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Nach Wahldebakel im Osten: Linke zwischen Schock und Neuaufstellung

Wie die Linke ihr Wahldebakel im Osten verarbeitet : Linke zwischen Schock und Neuaufstellung

Der Schock über ihr Wahldebakel in Sachsen und Brandenburg sitzt tief bei den Linken. Von einer „Neuaufstellung“ war am Tag danach die Rede. Doch was das heißt, weiß noch keiner.

Schon am Wahlabend hatte sich das Spitzenpersonal der Partei mit drastischen Einschätzungen über die Niederlagen in ihren ostdeutschen Hochburgen geradezu überboten. Von einem „beispiellosen Desaster“ sprach Fraktionschef Dietmar Bartsch, von einer „Katastrophe“ der sächsische Spitzenkandidat Rico Gebhardt. Eine Blitzanalyse der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung lieferte gestern dazu alarmierende Zahlen: Trotz deutlich gestiegener Wahlbeteiligung in beiden Bundesländern büßte die Linke demnach rund 135 000  Zweitstimmen ein. Und zwar in alle Richtungen. In Brandenburg vor allem an die SPD, in Sachsen aber auch sehr stark an die AfD. Dort gaben 29 000 vormalige Linkswähler den Rechtspopulisten ihre Stimme. In Brandenburg waren es 13 000. Am Ende erreichte die Linke jeweils nur noch knapp elf Prozent, was nahezu eine Halbierung ihres Wähleranteils im Vergleich zu den Wahlen vor fünf Jahren bedeutete. Bartsch erklärte sich das damit, dass seine Partei „nicht mehr als die Interessenvertretung im Osten wahrgenommen“ werde. Und das wiederum habe mit den Regierungsbeteiligungen in drei von sechs ostdeutschen Bundesländern zu tun, so Bartsch.

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Denn in Brandenburg, wo die Linke schon beinah traditionell mit am Kabinettstisch sitzt, waren die Einbrüche genauso stark wie in Sachsen, wo die Partei seit 1990 ununterbrochen in der Opposition ist.

Mindestens bis Ende Oktober dürften die Parteispitzen den Ball flach halten. Dann wird in Thüringen gewählt. Und dort hat die Linke mit ihrem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow viel zu verlieren. Falls auch er scheitert, steht der Partei noch ein heißer Herbst bevor.