Kandidaten-Kür für Vorsitz: Bei der CDU soll jetzt alles schnell gehen

Kostenpflichtiger Inhalt: Kandidatenkür für den Parteivorsitz : Jetzt soll alles ganz schnell gehen

Bereits in der kommenden Woche wird es in der krisengeschüttelten CDU Beratungen mit Kandidaten geben, die die Nachfolge Kramp-Karrenbauers antreten wollen.

Auch wenn führende Unionspolitiker Ruhe und Geduld anmahnen, seit klar ist, dass Friedrich Merz CDU-Vorsitzender und damit auch Kanzlerkandidat werden will, erhält die Personalsuche in der Union eine zusätzliche Dynamik. Die ersten Unterstützer der Aspiranten kommen nun ebenfalls aus ihrer Deckung.

Die scheidende Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer absolvierte in dieser Woche einen Erklärungsmarathon. Sehr ruhig, sehr klar, ganz bei sich und ihrer Entscheidung wirkte die CDU-Chefin, als sie ihren diversen Gesprächspartnern die Lage erläuterte. Fakt ist: Kramp-Karrenbauers Zeitplan ist zu den Akten gelegt. Sie wollte über den Sommer und dann endgültig auf dem Parteitag im Dezember in Stuttgart die Führungsfragen klären. Nun wird es in der kommenden Woche schon Beratungen mit jenen Christdemokraten geben, die bereit sind, das Erbe der Saarländerin anzutreten. Ein Sonderparteitag wird somit immer wahrscheinlicher – wann und wo, ist allerdings offen. Klar ist bislang nur, dass der CDU-Bundesvorstand einen entsprechenden Beschluss fassen muss. Frühestens acht Wochen danach kann dann der Konvent stattfinden.

Aus dem Umfeld der Noch-Vorsitzenden hieß es, nach dem Ende der Gespräche in der kommenden Woche werde es Klarheit geben. In der Präsidiumssitzung am 24. Februar, an Rosenmontag, wolle Kramp-Karrenbauer dann über die Ergebnisse informieren. Die CDU-Chefin stehe zudem „in ständigem Kontakt“ mit dem Vorsitzenden der CSU, Markus Söder. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende könnte es zu einem persönlichen Treffen beider kommen. Allerdings hat Kramp-Karrenbauer in ihrer Funktion als Verteidigungsministerin eine lange Liste an Treffen abzuarbeiten. Ob also Zeit für eine Begegnung mit Söder bleibt, ist unklar.

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Führende Unionspolitiker mahnten zwar, nichts zu überstürzen: „Wir dürfen uns jetzt nicht unter Druck setzen lassen“, meinte Fraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) gegenüber unserer Zeitung. Gleichwohl geht nun alles weitaus schneller als gedacht. Die Blicke richteten sich daher am Donnerstag auf die potentiellen Kandidaten. Von Friedrich Merz hieß es, er wolle seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz ohne jede Hektik vorantreiben. Am Abend hielt er in Berlin eine Rede vor Mittelständlern, also auf sicherem Terrain für den früheren Unionsfraktionschef. Genau hingehört wurde zudem beim Auftritt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet im Düsseldorfer Landtag – zu seinen eigenen Ambitionen sagte er während der Debatte über die Ereignisse in Thüringen aber nichts. Und Jens Spahn erhielt am Abend einen Politikpreis. Dass er gerne antreten möchte, hatte der Gesundheitsminister zuvor bereits angedeutet.

Am Donnerstag meldeten sich dann auch die ersten Unterstützer für die möglichen Kandidaten. Seine Partei müsse jetzt eine Antwort auf die Fragen von Morgen geben, erläuterte das Mitglied der Jungen Gruppe der Unionsfraktion, Nikolas Löbel, gegenüber unserer Zeitung. „Für diesen Generationenwechsel, für Aufbruch und Erneuerung steht Jens Spahn.“ Friedrich Merz wiederum erhielt Rückendeckung des CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten, was jedoch nicht verwundert, weil er Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand ist und damit wie Merz dem Wirtschaftsflügel der Union angehört. Nur für Armin Laschet lehnte sich noch keiner öffentlich aus dem Fenster. Weiterhin ungeklärt ist auch das genauere Prozedere, wie der neue Parteichef gekürt werden soll, wenn es bei mehreren Anwärtern bleibt. Der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, kündigte bereits an, er werde die Mitglieder seiner Organisation befragen. Für die Gesamtpartei kommt dieses Vorgehen aber nicht in Frage. Beim CDU-Parteitag im November war eine Urwahl des Parteivorsitzenden abgelehnt worden. Das Ergebnis der Jungen Union dürfte freilich pro Merz ausfallen. Der Sauerländer wurde bei seinen Auftritten bisher immer vom Parteinachwuchs bejubelt.