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Kandidatur für den CDU-Vorsitz: Norbert Röttgen will zurück in die erste Reihe

Kandidatur für den CDU-Vorsitz : Norbert Röttgen will zurück in die erste Reihe

Der ehemalige Umweltminister kündigt überraschend seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz an. Dazu gibt es inzwischen weitere – bislang unbekannte – Bewerber.

Zurück im Blitzlichtgewitter. Bis Dienstagmorgen neun Uhr war Norbert Röttgen „nur“ ein respektabler Außenpolitiker, gern gesehen in Talkshows und auf internationalen Konferenzen, aber selten noch umringt von vielen Fotografen und Kameraleuten. Eine Mail an die amtierende Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat das schlagartig geändert. Jetzt wird alles noch komplizierter bei der CDU. Zumal es offenbar immer mehr werden, die den Chefsessel im Konrad-Adenauer-Haus wollen.

Norbert Röttgen bewirbt sich um den Parteivorsitz. Das teilte er AKK erst schriftlich, dann per Telefon mit. Gegen Mittag folgte sein Auftritt vor der Bundespressekonferenz. Und die große mediale Resonanz genoss der 54-Jährige sichtlich: Kopf nach oben, selbstbewusste Körperhaltung, ein freundliches Lächeln in jede Linse. Fast wie früher, als Röttgen noch ein Mann der ersten Reihe in der Union gewesen ist. Bundesumweltminister, CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen, sogar als potentieller Nachfolger Angela Merkels wurde er gehandelt. Bis Röttgen das alles 2012 vermasselte. Damals widersetze er sich dem Willen der Kanzlerin, als CDU-Spitzenkandidat bei den NRW-Landtagswahlen sein Ministeramt aufzugeben und nach Nordrhein-Westfalen zu wechseln. Die Wahl verlor er deutlich, Merkel warf ihn raus. Es war der große Knick in seiner Karriere. Hinfallen und wieder aufstehen – „ich würde sagen, dass beides wichtig ist für die Übernahme großer Verantwortung“, sagt Röttgen heute.

Röttgen hat sich zurückgekämpft im politischen Berlin, er ist Chef des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages und als solcher sehr anerkannt. Nun will der Jurist mehr. Er sei nicht der vierte Kandidat, sondern der erste, weil kein anderer bisher seine Kandidatur erklärt habe, betonte Röttgen selbstbewusst. In der Tat, weder Friedrich Merz, mit dem sich AKK am Dienstag vertraulich beriet, noch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn haben ihre Kandidatur bisher öffentlich gemacht. Sie gelten daher in der Parteizentrale als „Interessenten“. Zudem wurde aus dem Konrad-Adenauer-Haus noch einmal bestätigt, dass es im Moment drei offizielle Bewerber gebe: „Neben Norbert Röttgen haben sich zwei weitere CDU-Mitglieder schriftlich beworben.“ Diese Namen blieben aber vertraulich, „solange sich die Bewerber nicht selbst äußern“. Rechnet man also zusammen, gibt es derzeit sechs, die sich den Job vorstellen können. Mindestens vier davon aus NRW. Laschet und Spahn werden an diesem Mittwoch zum Gespräch bei Kramp-Karrenbauer erwartet. Sie will auch mit Röttgen in den nächsten Tagen unter vier Augen sprechen.

Vor der Presse erklärte der Rheinländer, im Rennen um den Parteivorsitz müsse es um die richtige inhaltliche Aufstellung der CDU gehen. Er forderte eine klare Abgrenzung nach Links- und Rechtsaußen. Zudem müsse sich die Union mehr um die Ängste der Menschen kümmern, die diese zur AfD trieben. „Zu viele erfahren keine Politik, die sie schützt.“ Nach Röttgens Willen soll es eine Mitgliederbefragung über den Vorsitz geben. „Die Personen sind bekannt.“ Deutlich vor der Sommerpause könne dann ein Sonderparteitag entscheiden. Auch eine eigene Kanzlerkandidatur schloss Röttgen nicht aus: „Der Vorsitzende hat das Recht des ersten Zugriffs.“ Im Falle seiner Wahl glaube er, trotz des damaligen Zerwürfnisses mit der Kanzlerin bis zum Ende der Legislaturperiode im September 2021 gut zusammenarbeiten zu können. „Ich habe an ihrem Verantwortungsbewusstsein und ihrem Pflichtgefühl überhaupt keinen Zweifel.“

Je mehr Bewerber, desto komplizierter wird nun die Vorsitzenden-Findung. Das scheint AKK erkannt zu haben; aus ihrem Umfeld hieß es, noch sei nicht klar, ob die Vorsitzende bei den Gremiensitzungen am Montag ein konkretes Verfahren vorschlagen werde. Das war der ursprüngliche Fahrplan. Und die ins Gespräch gebrachte Bildung eines Teams wird auch nicht einfacher, schon gar nicht, wenn vier prominente Herren aus Nordrhein-Westfalen, die sich nicht unbedingt grün sind, um die Macht ringen.