Mauer-Gedenken im Zeichen neuer Zeiten: Das Fest-Programm bis Samstag

Festprogramm zum Mauerfall : Mauer-Gedenken im Zeichen neuer Zeiten

An den 9. November 1989 erinnert Berlin mit vollem Programm. Innovation spielt dabei eine Rolle – und ein verändertes politisches Klima.

28 Jahre lang teilte sie die Stadt, vor 30 Jahren fiel sie. Doch an vielen Stellen der heutigen Hauptstadt sind kaum noch Spuren der Berliner Mauer zu erkennen. Teils markiert ein schnell zu übersehender Streifen aus Pflastersteinen den ehemaligen Verlauf, teils erinnert nichts mehr an das einstige Symbol der deutschen Teilung. Derweil halten historisch bedeutende Orte wie der Checkpoint Charlie oder die Bernauer Straße die Erinnerung wach und sind Brennpunkte für Touristen. Um noch mehr Spurensuche zu ermöglichen, kommt im Gedenkjahr an die historische Wende moderne Technik zum Einsatz. Digitale Realität eröffnet Berlin-Besuchern neue Möglichkeiten, auf Zeitreise zu gehen.

Während am Checkpoint Charlie Besucher mit Hilfe von Virtual-Reality-Brillen in die Geschichte eintauchen können, gehört die App „MauAR“ des Berliner Entwicklers Peter Kolski zum offiziellen Programm für den 30. Jahrestag des Mauerfalls, den die Hauptstadt in dieser Woche feierlich begeht. Unter dem Motto „7 Tage – 7 Orte“ sind bis Samstag, 9. November, an verschiedenen Berliner Orten der friedlichen Revolution Lesungen, Installationen, Zeitzeugen-Gespräche, Info-Pavillons, Filme und Ausstellungen geplant. Mehr als 200 Veranstaltungen soll es geben, die 30 Jahre Mauerfall beleuchten.

Der Kultursenator der rot-rot-grünen Landesregierung, Klaus Lederer (Linke), hatte das dezentrale Konzept damit begründet, dass sich die Lage in Deutschland verändert habe. Aus einstiger Aufbruchstimmung sei Nachdenklichkeit und Sorge um den Erhalt der Demokratie geworden. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls stiegen noch leuchtende Ballons entlang der früheren Grenze in einer spektakulären Aktion in den Nachthimmel auf, auch frühere Jubiläen wirkten euphorischer. Trotz mehr Nachdenklichkeit; auch diesmal steht ein rauschender Höhepunkt im Programm. Finale der Festwoche ist am Samstagabend eine große Bühnenshow am Brandenburger Tor. Dort wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen. Die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim spielt Beethovens 5. Sinfonie.

Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden bereits morgens an der zentralen Gedenkveranstaltung in der Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße erwartet. Mit Kerzen soll der Mut der DDR-Opposition gewürdigt werden.

Während der Festivalwoche führt eine „Route der Revolution“ Berliner und Besucher an historische Orte. Neben dem Alexanderplatz, wo am 4. November 1989 Hunderttausende Ostdeutsche für Meinungsfreiheit und Demokratie demonstrierten, geht es auch zum Brandenburger Tor, zur Gethsemanekirche und der früheren Stasi-Zentrale. Auch der Kurfürstendamm im früheren West-Berlin ist eine Station.

All die bedeutenden Gedenk­orte hat auch die Mauer-App im Programm. Die Smartphone-Anwendung nutzt Augmented Reality – erweiterte Realität –, um Nutzern die geschichtlichen Ereignisse näher zu bringen. Befindet sich der Nutzer in der Nähe des ehemaligen Mauerverlaufs, blendet die App über das Kamerabild des Smartphones ein, wie die Mauer damals an dem entsprechenden Ort ausgesehen hat. Über 160 Kilometer Mauerverlauf lassen sich so erkunden, erzählt wird die Geschichte über zwei fiktive Personen: Andreas aus Ost-Berlin und Johanna aus West-Berlin. Höhepunkt der Geschichte in der Apple-Anwendung ist der Mauerfall.

Nicht nur in Berlin wird an diesem 9. November der Wende gedacht. Auch die Bundesländer Hessen und Thüringen erinnern am Samstag an den historischen Tag. Dazu werden die Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und Bodo Ramelow (Linke) an der früheren innerdeutschen Grenze bei Großburschla in Thüringen und Heldra in Hessen erwartet. Motto des Festaktes: „30 Jahre Mauerfall – Wir leben Freiheit“.

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