Kommentar Europa: Der Wert des Kompromisses

Kommentar Europa : Der Wert des Kompromisses

Die Gewichte haben sich verschoben. Jene Selbstverständlichkeit, mit der das europäische Projekt über vier Jahrzehnte wie eine politische Wirklichkeit gelten durfte, sind dahin. Es gibt Zulauf bei jenen, die sich von nationalistischen und protektionistischen Parolen einfangen ließen.

Das heißt auch: Die politische Mitte, die bisher von jenen Volksparteien getragen wurde, die nun herbe Verluste erlitten, muss breiter werden, um unanfechtbar genug zu sein. Und sie sollte zeigen, dass man über die Wege für diese Gemeinschaft streiten kann, aber doch das gleiche Ziel verfolgt. Damit müssen Christ- und Sozialdemokraten, Grüne und Liberale vorleben, was sie in diesem Wahlkampf oft propagiert haben: den hohen Wert eines politischen Kompromisses. Gleichzeitig müssen die Staats- und Regierungschefs wissen, dass auch sie diese Wahl nicht auf null setzen können. Das Spitzenkandidaten-Modell mag einigen nicht schmecken. Aber es wäre demokratisch ein Sündenfall, wenn sie einen gewählten Kandidaten aus parteipolitischen Gründen abservieren. Den Wähler, der offenbar sein Interesse an dieser EU wiederentdeckt hat, darf man jetzt nicht vor den Kopf stoßen und sein Votum übergehen.

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