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„Landwirte sind Opfer, nicht Verursacher“

„Landwirte sind Opfer, nicht Verursacher“

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) beziffert die Flutschäden für die Landwirtschaft inzwischen auf 321 Millionen Euro. Die Verbraucher müssten sich aber keine Sorgen machen, so Aigner im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei Lebensmitteln werde es keine nennenswerten Engpässe geben.

Frau Ministerin, wie hoch sind mittlerweile die Schäden in der Landwirtschaft?
Ilse Aigner: Die Schäden sind immens. Bisher haben die Landwirtschaftsministerien der betroffenen Bundesländer Schäden in Höhe von rund 321 Millionen Euro gemeldet, mehr als 431.000 Hektar Land sind von Hochwasser und Starkregen betroffen. Aber das ist lediglich eine vorläufige Schätzung, am Ende dürfte die Gesamtsumme noch deutlich höher sein.

Was muss für den Wiederaufbau getan werden?

Ilse Aigner: Das Hochwasser hat die Landwirtschaft massiv getroffen. Schaden genommen haben Felder und Wälder, Höfe, Anlagen, Maschinen und Wirtschaftsgebäude, ganz Ernten sind zerstört. Viele Landwirte werden Futter zukaufen müssen, um ihre Tiere ernähren zu können. Gezielte Soforthilfen sind ein wichtiger erster Schritt - sie können verhindern, dass Existenzen verloren gehen. Die ersten Hilfen sind schon ausgezahlt. Gemeinsam mit den Ländern sind wir jetzt mit Hochdruck dabei, weitere Hilfen auf den Weg zu bringen.

Rechnen Sie mit steigenden Lebensmittelpreisen?
Ilse Aigner: Für Agrarprodukte wie Spargel, Erdbeeren und Frühkartoffeln war es kein guter Start ins Jahr - erst ein nasser und kalter Mai, dann noch Starkregen und Hochwasser. Auch andere EU-Staaten sind betroffen: Die Versorgung ist überall in Europa knapper als in den Vorjahren. Die Verbraucher in Deutschland müssen sich aber keine Sorgen machen, es wird keine nennenswerten Engpässe geben. Zwar ist das Preisniveau bei manchen Produkten höher als im Vorjahr, aber wie sich die Preise über das Jahr entwickeln werden, hängt von der weiteren Ernte ab. Für eine Ernte-Bilanz ist es noch zu früh.

Ihr Parteichef Horst Seehofer schlägt Enteignungen vor, etwa für den Bau von Rückhaltebecken an Flüssen. Was halten Sie davon?
Ilse Aigner: Ich kenne den Zusammenhang nicht, in dem diese Bemerkung stand. Aber wir sind uns einig: Enteignungen können nur das allerletzte Mittel sein, eine ultima ratio. Hochwasserschutz geht nur miteinander, nicht gegeneinander. Dessen sind sich auch unsere Bäuerinnen und Bauern bewusst. Sie haben selbst großes Interesse an wirksamen Schutzmaßnahmen. Ihre Felder, ihre Höfe und ihr Vieh sind vom Hochwasser schließlich genauso bedroht wie andere Betriebe oder Wohnhäuser. An vielen Orten haben Landwirte bewiesen, dass sie bereit sind, ihre Interessen zurückzustellen - zugunsten des Gemeinwohls, zugunsten des Hochwasserschutzes. Deshalb sind pauschale Schuldzuweisungen ungerecht. Die Landwirte sind Opfer der Flut, nicht Verursacher.

Durch die Flut sind nicht nur Menschen, sondern auch Tiere massiv betroffen. Wie fällt da ihre Schadensbilanz aus?
Ilse Aigner: Zum Glück konnten viele Tiere noch rechtzeitig gerettet werden. Aber in einzelnen Betrieben haben sich dramatische Szenen abgespielt. Es mussten Tiere von Amtsveterinären getötet werden, weil es in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich war, sie vor den nahenden Wassermassen zu retten. Das ist tragisch.