Kramp-Karrenbauer vor ihrer Rede auf dem JU-Deutschlandtag unter Druck

JU-Deutschlandtag in Saarbrücken : Kramp-Karrenbauer vor ihrer Rede auf dem Deutschlandtag unter Druck

Ausgerechnet in ihrer saarländischen Heimat läuft es derzeit nicht gut für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Dabei hat sie selbst noch gar nicht gesprochen auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU).

Ihr Auftritt in der Saarbrücker Congresshalle folgt erst am Sonntag. Doch in ihrer Abwesenheit ist bereits einiges passiert, was Kramp-Karrenbauer nicht gefallen dürfte: So plädierten die JU-Delegierten am Freitagabend mehrheitlich für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten der Union. Damit würde die CDU-Chefin ihr erstes Zugriffsrecht verlieren. Der JU-Antrag wird deshalb auch als Affront gegen Kramp-Karrenbauer verstanden.

Zudem wurden innerparteiliche Widersacher, die der CDU-Chefin die Kanzlerkandidatur streitig machen könnten, frenetisch gefeiert. Allen voran Friedrich Merz, der Kramp-Karrenbauer im vergangenen Jahr im Kampf um den CDU-Vorsitz nur knapp unterlag. Für ihn gab es nach dessen Rede am Freitagabend sogar minutenlange „Oh-wie-ist-das-schön“-Gesänge. JU-Delegierte aus Nordrhein-Westfalen hielten Schilder mit der Aufschrift „Mehr Sauerland für Deutschland“ in die Höhe. Merz stammt aus dem Sauerland. In seiner Rede spielte der ehemalige Fraktionschef der Union auf Patzer an, die der Parteichefin in den vergangenen Monaten unterlaufen waren: „Es war klar, dass Annegret Kramp-Karrenbauer als Parteivorsitzende auch Fehler macht“, sagte Merz. Freilich nicht ohne hinzuzufügen: „Ich hätte auch Fehler gemacht, vielleicht sogar noch schwerwiegendere.“ Jeder hätte die gemacht. Und: „Ich habe versprochen, Annegret Kramp-Karrenbauer zu helfen. Zu dieser Zusage stehe ich – uneingeschränkt.“

Foto: Gerrit Dauelsberg

Gesundheitsminister Jens Spahn, bislang immer der Liebling der JU, wurde am Samstagvormittag nicht ganz so frenetisch empfangen wie Merz. Beim Gang zum Rednerpult gab es aber auch stehenden Applaus. Auf der Bühne gab sich Spahn sehr sachpolitisch: „Die meisten Bürger interessiert es nicht, wenn wir über Personal und Verfahren reden“, mahnte er. Er warnte vor innerparteilichem Streit: „Der politische Gegner steht woanders und nicht in der eigenen Partei.“ Er warnte davor, das Land den „linken Ideologen zu überlassen“. Stattdessen müsse man aus einer „lebensklugen Mitte“ über die Zukunft entscheiden.

Eine deutlich kämpferischere Rede hielt am Samstagvormittag CSU-Chef Markus Söder. Er teilte vor allem gegen die AfD und die Grünen aus. Letzteren warf er vor, sich zurückzuentwickeln. „Die Grünen überdrehen und werden maßlos“, sagte Söder. In der Klimapolitik fehle ihnen die soziale Verantwortung. Der AfD warf er vor, dass ein Teil ihrer Funktionäre „zurück in die 30er Jahre“ wolle. Die Partei sei auf dem Weg, „die neue NPD in Deutschland zu werden“.

Medien hatten den Deutschlandtag als „Schaulaufen“ möglicher Kanzlerkandidaten der Union bezeichnet. Wirtschaftsminister Peter Altmaier nahm das bei seinem Heimspiel im Saarland mit Humor: Er sei ja offensichtlich der einzige der Redner an diesem Wochenende, der nicht Kanzlerkandidat der Bundesrepublik Deutschland werden möchte. „Danke dass ihr mich trotzdem eingeladen habt!“ sagte er in Richtung Junge Union.

Das „Schaulaufen“ der Unions-Spitzenpolitiker geht am Samstagnachmittag weiter: Nach CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak folgt mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ein weiterer CDU-Politiker, dem Ambitionen aufs Kanzleramt nachgesagt werden. Anschließend spricht der thüringische CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring. Morgen Vormittag folgt dann die mit Spannung erwartete Rede von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer, bevor der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), den Reigen der prominenten Gäste schließt.

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