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Montgomery warnt vor kritischer Marke

ab 20 000 Neuinfektionen : Montgomerys Lockdown-Marke

Der Weltärztepräsident bringt die 20 000-Fälle-Schwelle ins Spiel – und erntet Skepsis.

Nach den jüngsten Anstiegen bei den Corona-Neuinfektionen in Deutschland nimmt die Debatte um Maßnahmen und Konsequenzen Fahrt auf. Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery schlug einen Lockdown in Deutschland ab der Schwelle von 20 000 Neuinfektionen pro Tag vor. Der frühere Präsident der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund stieß damit indes auf Skepsis.

Montgomery sagte der Rheinischen Post, bei 20 000 Neuinfektionen täglich „gerät die Lage außer Kontrolle“. Dann wäre es für Gesundheitsämter nicht mehr möglich, die Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. „Dann droht uns ein zweiter Lockdown, weil sich das Virus anders nicht mehr bremsen lässt.“

Die Sache müsse lokal und regional betrachtet werden, sagte dazu Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Kontaktnachverfolgung sei oberhalb einer gewissen Inzidenz nicht mehr machbar. Dies sei wichtiger als die Nennung einer Zahl für ganz Deutschland. Ähnlich reagierte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Schon jetzt sollte es nach Worten Montgomerys lokale Lockdowns nach dem Vorbild von Berchtesgaden geben. „Bei lokalen Ausbrüchen müssen wir konsequent reagieren“, sagte er. Zudem mahnte er eine Ausweitung der Maskenpflicht an: „Eine bundesweite Maskenpflicht für alle Schulen, etwa ab Klasse drei, kann helfen, Schulschließungen zu verhindern“, sagte Montgomery.

Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Freitag mindestens 11 242 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Die Zahl ist vergleichbar mit dem Rekordwert von 11 287 Fällen vom Vortag. Wegen einer technischen Störung am RKI am Donnerstag kann die aktuelle Gesamtzahl indes noch höher liegen.

Für Wirbel sorgte unterdessen auch die Aussage des Bundesärztekammer-Präsidenten Klaus Reinhardt, das Tragen vom Alltagsmasken etwa auf Marktplätzen sei „Unsinn“. Dazu sagte die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, am Freitag dem NDR: „Sowohl Alltagsmasken als auch chirurgische Masken schützen jeden selbst und auch andere“, die Regeln dazu seien wichtig.

In einer Erklärung vom Freitag ruderte Reinhardt zurück. Er und die Chefs der Landesärztekammern bekannten sich darin klar zum Maskentagen. „Die aktuelle Evidenz aus vielfältigen Studien spricht für einen Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes“, hieß es in dem Papier. „Weder die Maßnahmen gegen die Pandemie noch die Pandemie selbst sollten bagatellisiert werden.“ Selbst wenn die statistische Gesamtsterblichkeitsrate vermutlich unter einem Prozent liege, seien die negativen Folgen der Corona-Pandemie gravierend.