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Königspythons offenbar wegen Heizkosten ausgesetzt – Tierschützer schlagen Alarm

Inflation & Energiekrise : Königspythons offenbar wegen hoher Heizkosten ausgesetzt – Tierschutzbund schlägt Alarm

Steigende Kosten, überfüllte Tierheime und ausbleibende Spenden: Auch für den Tierschutz haben Inflation und Energiekrise dramatische Folgen. Der Deutsche Tierschutzbund schlägt Alarm.

Eine große Plastikbox steht morgens auf dem Parkplatz des Tierheims Süderstraße in Hamburg. Darauf ein Zettel mit der Aufschrift „Achtung: Schlange“. Denn in dem Behälter befinden sich vier Königspythons – alle zu verschenken, wie auf dem Zettel weiter geschrieben steht. Sie reihen sich ein in die wachsende Zahl der Exoten, die in den letzten Wochen vom Hamburger Tierschutzverein aufgenommen wurden. Doch sie dürften nicht die letzten abgegebenen Tiere sein, wie Tierschützer befürchten.

Wegen Inflation und Energiekrise: Tierschutzbund rechnet vermehrten mit Aussetzungen exotischer Tiere

Dass dies ein bundesweites Phänomen ist, zeigt ein weiterer Fall in Wernau bei Stuttgart. Dort kroch am Donnerstagnachmittag, 22. September, ein etwa anderthalb Meter langer Königspython durch einen Garten. Die Polizei fing die exotische Schlange ein und übergab sie der Tiernotrettung.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">❌🪱 <a href="https://twitter.com/hashtag/keinRegenwurm?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#keinRegenwurm</a> <br> <br>In <a href="https://twitter.com/hashtag/Wernau?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Wernau</a> kroch am Donnerstagnachmittag ein ca. anderthalb Meter langer <a href="https://twitter.com/hashtag/K%C3%B6nigspython?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Königspython</a> durch einen Garten. <br> <br>Die Kollegen fingen die <a href="https://twitter.com/hashtag/exotische?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#exotische</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Schlange?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Schlange</a> ein und übergaben sie der Tiernotrettung.<br> <br>Alle Infos: <a href="https://t.co/On9zKE5e7G">https://t.co/On9zKE5e7G</a> <a href="https://t.co/cN2V7YtCBg">pic.twitter.com/cN2V7YtCBg</a></p>&mdash; Polizei Reutlingen (@PolizeiRT) <a href="https://twitter.com/PolizeiRT/status/1573260951469674496?ref_src=twsrc%5Etfw">September 23, 2022</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Angesichts der hohen Energiepreise rechnet der Deutsche Tierschutzbund (DTSchB) mit vermehrten Aussetzungen von exotischen Tieren, da die Beheizung ihrer Anlagen viel Strom frisst. Die steigenden Haltungskosten stellen jedoch auch andere Haustierbesitzer vor große Herausforderungen: „Es ist davon auszugehen, dass mehr Menschen ihre Tiere abgeben müssen, wenn die Lebenshaltungskosten, die Energiekosten, die Kosten für Tierfutter und Tierarzt so immens ansteigen“, so eine Sprecherin des DTSchB.

Doch die Tierheime seien nach wie vor überfüllt mit „Corona-Tieren“. Viele Einrichtungen mussten sogar Aufnahmestopps verhängen, weil keine weiteren Tiere mehr untergebracht werden konnten, wie der DTSchB berichtet. Hinzu kommen nun die steigenden Kosten: „Die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen 550 Tierheime wissen nicht, wie sie die explodierenden Energie-, Futter- und Tierarztkosten sowie den künftigen Mindestlohn bezahlen sollen“, sagt eine Sprecherin des DTSchB unserer Redaktion. Zu allem Überfluss rechnet die Organisation mit einem Einbruch der Spenden. Schon jetzt berichteten einige Tierheime von rückläufigen Zuwendungen.

Karitative Tierschutz vor dem Aus?

Der karitative Tierschutz stehe vor dem Aus, wenn die Tierheime keine Unterstützung erhielten, prognostiziert der DTSchB. Die Organisation fordert unter anderem mehr Geld von den Kommunen, mit denen die Tierheime sogenannte „Fundtierverträge“ abgeschlossen haben. Darin ist die Betreuung und Verwahrung der Fundtiere – eine kommunale Pflichtaufgabe – geregelt. Die Kostenerstattung durch die Kommunen sei vielerorts aber defizitär, wie der DTSchB berichtet.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) bezeichnet die Zusammenarbeit hingegen als „gut und vertrauensvoll“. Verwaltung und Kommunalpolitik hätten meist ein offenes Ohr für die Belange der örtlichen Tierheime. Den Kommunen sei die angespannte wirtschaftliche Lage bestimmter Tierheime bewusst. Die Erstattungspflicht müsse laut DStGB jedoch auf eine angemessene Versorgung und artgerechte Unterbringung beschränkt bleiben. Ob weitere Unterstützungsmaßnahmen möglich seien, müsse letztlich vor Ort entschieden werden.

Bund plant „entscheidende Verbesserungen“ im Tierschutzgesetzt

Doch auch den Bund sehen die Tierschützer in der Pflicht: Neben einem „hinreichend ausgestatteten Sondertopf“ zur Entlastung der Tierheime könnten klare Regeln für Zucht, Haltung und Handel sowie ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren zu einem dauerhaften Schutz der Tiere beitragen, so der DTSchB.

„Wir haben im Koalitionsvertrag festgeschrieben, die Tierheime nicht allein zu lassen und ihre Finanzierung künftig auf eine solide Grundlage zu stellen“, betont die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Luiza Licina-Bode, mit Verweis auf die geplante Verbraucherstiftung. Darüber hinaus unterstütze die Regierung schon jetzt besonders belastete Einrichtungen mit fünf Millionen Euro.

Doch auch im Tierschutzgesetz seien „entscheidende Verbesserungen“ geplant, wie Licina-Bode unserer Redaktion berichtet: Neben einer konkreteren Definition von Qualzucht sollen unter anderem Teile des Tierschutzrechts in das Strafrecht überführt und Vergehen mit einer höheren Strafe geahndet werden. Beim Handel strebt die Regierung ein Verbot des anonymen Onlinehandels mit Heimtieren an.