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Maßnahmen gegen die Corona-Krise: Deutschland macht zu

Corona-Krise : Deutschland macht zu

Die Corona-Krise zieht massive Kreise. Die Bundesländer schließen Schulen und andere Einrichtungen, die Bundesregierung bringt Hilfspakete auf den Weg. Und die Kanzlerin wählt klare Worte.

Die Kanzlerin spricht von einem unbekannten Gegner. Die Corona-Krise sei „einzigartig“, sagt Angela Merkel (CDU) am Freitagnachmittag in Berlin. „Hier haben wir es mit einem Gegner zu tun, wenn ich das so sagen darf, einem Virus, den wir nicht kennen, wo wir noch nicht wissen, wie wir ihn bekämpfen können, durch Impfungen oder durch Medikamente“. Im Kampf gegen die Krise sagt sie Unterstützung auf allen Ebenen zu, für die Wirtschaft, die Gesellschaft. „Wir sind gewillt, die Bundesregierung, aber auch die Bundesländer, der Deutsche Bundestag, alles zu tun, was notwendig ist, alles zu tun, was Deutschland braucht, damit wir durch diese Krise möglichst gut hindurchkommen.“ Es klingt wie die Zusammenfassung eines Tages wie unter dem Motto „Deutschland macht zu“.

Das öffentliche Leben wird in der Republik ab Montag weitgehend zum Erliegen kommen. Millionen Menschen müssen sich um die Betreuung ihrer Kinder kümmern, weil fast alle 16 Bundesländer ihre Schulen und Kitas schließen. Kulturelle Veranstaltungen werden abgesagt, vielerorts schließen Theater, Kinos, Museen, auch Restaurants und Discos stehen im Visier der Regierungen. Die Bundesliga unterbricht ihren Spielbetrieb nun doch schon ab diesem Wochenende. Damit das wirtschaftliche Leben durch die Krise nicht zu schwer getroffen wird, sagt die Bundesregierung Unternehmen umfassende Finanzhilfen zu.

Im gefühlten Minutentakt melden am Freitag die Bundesländer – den Anfang macht das Saarland vor Bayern –, Schulen und Kitas zu schließen. Die meisten Länder wollen die Einrichtungen ab Montag bis zum Ende der Osterferien geschlossen halten. Sachsen will am Montag zunächst die Schulpflicht aussetzen, Lehrer, Schüler und Eltern sollen so Zeit bekommen, sich auf Schulschließungen vorzubereiten. In Mecklenburg-Vorpommern schließen zunächst einige Schulen; das Kabinett will diesen Samstag entscheiden, ob flächendeckende Schließungen nötig sind. Brandenburg setzt den regulären Schulunterricht von Mittwoch an aus. Der Schulbesuch ist damit weiter möglich, aber nicht mehr verpflichtend. Teilweise bleiben Schulen aber für eine Notbetreuung geöffnet.

Weitere Corona-Maßnahmen tickern durch den Freitag, in kurzem Abstand. Maßnahmen zum Schutz älterer Menschen, für die ein besonderes Corona-Risiko gilt, ergreift Bayern, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verkündet. Der Freistaat untersagt Angehörigen weitgehend den Besuch von Alten- und Pflegeheimen. Auch Besuche in Kliniken werden stark eingeschränkt. Auch in Nordrhein-Westfalen dürfen Alten- und Pflegeheime grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Die Stadt Stuttgart macht einen radikalen Schnitt: Sie untersagt neben sämtlichen Veranstaltungen in Kultur, Sport und Freizeit auch den Betrieb von Clubs, Bars, Museen, Kinos und Bädern.

Die Corona-Krise trifft auch das religiöse Leben in Deutschland. Die christlichen Kirchen sagen vielerorts Gottesdienste ab, der Verzicht auf Kommunionfeiern und andere Veranstaltungen wird erklärt oder zumindest empfohlen. Der Zentralrat der Muslime appelliert an die Moscheegemeinden in Deutschland, die Freitagsgebete auszusetzen.

Mehr als 3300 Infektionen mit dem neuen Coronavirus und acht Tote in Deutschland – so lautet bis Freitagabend die Bilanz nach einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. In einer ähnlichen Erhebung vom Vortag hatte der Wert bei mehr als 2400 gelegen. Besonders stark betroffen sind Nordrhein-Westfalen mit mehr als 1200 Infizierten, Bayern und Baden-Württemberg mit jeweils mehr als 550 Fällen.

Die Bundesregierung reagiert auf die Krise, indem sie umfangreiche Staatshilfen für Unternehmen ankündigt (siehe Wirtschaft). Bundestag und Bundesrat bringen in einem beispiellosen Schnellverfahren Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld auf den Weg.

Zudem sei zur Eindämmung der Corona-Krise jeder Einzelne gefordert, erklärt die Kanzlerin wie schon einige Tage zuvor: „Und ich möchte das mit dem Wunsch verbinden, dass auch die Bürgerinnen und Bürger, so wie sie es zum Teil schon tun, Solidarität zeigen, indem sie Abstand zueinander halten“, sagt Merkel. „Eine scheinbar paradoxe Sache, die aber heute notwendig ist.“ Damit bringt sie ein weiteres gefühltes Motto der Krise – und des Tages – scheinbar auf den Punkt.