Kirchenstreik von "Maria 2.0": Katholikinnen erheben ihre Stimme

Kirchenstreik : Katholikinnen erheben ihre Stimme

Sie wollen nicht mehr die stillen Helfer im Hintergrund sein: Weibliche Gläubige fordern bundesweit mehr Verantwortung – und streiken.

Die Institutionen der Kirche scheinen übermächtig. Bei einem Gottesdienst und einer Mahnwache der Initiative „Maria 2.0“ kommen die Initiatoren am Sonntag gegen das Geläut des Paulus-Doms in Münster kaum an. Laut überschallen die mächtigen Glocken die von einem Mikrofon verstärkten Frauenstimmen. Als das Geläut verklungen ist, rufen die Glocken von der wenige Meter entfernten Lambertikirche zum Gottesdienst. Um dagegen anzukommen, ist eine feste Stimme gefragt. Die mehreren hundert Gläubigen, die den bundesweiten Kirchenstreik allein in Münster mit ihrem Kommen unterstützen wollen, verstehen nicht jedes Wort. Aber das ist zweitrangig.

„Wir bekommen tausende Reaktionen, daran kommt kein Bischof mehr vorbei“, sagte Mitinitiatorin Lisa Kötter. Das Bistum Münster habe sich nur indirekt geäußert. Die Frauenfrage sei wichtig, aber die Art des Protestes müsse jeder für sich verantworten, habe man signalisiert, sagte Andrea Voß-Frick.

Aus dem Nachbarbistum Osnabrück kommt am Wochenende sowohl Unterstützung als auch Kritik. „Ich finde die Aktion gut, um ein Zeichen zu setzen für mehr Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche. Die Ungeduld vieler Frauen in der katholischen Kirche muss man wahrnehmen“, sagte Bischof Franz-Josef Bode auf der Facebookseite des Bistum. Dahinter stecke eine ganz tiefe Verletzung, dass sich Frauen in Kirche nicht so angenommen fühlen, wie es ihrem Einsatz entspricht. Kritik gab es von Bode, wenn Eucharistiefeiern in den Gemeinden wegen des Streiks ausfallen. In der Deutschen Bischofskonferenz leitet Bode die Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft.

Eine Woche lang wollen Frauen in der katholische Kirche streiken, ihre ehrenamtlichen Aufgaben bewusst niederlegen und dafür Gottesdienste im Freien – ohne Priester – feiern. Was als Graswurzelbewegung als Protest gegen männliche Machtstrukturen in der Kirche und die von ihnen kritisierte Vertuschung sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger begann, hat mittlerweile hohe Wellen geschlagen. Rückmeldungen gibt es nicht nur aus Deutschland und Österreich, sondern auch aus den USA, berichtet Kötter. Sie gehört zusammen mit Voß-Frick zu einer Gruppe von rund 15 Frauen, die die Initiative Münster aus angestoßen hat.

„Unsere Idee ist auf fruchtbaren Boden gestoßen. Was jetzt daraus wurde, ist nicht mehr unser Werk“, sagte Kötter. Und sie ist davon überzeugt: „Der Glaube wird nicht weniger. Aber er bildet sich nicht mehr in der Institution Kirche ab. Aber das bekommen die Bischöfe nicht mit. Sie sind von Ja-Sagern umgeben.“ Im Gegensatz zu früher hätten die Menschen in den Gemeinden aber keine Angst mehr, Kritik offen auszusprechen.

Unterstützt wird der Kirchenstreik von der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd). Der Verband hat zum Beispiel auch in Saarbrücken-Burbach dazu aufgerufen, sich am Ausstand zu beteiligen. Am kommenden Samstag ist zudem eine Aktion in der saarländischen Landeshauptstadt geplant. Die Katholikinnen ziehen ab 17.30 Uhr von der Europa-Galerie zur Basilika St. Johann. Dort wollen sie mit Kirchenbesuchern ins Gespräch kommen und um 18.30 Uhr einen Gottesdienst vor der Basilika feiern. Auch Männer seien willkommen.

Anders als bei Priestern können in der katholischen Kirche auch verheiratete Männer zu Diakonen geweiht werden. Sie spenden das Taufsakrament, predigen und assistieren in der Eucharistiefeier. Bislang ist das Amt für Frauen tabu.

Die Frauen von „Maria 2.0“ fordern nicht nur in dem Punkt eine Veränderung. Kötter appelliert an die Bischöfe: „Es ist unbegreiflich, was der Kirche entgeht, wenn sie auf die Leidenschaft und Berufung der Frauen, also die Hälfte der Mitglieder, verzichtet. Möge unsere Kirche doch in diesem Punkt voranschreiten.“