Linke kritisiert Bevorzugung von Privatpatienten bei Arztterminen

Lange Wartelisten vor allem bei Fachmedizinern : Linke kritisiert Bevorzugung von Privatpatienten bei Arztterminen

Rund zwei Drittel der Krankenversicherten in Deutschland bekamen 2019 innerhalb von drei Wochen einen Termin beim Haus- oder Facharzt, etwa ein Drittel davon sogar sofort oder innerhalb eines Tages. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Das Problem sind demnach allerdings nach wie vor die längeren Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt. Fast jeder dritte Versicherte (30 Prozent) kam im vergangenen Jahr erst nach mehr als drei Wochen bei einem Fachmediziner dran. Auf einen Termin beim Hausarzt mussten dagegen nur vier Prozent der Versicherten länger als drei Wochen warten. Für die Angaben hat das Bundesgesundheitsministerium eine aktuelle Befragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter rund 6000 gesetzlich und privat Versicherten ausgewertet. Demnach habe sich die Verteilung der Wartezeiten „in den letzten fünf Jahren nicht wesentlich geändert“, so die Einschätzung der Regierung.

Aus ihren Angaben geht auch hervor, dass Termine bei Psychotherapeuten offenbar besonders schwer zu bekommen sind. In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres wurden sie bei den Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen mit 37 Prozent am stärksten nachgefragt. Es folgten Nervenärzte (19 Prozent), Kardiologen (sechs Prozent) und Radiologen (fünf Prozent).

„Für viele Patienten sind lange Wartezeiten auf Facharzttermine seit langem die Normalität und gehen einher mit Frustration“, kritisierte die Sozialexpertin der Linken, Sabine Zimmermann. Alle bisherigen Maßnahmen wie etwa die Einrichtung und der Ausbau von Terminservicestellen gingen aber an den eigentlichen Problemen vorbei. So müsse vor allem „die Bevorzugung von Privatpatienten bei der Terminvergabe beendet werden“, forderte Zimmermann. Dazu verwies sie ebenfalls auf aktuelle Daten der KBV, wonach etwa jeder sechste gesetzlich Versicherte länger als drei Wochen auf einen Arzttermin warten müsse. Unter den Privatversicherten sei es nur jeder achte.