Merkel wirbt für CO2-Preis fürs Klima: Keine Einnahmen für den Staat

Klimaschutz-Debatte : Wie Deutschland CO2 einsparen soll

Klimaschutz-Demonstranten feiern in Berlin ihr Vorbild Greta Thunberg. Ein paar Hundert Meter weiter wirbt Bundeskanzlerin Angela Merkel für CO2-Preise.

Im Streit über mehr Klimaschutz wirbt Kanzlerin Angela Merkel dafür, den Treibhausgas-Ausstoß im Verkehr und beim Heizen teurer zu machen. Das sei der effizienteste Weg zum Erreichen der Klimaziele, sagte die CDU-Politikerin am Freitag in Berlin. Wichtig sei aber, auf sozialen Ausgleich zu achten: „Wir wollen nicht mehr Geld einnehmen als Staat, sondern wir wollen einfach die Anreize anders setzen.“ Zeitgleich machte Klima-Aktivistin Greta Thunberg jungen Demonstranten in Berlin Mut: „Wir werden nie aufhören“, sagte die 16-Jährige, die das Gesicht der Bewegung Fridays for Future ist.

Am 20. September soll das Klimakabinett der Bundesregierung ein umfassendes Paket verabschieden, um Deutschland beim CO2-Sparen wieder auf Kurs zu bringen. Es geht dabei um Förderprogramme, neue Vorgaben und einen CO2-Preis, der Kraft- und Heizstoffe aus Öl und Erdgas teurer machen soll. Grundsätzlich liegen zwei Modelle auf dem Tisch: ein Steueraufschlag, den Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vorschlägt, oder ein Handel mit Zertifikaten. Bürger könnten im Gegenzug über eine „Klimaprämie“ direkt entlastet werden, oder auch über sinkende Strompreise. „Wir müssen die Menschen mitnehmen“, sagte Merkel.

Bisher lehnt vor allem die CSU es strikt ab, an der Preisschraube zu drehen, und setzt stattdessen auf Steuererleichterungen und Anreize. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, „bei Steuererhöhungen an der Zapfsäule“ sei „erhöhte Skepsis angebracht“, weil diese ländliche Räume und Familien besonders belasteten. Merkel argumentierte, es sei falsch, dass CO2-Bepreisung und Innovationen oft gegeneinander gestellt würden: „Das Gegenteil ist der Fall.“ Ein Preis für den CO2-Ausstoß reize Innovationen an.

Am Vorabend hatte das Klimakabinett zum dritten Mal getagt, die Minister waren aber ohne Entscheidungen auseinandergegangen. Streit gibt es nicht nur um den CO2-Preis, sondern auch um neue Förderprogramme etwa für Elektroautos oder den Umstieg auf die Bahn.

Hintergrund ist, dass Deutschland im Klimaschutz eigenen und internationalen Zielen hinterherhängt. Merkel räumte ein, dass das Ziel für 2020 – nämlich 40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 – nicht erreichen werde. Um so wichtiger sei es, das für 2030 zu erreichen, 55 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen. Sie erinnerte aber auch daran, dass bereits jetzt in der EU jährliche Budgets für den CO2-Ausstoß in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft gelten. Auch die reißt Deutschland derzeit, das könnte die Steuerzahler jährlich bald viele Millionen Euro an Strafzahlungen kosten.

Zusätzlich Druck bekommt die Politik durch die Bewegung Fridays for Future – den Schülern und Studenten haben sich inzwischen auch Eltern, Großeltern, Wissenschaftler und Unternehmer angeschlossen. Es gebe ihr Hoffnung, dass so viele Menschen für das Klima auf die Straße gingen, sagte Greta Thunberg in Berlin. „Diese Bewegung in Deutschland hat wirklich Geschichte geschrieben.“ Laut Organisatoren zog es zwischen 3000 und 4000 Teilnehmer an dem Sommerferien-Tag zu der Kundgebung, die Polizei nannte keine Zahl.

Kurz vor Merkels Sommer-Pressekonferenz stellte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer den Vorschlag eines nationalen Handels mit Zertifikaten für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) in den Vordergrund. Man werde klären, „wie zum Beispiel ein „CO2-Deckel“ mit verbindlichem Klimaschutzpfad in Form eines nationalen Zertifikatehandels insbesondere in den Bereichen Verkehr und Gebäude zeitnah umgesetzt werden könnte“, teilte sie mit.

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