Mehr Service für Radler

Nur heiße Luft? Oder doch sehr sinnvoll? Fahrradfahrer in Deutschland dürften jetzt hellhörig werden: Politiker machen sich für öffentlich zugängliche Luftpumpen stark. Was in anderen Ländern an Service für Radler schon gang und gäbe ist, soll auch hierzulande Einzug halten. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) ist begeistert.

Luftpumpen für alle. Abwegig ist diese Idee nicht. Angesichts einer wachsenden Zahl von Fahrradfahrern bieten deutsche Städte vereinzelt dieses Angebot bereits an - so kann man in Kiel an zwei öffentlichen Pumpen seinen platten Reifen auffüllen, auch in Münster ist das möglich. Nachahmenswert aus Sicht des ADFC ist das Beispiel Dänemark. So finden sich in Kopenhagen schon lange öffentliche Lufttankstellen. Malmö sei zudem ein "tolles Beispiel für eine gelungene städtische Fahrradkultur", so ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Dort gebe es unter anderem Service-Inseln überall in der Stadt. "Auf diesen Inseln finden Radfahrer alles, was sie unterwegs brauchen: Luftpumpe, Werkzeug und eine Fahrradkarte."

Und in Deutschland? Hier lässt die Fahrradfreundlichkeit vielfach zu wünschen übrig, obwohl - oder gerade weil - einige Kommunen inzwischen einen Anteil der Radfahrer am Verkehrsaufkommen von 20 Prozent verzeichnen. Der Berichterstatter für Fahrradverkehr der Unions-Fraktion, Gero Storjohann (CDU), wirbt schon lange für eine stärkere Förderung des Radverkehrs. Neben dem Ausbau des Radwegenetzes sind aus seiner Sicht auch viele kleine Maßnahmen notwendig, um den Drahtesel attraktiver zu machen. Neue Radstellplätze mit Luftpumpen an öffentlichen Gebäuden gehören dazu. Die Idee unterbreitete er kürzlich dem Verkehrsministerium.

Außerdem schrieb er vor geraumer Zeit einen Brief an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), damit eine Luftpumpe im öffentlichen Bereich des Bundestages installiert wird. Wenn der Bundestag dem nachkomme, werde auch ein Bewusstsein für die Nöte von Fahrradfahrern geschaffen. Viele Pumpen würden ja geklaut. Damit zeige das Parlament aber: "Wir tun etwas fürs Fahrradfahren", so Storjohann. Er hoffe dadurch zugleich auf ein Signal an Kommunen und Behörden. SPD-Experte Stefan Zierke ergänzt: "Wie es für Autofahrer normal ist, dass an allen Tankstellen Druckluftmessgeräte zur Verfügung stehen, wäre es schön, wenn dies irgendwann auch für Fahrradfahrer Realität ist." Allerdings müsse genau abgewogen werden, "in welchen Teile der Stadt es mehr oder weniger sinnvoll ist, separate Fahrradpumpen zu installieren". Experten schätzen, dass die Kosten pro Lufttankstelle bei 3000 Euro liegen können.

Auch die Grünen finden die Pumpen für alle gut. Matthias Gastel, zuständig für Fahrradpolitik, sagt: "Allgemein zugängliche Radpumpen an öffentlichen Gebäuden tragen zu besseren Fahrradbedingungen in Deutschland bei." Nur dürfe nicht vergessen werden, dass es angesichts hoher Radunfallzahlen und Rekorde bei gestohlenen Rädern "dringlichere Aufgaben gibt".