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Kein Aufatmen für AKK: Söder als der neue Merz

Markus Söder auf dem CDU-Parteitag : Der neue Merz

CSU-Chef Markus Söder rockt den Parteitag der CDU – und gilt danach einigen schon als neuer Rivale Annegret Kramp-Karrenbauers im Rennen um die K-Frage.

Aufatmen kann Annegret Kramp-Karrenbauer nach diesem Parteitag nicht, höchstens durchatmen. Keine 24 Stunden ist es am Samstag her, dass sich die rund 1000 Delegierten in Leipzig hinter die angeschlagene CDU-Vorsitzende stellten – per Machtfrage hatte sie das als Abgrenzung zu Friedrich Merz eingefordert. Nach einer umjohlten Rede von CSU-Chef Markus Söder macht die Partei AKK dann jedoch klar: Im Wettstreit um die nächste Kanzlerkandidatur ist sie noch lange nicht die Chefin im Ring.

Möglich, dass Kramp-Karrenbauers gefährlichster Kontrahent im Kampf ums Kanzleramt nach diesem Wochenende Söder heißt – und nicht mehr Merz. „Das war die Kanzler-Bewerbungsrede“, heißt es über Söders Auftritt schon im CDU-Vorstand bei Leuten, die allerdings nicht gerade zu AKKs Anhängern zählen. Söder habe seinen Auftritt von langer Hand geplant, nichts mache er ohne Strategie, glauben sie in diesen Kreisen. Ganz anders als AKK, die alles gefühlig aus dem Bauch heraus entscheide.

Und selbst in den Reihen jener, die eigentlich von Anfang an auf Seiten der Vorsitzenden und ihren Kanzler-Ambitionen stehen, ist Anerkennung für den Bayern zu hören. Der habe zwar vielleicht nicht seine Bewerbung fürs mächtigste Amt im Land abgegeben. Auf jeden Fall aber habe er eine „Ich zeige Euch mal, wer es kann“-Rede hingelegt.

Freude am Regieren statt Zaudern und Zögern, Sacharbeit statt Personalquerelen, selbst eine Prise Außenpolitik – Söder reißt die von Wahlklatschen und Umfrage-Desaster frustrierte CDU mit einem Gute-Laune-Auftritt mit. „Lasst uns nicht so kleinmütig sein“, ruft er selbstbewusst. Prioritäten setzen – und außerdem: Mit sozialen Fragen mache man keinen Wahlkampf, ätzt der Bayer Richtung derer, die in der CDU eine Debatte über den mühsam mit der SPD erzielten Kompromiss über die Grundrente angezettelt haben. Viele gute Ratschläge an die große Schwesterpartei – und deren Vorsitzende.

Söders Performance ist auch ein Gegenbild zu Kramp-Karrenbauer vom Vortag. Etliche Längen hatten Delegierte ihrer Parteitagsrede attestiert. Häufig wird in der Partei auch kritisiert, Kramp-Karrenbauer wirke bei ihren Auftritten viel zu missmutig. Kein Wunder eigentlich, dass Söder gute Laune verbreiten kann: Nach dem Machtkampf mit Horst Seehofer ums Ministerpräsidentenamt in Bayern und die CSU-Parteispitze hat er das Schlimmste erstmal hinter sich.

Den Delegierten kommt Söders forscher Auftritt gerade recht. Gleich am Anfang lobt er, die CDU habe ihrer Vorsitzenden immerhin kein Scherbengericht bereitet. Das wäre aber auch ein schlechtes Zeichen gewesen für die Regierungsfähigkeit der Union, ruft er und schmeichelt: Die CDU sei stärkste politische Kraft in Deutschland. Lässig lehnt Söder am Rednerpult. „Feind, das ist für mich die AfD“, attackiert er. Die AfD wolle zurück in die 1930er Jahre. Sie sei nicht eine besonders konservative Partei, sondern in Wirklichkeit die NPD. Auch die Grünen bekommen ihr Fett weg, schließlich seien sie inzwischen die größten Rivalen der Union im Kampf um die Macht im Land. Nicht Schwarz und Grün sei bis zur Bundestagswahl deshalb die Frage, sondern Schwarz oder Grün. Das gefällt den CDU-Delegierten, die schwarz-grünen Träumereien sehr skeptisch gegenüber stehen.

Der aktuelle Koalitionspartner SPD kommt bei Söder fast nur noch am Rande vor – als abschreckendes Beispiel für die Urwahl. Bei den Sozialdemokraten sei „Dauerdepression“ zu besichtigen. Die Menschen werde nur begeistern, wer Optimismus und Lust an Neuem zeige.

Weil Söder gerade beim Klartext ist, hat er auch keine Lust, bei der K-Frage herumzuschwurbeln. Es sei zwar wichtig, darüber nachzudenken, wer Kanzlerkandidatin oder -kandidat werden könne. Entscheidend sei aber nur, dass 2021 die Union den Kanzler stelle. Im Übrigen habe die CSU bei der K-Frage auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Am Ende hat Kramp-Karrenbauer alle Mühe, die Begeisterung ihrer CDU für Söder im Zaum zu halten. Nach minutenlangem Applaus geht sie zum Rednerpult, holt Söder zu sich, spricht vom „verdienten Applaus“. Aber die Delegierten klatschen einfach weiter. Beide gehen zur Präsidiumsbank, setzen sich – erst dann kehrt Ruhe ein. Dann verlässt der CSU-Chef den Saal. „War ein cooler Auftritt“, ruft der Sitzungsleiter, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, ihm noch hinterher. Am Sonntag erklärt Ex-CSU-Minister Peter Ramsauer den Funke-Zeitungen: „Markus Söder hat das Zeug zum Kanzler, das hat er mit seinem Auftritt beim CDU-Parteitag ganz beiläufig gezeigt.“