ab. „Man sollte keine Panik schüren: Wir sind gut vorbereitet“, sagt Smola. „Die Krankheit wird von den Behörden sehr realistisch eingeschätzt.“ Auch die chinesischen Behörden hätten dieses Mal relativ schnell reagiert. „Es hat sich sehr viel getan seit den letzten Vorfällen“, sagt die Homburger Virologin. Ein Sars-Virus hatte von China ausgehend in den Jahren 2002 und 2003 eine weltweite Pandemie mit 8000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben. Damals hatte China nur schleppend Informationen über die Krankheit an andere Staaten weitergegeben. Wie seinerzeit soll sich das Virus auch jetzt auf einem Markt, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden, von Tieren auf Menschen übertragen haben.