Masterplan: Regierung will dichtes Netz an Ladestationen für E-Autos

Bundesregierung will dichtes Netz an Ladestationen : Schnelles Stromtanken soll bald im ganzen Land möglich sein

Es ist eine Schlüsselfrage für den Durchbruch der Elektromobilität: der Aufbau eines flächendeckenden und verbraucherfreundlichen Ladenetzes für E-Autos – dafür ist aber noch viel zu tun. Politik und Autoindustrie wollen nun Tempo machen.

Das Ziel: Autofahrer sollen E-Autos künftig in ganz Deutschland schnell aufladen können und nicht warten müssen. Bei einem Spitzentreffen am Montagabend im Kanzleramt geht es um einen „Masterplan Ladeinfrastruktur“ – und um die Zukunft von zigtausend Jobs in der für Deutschland immens wichtigen Autoindustrie.

Die Branche steckt in einem schwierigen Umbruch, der Erfolg der E-Mobilität ist für sie von entscheidender Bedeutung. „Damit Deutschland auch weiterhin führende Automobilnation bleibt, müssen Politik und Industrie Hand in Hand an der schnellen Verbreitung von Elektrofahrzeugen arbeiten“, heißt es im „Masterplan“, erarbeitet vor allem vom Verkehrsministerium.

Für den Hochlauf der E-Mobilität bedürfe es einer „angemessenen, verbraucherfreundlichen und verlässlichen Ladeinfrastruktur“, heißt es. Dies sei entscheidend für die Kaufentscheidung der Verbraucher. „Nur bei entsprechender Akzeptanz der Nutzer wird die Elektromobilität ein Erfolg.“

Derzeit gibt es rund 21 000 öffentlich zugängliche Ladepunkte – vor allem auf dem Land muss man derzeit aber oft lange suchen. Bei vielen Autofahrern gibt es eine „Reichweitenangst“ – dass sie mit einem E-Auto nicht an ihr Ziel kommen können, weil es nicht genügend Ladestationen gibt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte vor dem „Autogipfel“ die Bedeutung der Ladeinfrastruktur – „damit Menschen Vertrauen haben, sich ein E-Auto zu kaufen“, wie sie in ihrem am Sonntag veröffentlichten wöchentlichen Video-Podcast sagte. Bis 2030 sollten eine Million Ladepunkte geschaffen werden. Die Industrie werde sich daran beteiligen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte am Sonntag verbindliche Vereinbarungen und verlässliche Finanzierungszusagen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur: „Ich plädiere für ein klares Commitment für 100 000 öffentliche Ladepunkte bis spätestens 2021. Nur wenn es in absehbarer Zeit genügend Ladepunkte gibt, werden sich die Kunden für ein Elektrofahrzeug entscheiden.“

Notwendige Änderungen im Mietrecht und im Wohnungseigentumsrecht seien „überfällig“, sagte Weil. Die Bundesregierung will den Bau privater Ladestationen etwa in Tiefgaragen erleichtern – die Änderungen sollen nach derzeitigem Stand aber erst Ende 2020 in Kraft treten. Weil ist Mitglied im VW-Aufsichtsrat und wie andere Regierungschefs von „Autoländern“ beim Spitzentreffen dabei.

In den kommenden Jahren sind deutlich mehr Elektroautos notwendig, damit die Hersteller strengere Klimavorgaben der EU einhalten können. Die Elektromobilität spielt auch eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, mit dem Klimaziele 2030 vor allem im Verkehr erreicht werden sollen.

Dafür wird bis 2030 eine Zahl von sieben bis zehn Millionen E-Autos in Deutschland als notwendig angesehen – im August waren laut „Masterplan“ erst rund 220 000 Elektrofahrzeuge zugelassen. Die Hersteller investieren Milliarden in die Entwicklung von E-Autos und bringen in den kommenden Jahren zahlreiche Modelle auf den Markt – am heutigen Montag läuft im Werk Zwickau die Fertigung des ersten reinen Großserien-Elektroautos von VW an. Der ID.3 soll eine neu konzipierte Fahrzeugserie begründen, die auch das Massenpublikum anspricht.

Im „Masterplan“ werden konkrete Anforderungen definiert, damit die Ladeinfrastruktur benutzerfreundlich ist. Verbraucher sollen künftig eine Ladestation problemlos auffinden können und nicht „über Gebühr“ auf einen freien Ladepunkt warten müssen. Authentifizierung, Freischaltung, Bezahlung und Abrechnung sollen ohne Probleme erfolgen.

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